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Nationalmannschaft

DFB-Team: Hansi Flick will vorm Debüt nur über ein Thema reden

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Mit Bundestrainer Hansi Flick soll beim DFB alles besser werden - am besten schon im WM-Qualifikationsspiel gegen Liechtenstein.

Frankfurt - Der mediale Neustart ins Hansi-Flick-Zeitalter findet geerdet im etwas in die Jahre gekommenen Veranstaltungszentrum Waldaupark, Raum Degerloch, statt: Stadtrand von Stuttgart, mit Kiefernholz verkleidete Wände, Glasvitrinen mit Silbertellern des Bezirkssängerfests Kreis Süd, nebenan eine Kegelbahn und die dringende „Bitte um Rücksichtnahme“: Im Raum Stuttgart, fast so groß wie eine Turnhalle, gibt es Abschlussprüfungen. Die Prüflinge sind dann Rechtsfachwirtin oder Rechtsfachwirt. Eine junge Frau läuft tränenüberströmt über den Flur. Durchgefallen.

Hansi Flick will es besser machen mit den deutschen Fußball-Nationalspielern des DFB. Durchgefallen sind die zuletzt oft genug: Weltmeisterschaft 2018, Nations League 2019 und 2020, Europameisterschaft 2021. Davor der misslungene Start in die WM-Qualifikation mit der peinlichen Niederlage gegen Nordmazedonien. Deshalb ist Flick ja nun da. Damit das wieder besser wird.

Der neue Chef. Hansi Flick.

DFB-Team: Interesse an Bundestrainer Hansi Flick groß

Der 56-Jährige muss jetzt komische Fragen beantworten. Fragen, die Deutschlands höchstrangigem Fußballlehrer halt nicht erspart bleiben. Welche Art Kaffee er am liebsten mag (lieber Espresso als Cappuccino, genau wie Vorgänger Jogi Löw), welchen Wein er bevorzugt (trockenen Roten, mochte Löw auch), wann er zuletzt auf einem Konzert war (Helene Fischer gemeinsam mit Jürgen Klopp), wer ihn am meisten beeindruckt („Meine Frau, wie sie mir den Rücken freihält“)“.

Flick würde lieber über Fußball sprechen, aber er hat als gefeierter Erfolgstrainer des FC Bayern ja schon mitbekommen, dass das Interesse an seiner Person wächst wie verrückt. Tags zuvor im strömenden Regen hat er noch freundlich, aber sehr bestimmt abgelehnt, die Kappe für die Fotografen abzusetzen. Als dann am nächsten Morgen die Sonne scheint, posiert er gnädig im Stadion der Stuttgarter Kickers.

DFB-Team reist mit dem Bus nach St. Gallen – Oliver Bierhoff hat dazugelernt

Zum WM-Qualifikationsspiel Spiel am Donnerstag (live 20.45 Uhr im TV und Live-Stream) in St. Gallen gegen elf Fußballzwerge aus Liechtenstein wäre der neue Mann am Ruder am liebsten nonstop aus Stuttgart geflogen. Aber weil eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft laut Manager Oliver Bierhoff „den Spagat zwischen optimaler Vorbereitung und anderen Kriterien“ – hier: Schonung der Umwelt, Vermeidung eines Shitstorms – zu erfüllen hat, werden die 217 Kilometer über die Autobahn 81 mit zwei Omnibussen bewältigt. Denn vor einem Jahr hatte es mächtig Kritik nicht nur von Umweltverbänden gegeben, als der Kurztrip Stuttgart – Basel (Luftlinie 180 Kilometer) vom Nationalteam fliegend absolviert wurde. Bierhoff hat daraus gelernt: „Mir ist die Busfahrt sowieso Recht, da muss ich nicht umsteigen.“

Der 53-Jährige, schlank und rank wie eh und je, steht im Trainingsanzug vor der Tribüne der Kickers-Arena. Eigentlich ist es bei Treffen des Nationalkaders üblich, dass Bierhoff bei der live übertragenen Pressekonferenz auftritt. Diesmal beschränkt er sich auf das informelle Treffen am Spielfeldrand. Denn: „Das ist hier Hansis Bühne. Beim Neustart steht der Sport im Fokus.“

Oliver Bierhoff reagiert trotzig auf Frage nach Slogan „Die Mannschaft“

Dass er dann aber doch gefragt wird, ob der Claim „Die Mannschaft“ auch weit in die Ära Flick hineingetragen wird, kann Bierhoff nicht verhindern und auch nicht verwundern. Denn der designierte DFB-Präsident Peter Peters hat neulich öffentlich verlauten lassen, der vielkritisierte Slogan könne gern gekippt werden. Bierhoff sagt leicht verstimmt, ihm gegenüber habe Peters das nie geäußert. Und überhaupt: „Ich häng nicht dran. Es wird immer so hingestellt, als ob das mein Baby wäre. Wenn einer einen besseren Vorschlag hat, können wir das gerne ändern.“ Bierhoff klingt ein bisschen trotzig.

NamePositionVerein
Bernd LenoTorwartBayer Leverkusen
Manuel NeuerTorwartBayern München
Kevin TrappTorwartEintracht Frankfurt
Ridle BakuAbwehrVfL Wolfsburg
Robin GosensAbwehrAtalanta Bergamo
Tilo KehrerAbwehrParis Saint-Germain
Lukas KlostermannAbwehrRB Leipzig
David RaumAbwehrTSG Hoffenheim
Antonio RüdigerAbwehrChelsea FC
Nico SchlotterbeckAbwehrSC Freiburg
Niklas SüleAbwehrBayern München
Karim AdeyemiMittelfeld/AngriffRB Salzburg
Mahmoud DahoudMittelfeld/AngriffBorussia Dortmund
Serge GnabryMittelfeld/AngriffBayern München
Leon GoretzkaMittelfeld/AngriffBayern München
Ilkay GündoganMittelfeld/AngriffManchester City
Kai HavertzMittelfeld/AngriffChelsea FC
Jonas HofmannMittelfeld/AngriffBorussia Mönchengladbach
Joshua KimmichMittelfeld/AngriffBayern München
Thomas MüllerMittelfeld/AngriffBayern München
Jamal MusialaMittelfeld/AngriffBayern München
Florian NeuhausMittelfeld/AngriffBorussia Mönchengladbach
Marco ReusMittelfeld/AngriffBorussia Dortmund
Leroy SanéMittelfeld/AngriffBayern München
Timo WernerMittelfeld/AngriffChelsea FC
Florian WirtzMittelfeld/AngriffBayer Leverkusen

Hansi Flick kann auch trotzig klingen, wenn er will. Beim FC Bayern haben sie das erlebt, als der Konflikt des Trainers mit Sportchef Hasan Salihamidzic von Flick geschickt und durchaus zum eigenen Vorteil öffentlich in Szene gesetzt wurde. Bei aller vielfach gelobter Empathie des neuen Bundestrainers im Umgang mit Spielern und Funktionsteam – Flick kann auch sehr deutlich werden, wenn ihm etwas nicht passt.

DFB-Trainer Hansi Flick: „Die Mannschaft zerreißt sich für Deutschland“

Beim DFB-Team ist das nach den ersten Tagen der Amtsübernahme noch nicht der Fall, auch die ein wenig lästige Busfahrt hat er akzeptiert („Der DFB hat die Entscheidung getroffen. Drei Stunden sind okay“). Aber klar ist auch: Ein Bundestrainer Hansi Flick möchte über Fußball reden, nicht über Fragen der Gesellschaft und Politik. Als eine solche Frage kommt im Zusammenhang mit Katar kommt, wird sie vom Pressesprecher abmoderiert.

Zurück zum Sport: Er sei „absolut begeistert, wie wir im Trainerteam miteinander umgehen und die Mannschaft pushen“, sagt Flick und wird gar ein wenig pathetisch: „Die Mannschaft zerreißt sich für Deutschland.“ Er selbst sei zwar qua Amt der Bundestrainer, jedoch: „Es gibt hier keinen Cheftrainer.“ Darauf legt er Wert.

Hansi Flick muss gegen Liechtenstein auf Manuel Neuer und Thomas Müller verzichten

Bei der Trainingsarbeit ist unschwer zu erkennen, dass Flick sich mehr zurückhält, als Vorgänger Löw das getan hat. Der erst 32 Jahre alte Danny Röhl, noch nicht im Besitz der Fußballlehrerlizenz, ist sehr viel präsenter als Marcus Sorg, den Flick aus der Ära Löw übernommen hat. Röhl kam mit Flick von den Bayern, „dort haben wir fast zwei Jahre lang zusammen eine Spielphilosophie entwickelt, die erfolgreich war“. Sorg würde sich deshalb bewusst etwas zurücknehmen. Und doch: „Es gibt keine Hierarchie im Trainerteam. Wir sprechen eine Sprache, alle wissen, in welche Richtung es geht.“ Eine offene Kommunikation sei ihm wichtig, sagt Flick, „ich möchte ungefiltert Input bekommen.“

Und natürlich möchte er Output sehen. Dazu werden seine Bayern-Lieblinge Manuel Neuer und Thomas Müller aber in St. Gallen nicht beitragen können. Neuer zwickt der Knöchel, statt des Kapitäns spielt Bernd Leno vom FC Arsenal, nicht der Frankfurter Kevin Trapp. Neuer könnte bis Sonntag gegen Armenien wiederhergestellt sein. Für Müller gilt das nicht. Der ist mit Adduktorenproblemen bereits zurück in München. (Jan Christian Müller)

Rubriklistenbild: © dpa

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