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Allen Grund zum Jubeln: Lina Magull und Klara Bühl.

Frauen-Nationalmannschaft

Neuer Spieltrieb

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Lina Magull und Klara Bühl sind die Aufsteiger bei den DFB-Frauen. Gegen die Ukraine gelingt in der EM-Qualifikation der nächste Kantersieg.

Eigentlich hätte sich Martina Voss-Tecklenburg die Halbzeitansprache am Aachener Tivoli auch schenken können. Ihre Spielerinnen hatten in der EM-Qualifikation gegen die Ukraine (8:0) beim dritten Kantersieg im dritten Spiel die Vorgaben bereits nach der ersten Spielhälfte vollumfänglich erfüllt, so dass Korrekturen kaum nötig erschienen. Der schlichte Hinweis der Bundestrainerin, einfach unverändert so weiterzumachen, hätte genügt. Die 51-Jährige hätte sich dann in der Pause zu den ehemaligen Mitstreiterinnen stellen können, die in einer Stadionecke für einen Meilenstein in der Entwicklung des deutschen Frauenfußballs geehrt wurden.

30 Jahre ist es jetzt her, dass die Frauen-Nationalmannschaft ihren ersten Titel gewann. Das EM-Finale an der Bremer Brücke in Osnabrück gilt bis heute als Monument des Durchbruchs, weil am 2. Juli 1989 eine größere Öffentlichkeit bemerkte, dass Silvia Neid, Doris Fitschen oder Heidi Mohr sehr ordentlich mit dem Ball umgehen konnte. Martina Voss gehörte auch zu jenen umjubelten Protagonisten, und sie holt das damals als Siegprämie ausgehändigte Kaffeeservice mit ihrem Mann Hermann Tecklenburg zu Hause in Straelen noch immer aus dem Schrank. Die Blümchenverzierung mag nicht mehr zeitgemäß erscheinen, aber der Kaffee schmeckt aus dem Porzellan bis heute.

Seit fast einem Jahr arbeitet sie daran, als Bundestrainerin die erfolgreiche Vergangenheit wiederzubeleben. Ihre Mannschaft ist nach dem zu frühen WM-Ausscheiden von einem Geist der Wiedergutmachung durchdrungen, um sich bei der EM 2021 in England von der besten Seiten zu zeigen. Wieder machten die DFB-Frauen durch Tore von Klara Bühl (7., 58. und 61.), Giulia Gwinn (30.), Lina Magull (37., 42. und 90.+2) und Melanie Leupolz (87.) einen Klassenunterschied deutlich. Die beiden Spielerinnen, die im DFB-Dress ihren ersten Dreierpack schnürten, stachen heraus: Magull, die Technikerin vom FC Bayern; Bühl, die Stürmerin vom SC Freiburg. Die eine als Symbolfigur für Spielfreude, die andere als Synonym für Torhunger. Kombiniert eine Trumpfkarte aus Tempo, Tricks und Tore.

Tolles Gesamtpaket

„Wir und der Ball waren viel in Bewegung“, sagte Magull, die das Erinnerungsstück bereitwillig ihrer ehemaligen Mitspielerin im Breisgau überließ: „Ich war schon vor drei Jahren von ihr beeindruckt. Ein tolles Gesamtpaket.“ Als die 18-Jährige kürzlich in Hamburg mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold als beste U19-Juniorin ausgezeichnet wurde, platzte DFB-Präsident Fritz Keller als Klubrepräsentant vor Stolz. Das Toptalent steht für all das, was die ganzheitliche Ausbildung in der Freiburger Fußballschule ausmacht: Bescheidenheit, Fleiß und Talent.

Magull und Bühl hatten keine Stammplätze beim WM-Turnier, wobei im Rückblick sich wohl auch Voss-Tecklenburg fragt, warum sie nach dem Ausfall von Dzsenifer Marozsan nicht gleich auf die Instinktfußballerin Magull setzte. „Sie ist eine Fußballerin, die immer spielen will, die viele Lösungen und ein Näschen für die Aktion hat“, lobte Voss-Tecklenburg. Das Vertrauen täte ihr gut, erklärte die 24-Jährige, „da macht man sich weniger Gedanken.“

Bühl wertete ihre Länderspieltoren drei bis fünf ebenfalls als Resultat, frei aufspielen zu können. „Das gibt mir Mut und Selbstvertrauen“, sagte die Angreiferin, die von der Bundestrainerin als „Spielerin für die Zukunft mit ganz viel Potenzial“ betrachtet wird: „Manchmal weiß sie noch gar nicht, was sie alles draufhat. Wenn wir ihr jetzt noch die taktischen Laufwege und körperliche Robustheit beibringen, wird sie in Zukunft sehr viele Freude machen.“

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