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Leon Goretzka trifft zwar zum 1:1, mehr ist aber nicht drin für das Team des DFB.

Nationalmannschaft

Neues Jahr, altes Leid

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Das DFB-Team fällt beim 1:1 gegen Serbien mit nachlässiger Chancenverwertung und manchen Lücken in der Defensive auf.

Das Motto „Neues Jahr – neues Glück“ ist für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum Saisonauftakt des Länderspieljahres 2019 nur zum Teil aufgegangen. Beim 1:1 (0:1) gegen Serbien konnte erst Phasen der letzten halbe Stunde die 26.000 Zuschauer in Wolfsburg einigermaßen in Wallung bringen.

Für Joachim Löw ist der Arbeitstag am Mittwoch ein wenig umfangreicher gestaltet worden, als es der Bundestrainer gewohnt ist. Denn als sich gerade die Sonne ein wenig durch die Wolfsburger Wolken gequält hatte, musste der Bundes-Jogi bei der Betriebsversammlung des neuen Sponsors Volkswagen in der prall gefüllten Halle 11 ein paar salbungsvolle Worte sprechen und tat das souverän. Hinterher gab es noch einen zünftigen verbalen Schlagabtausch zwischen Betriebsratsboss Bernd Osterloh und Konzernchef Herbert Diess um die künftige Strategie des Mobilitätsunternehmens.

Joachim Löw weiß jetzt aus eigener Anschauung, dass nicht nur das Amt des obersten Fußballverstehers im Land aufreibend sein kann. Saures für den Boss gibt´s auch um die Ecke im Wolfsburger VW-Werk, wenn dieser betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen mag. Löw hat sie in den Fällen Hummels, Müller und Boateng ja schon formlos ausgesprochen. Noch dazu ohne Abfindung. Dafür wurden die Drei von der organisierten Fankurve auf umso formvollendeter und namentlich unübersehbar verabschiedet.

Luka Jovic und Mijat Gacinovic beginnen für Serbien

Am Abend dann im doch noch restlos ausverkauften Haus gegen eine recht umfangreich personell gerupfte serbische Nationalmannschaft mit den beiden später ausgewechselten Frankfurtern Luka Jovic und Mijat Gacinovic in der Startelf auf dem Dienstprogramm. Löw ließ dabei den einstigen Leichtathleten Lukas Klostermann, der bis 2010 mehrfach am Wettbewerb „Deutschland sucht den Supersprinter“ teilnahm. von RB Leipzig debütieren und sagte damit schon mal nonverbal an, worum es in Zukunft im DFB-Team vor allem geht: um unbedingten Speed. Um Schweinsgalopp statt Zuckeltrab. Und um Wiedergutmachung und Rückgewinnung von Fußballfreunden, die sich schon abgewendet haben vom Jogi-Land.

Das gelang in der ersten Halbzeit schon mal keineswegs. Die deutsche Mannschaft wurde vom eigentlich erkennbar klatschfreudigen Publikum mit nicht bloß vereinzelten Pfiffen in die Pause verabschiedet. Und sie konnte froh sein, dass es zu diesem Zeitpunkt nur 0:1 durch ein Tor des Frankfurters Luka Jovic nach der ersten serbischen Ecke in der zwölften Minute stand und nicht schon 1:3. Denn der ansonsten bärenstarke Serbe Adem Ljajic hatte in der 41. Minute völlig freistehend vor Manuel Neuer nur einschieben statt draufdreschen brauchen, um zu treffen, ehe kurz darauf der aufmerksame Jonathan Tah in höchster Not gegen Nikola Milenovic klärte.

Großchance für Timo Werner, feiner Pass von Joshua Kimmich

Auf der anderen Seite produzierte das deutsche 4-2-3-1-System in den ersten 45 Minuten nur eine Großchance durch Timo Werner (37.), die der serbische Torwart Marko Dmitrovic wie durch ein Wunder entschärfte. Zuvor war der agile Klostermann nach feinem Pass von Joshua Kimmich rechts durchgebrochen. Es war einer der wenigen Angriffe, die bis dahin so abliefen, wie Löw es sich vorstellt. Ansonsten rannten sich eifrigen Gastgeber in ihrer relativen Unerfahrenheit in der vielbeinigen serbischen Abwehr immer wieder fest, über die linke Seite, wo Klostermanns Leipziger Teamkollege Marcel Halstenberg unterwegs war, ging fast gar nichts.

Gerade nach dem frühen Gegentor war der DFB-Elf zudem auch der Druck anzumerken, der in der derzeitigen Situation völlig normal ist. Und die Gäste machten auch nicht den Fehler, große Räume zu öffnen. So kam es vom von Trainer Löw vorausgesagten Ballbesitzfußball, dem jedoch aufgrund der serbischen Betontaktik und vielen kleinen Unzulänglichkeiten im deutschen Kombinationsspiel Tiefe und Tempo und aus nachvollziehbaren Gründen nach nur einer halbwegs ernsthaften Trainingseinheit auch Automatismen im Positionsspiel fehlten.

Marc André ter Stergen für Manuel Neuer

Zur zweiten Halbzeit kam Marc André ter Stegen für Manuel Neuer ins Tor und Marco Reus (29) für den zehn Jahre jüngeren und zuvor fahrig agierenden Kai Havertz. Nach 48 Minuten konnten die Deutschen froh sein, dass Darko Lazovic seine Großchance nicht zum 2:0 nutzte. Die ohne einen einziger Feldspieler des WM-Finals angetretenen Gastgeber versuchten, die Serben nun auch mal herauszulocken, indem sie etwas Druck aus ihrem Spiel ließen. Aber das funktionierte mit übersichtlichem Erfolg. Bald brachte Löw Leon Goretzka für Julian Brandt, dem bei allem Eifer nicht viel Substanzielles gelungen war.

Milan Pavkov sieht Rot nach einem bösen Tritt gegen Leroy Sané.

Das deutsche Spiel wurde zwar nicht konzeptioneller, aber wieder kraftvoller, Reus scheiterte nach einer Stunde knapp am tapferen Torwart Dmitrovic, Sané scheiterte mit einem Kinderkopfball ebenfalls am Keeper, ehe Gündogan diesen bereits umspielt hatte und den Ball dann doch nicht über die Linie brachte. Es war mächtig was los im serbischen Strafraum, zumal den Gästen zunehmend die Kräfte entglitten. So kam es nicht von ungefähr, dass Goretzka in der 69. Minute mit einem trockenen 15-Meter-Schuss der Ausgleich gelang. Danach produzierte Leroy Sané noch einige gelungene Showelemente und sein Gegenzweikämpfer Milan Parkov nach bösem Einsteigen einen Platzverweis in der Nachspielzeit, jedoch keine Tore mehr.

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