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Next Level

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Von: Jan Christian Müller

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Nicht zu stoppen: Jude Bellingham. Foto: AFP
Nicht zu stoppen: Jude Bellingham. Foto: AFP © afp

Jude Bellingham macht England froh und gilt zu Recht als einer der besten Box-to-Box-Spieler der Welt. Es ist nur eine Frage des Preises, wann es ihn zurück auf die Insel zieht.

Beim Fachportal transfermarkt.de haben sie den Marktwert von Jude Bellingham zuletzt am 9. November auf 100 Millionen Euro hochgesetzt. Schon einen knappen Monat später scheint es dringend angeraten, nachzubessern. Und zwar spürbar nach dem imposanten Auftritt des 19-Jährigen auf der Weltbühne des Al Bayt Stadions in der Wüste Katars beim 3:0 im WM-Achtelfinale gegen Senegal. Zwei Tore legte der Mittelfeldspieler in einer Art und Weise für England auf, die nur mit „Weltklasse“ hinlänglich beschrieben werden kann. Weshalb die Fifa-Expertengruppe hinterher Harry Kane zum besten Spieler erkor und nicht Jude Bellingham, dürfte für immer ein Geheimnis bleiben.

Vor drei Jahren lag der Schätzpreis für den damals 16-Jährigen von Birmingham City noch bei umgerechnet 2,5 Millionen Euro. Borussia Dortmund erkannte das Potenzial und traute sich, ein Jahr später 20 Millionen zu investieren. Jetzt befinden sich die Westfalen in der komfortablen Situation, einen der besten Spieler der Welt mit Vertrag bis 2025 ihr eigen nennen zu können. Eine Ausstiegsklausel gibt es dem Vernehmen nach nicht. Die BVB-Aktie stieg am Morgen entgegen des Börsentrends. Allen vorn der FC Liverpool mit Teammanager Jürgen Klopp hat verstärktes Interesse bekundet. Der Draht des ehemaligen Dortmunder Trainers zu BVB-Boss Hans-Joachim Watzke könnte kürzer nicht sein. Aber einen Freundschaftspreis darf Watzke-Kumpel Klopp deshalb sicher nicht erwarten.

Wie eine Gummiwand

Als Englands Trainer Gareth Southgate seinen Antreiber Mitte der zweiten Halbzeit auswechselte, geriet die Umarmung besonders innig und die Schulterklopfer noch ein wenig intensiver. Der Coach sagte später, er sei selbst überrascht, wie schnell Bellingham zuletzt gereift ist. „Das Entscheidende bei Jude ist sein Mindset. Er hat in den letzten Monaten noch einmal das nächste Level erreicht. Das konnten wir so nicht erwarten.“ Auffällig war auch von den höheren Sitzreihen des Al Bayt Stadions: Bellingham hat auch körperlich noch mal draufgepackt, die Gegner prallen bisweilen von ihm ab wie von einer Gummiwand.

Der „Guardian“ beschrieb beeindruckt, es sehe so aus, als renne Bellingham ständig abwärts. Sein Mitspieler Phil Foden, 22, ist sich sicher, „dass Jude der beste Mittelfeldspieler der Welt wird.“ Er wolle den Teamkollegen nicht zu groß machen, Bellingham sei ja noch jung, „aber er ist einer der talentiertesten Spieler, die ich je kennengelernt habe.“ Kein Zweifel: In der englischen Premier League hat Foden die allermeisten der internationalen Toptalente schon angetroffen. Er weiß also, wovon er spricht, zumal er selbst zu diesem Reigen gehört.

Es wäre in der Tat verwunderlich, wenn Bellingham nicht alsbald wieder in seiner Heimat Fußball spielen würde. Auch Kapitän Kane schloss sich der allgemeinen Begeisterung über den klassischen Box-to-Box-Spieler an: „Er ist stark mit dem Ball, ohne Ball beim Pressing. Er rennt, spielt Pässe und ist wichtig, wenn es um Tore geht.“ Mehr geht dann wohl kaum noch.

Am Samstag kommt es nun zum Viertelfinale der Engländer gegen Frankreich. Im katarischen Bezahlsender BeIn Sports kennen die hochbezahlten Experten kaum ein anderes Thema. Ruud Gullit etwa ist nicht nur begeistert von Jude Bellingham, sondern von der Reife der englischen Nationalmannschaft insgesamt. Ein offenkundiger Schwachpunkt war aber auch gegen Senegal unschwer zu identifizieren: Innenverteidiger Harry Maguire, 29, von Manchester United, mangelt es an Tempo im Wettlauf nach hinten und Passqualität im Aufbauspiel. Das könnte ein gefundenes Fressen für Kylian Mbappé werden. Wenn Jude Bellingham die Passwege nicht vorher schon verschließt. Er weiß, was zu tun ist.

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