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Wird wieder mehr Bolzball gespielt, nachdem in der vergangenen Saison der Ballbesitz und das Positionsspiel etwas mehr zelebriert wurden als zuvor?

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Neue Trainer in der Bundesliga: Bolzball oder Ballbesitz?

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Einst prägten brillante Trainerköpfe wie Guardiola und Klopp und Tuchel die Bundesliga - in der neuen Saison gehen ein paar Neulinge an den Start, die ebenfalls spannende Impulse versprechen. Ein Kommentar. 

Welchen Fußball können die Fans von der neuen Bundesligasaison erwarten? Schauen wir auf fünf der sechs Trainer, die bisher noch nie im hiesigen Oberhaus tätig waren: Achim Beierlorzer, neu beim 1. FC Köln, coachte vormals den Nachwuchs von RB Leipzig und assistierte Ralf Rangnick zu Zweitligazeiten. David Wagner, jetzt auf Schalke, war bei der TSG Hoffenheim tätig. Oliver Glasner hat eine Vergangenheit bei RB Salzburg (wie auch der Frankfurter Chefcoach Adi Hütter und Bayern-Trainer Niko Kovac). Alfred Schreuder ist in Hoffenheim kein Unbekannter, er war schon von 2015 bis 2017 als Co-Trainer von Julian Nagelsmann da. Marco Rose, jetzt in Mönchengladbach verantwortlich, trainierte bei RB Salzburg nicht nur die Profis, sondern davor auch die U16 und U18.

Leipzig, Hoffenheim, Salzburg – der Einfluss von Rangnick ist unübersehbar. Bei Wagner und Rose, zudem beim Mainzer Sandro Schwarz und dessen Vorgänger Martin Schmidt (Augsburg) kommen Einflüsse der Jürgen-Klopp-Schule hinzu. Sie alle münden in teilweise überarbeiteten Formen des schnellen Umschaltspiels, meist zudem des ganz frühen Pressings, wie es Peter Bosz bei Bayer Leverkusen sehr konsequent lehrt. Auch der Bremer Florian Kohfeldt und der Berliner Ante Covic gehören zu den überzeugten Vertretern einer offensiven Idee, Steffen Baumgart lehrt in Paderborn Powerfußball bis zum Abwinken.

Vermehrt hohe Bälle

Interessant wird zu beobachten sein, was dabei herauskommt, wenn die Gegner sich ständig früh gegenseitig unter Druck setzen. Wird wieder mehr Bolzball gespielt, nachdem in der vergangenen Saison der Ballbesitz und das Positionsspiel etwas mehr zelebriert wurden als zuvor? Oder wird das Risiko, sich spielerisch von hinten heraus aus einer Umklammerung zu lösen, regelmäßig in Kauf genommen? Frühe Ballverluste in der Nähe des eigenen Strafraums können bekanntlich besonders schmerzhaft sein. Davon lebt das Pressing, der Weg zum Ziel ist dann nur kurz.

Als Gegengift für technisch und taktisch unterlegene Teams können hohe Bälle auf einen Zielspieler wirken. So haben es die Engländer in jenen längst vergangenen Tagen bis in die 1990er Jahre hinein gehalten, als der Einfluss vom Festland noch nahe null war. Aktuell geben die Herren Klopp und Guardiola Ton und Taktik auf der Insel an, die frühe Balleroberungen mit klugen Offensivstrategien verbinden. Mit Klopp, Guardiola und dem ebenso hochbegabten Thomas Tuchel hat die Bundesliga viel Qualität in der Coachingzone verloren. Ein bisschen davon könnte mit den sechs Neuen jetzt zurückkehren.

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