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Neue Perspektiven für die Nationalelf

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Von: Jan Christian Müller

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In der Kritik: Thomas Müller ist weit weg von seiner Bestform.
In der Kritik: Thomas Müller ist weit weg von seiner Bestform. © dpa

Als es drauf ankam, haben sich die Nationalspieler gegenseitig geholfen. Diese Mentalität braucht es auch am Donnerstag gegen Costa Rica – nur Thomas Müller bereitet Sorgen.

Es gibt eine Fußballweisheit, die es aus gegebenem Anlass zu überprüfen gilt: „Die Tabelle lügt nicht.“ Vor dem zweiten WM-Spiel in Katar war die deutsche Nationalmannschaft Gruppendritter. Die Stimmung war schlecht. Jetzt ist sie hinter Costa Rica auf den vierten und letzten Platz abgerutscht. Die Stimmung ist plötzlich gut. Manchmal lügt eine Tabelle also doch.

Denn der späte Ausgleichstreffer durch Niclas Füllkrug gegen Spanien hat Perspektiven eröffnet. Es ist deshalb sicher nicht so, dass die Leute in Deutschland sich nun glückselig in den Armen liegen würden. Ein paar vielleicht schon, aber bestimmt nicht die meisten. Dazu ist in den vergangenen Jahren zu viel kaputtgegangen im Verhältnis der Mannschaft zu den Menschen und im Verhältnis vom großen Fußball zum kleinen Fan ganz grundsätzlich. Aber die Herz-Schmerz-Geschichte, die Füllkrug jetzt liefert, bietet Raum für ein wenig Zuneigung des Fußballvolkes. Und sicher auch die Art und Weise, wie sich das nach der Japan-Schmach vielfach ja schon abgeschriebene DFB-Team gewehrt hat.

Als es drauf ankam, hat man sich gegenseitig auf dem Platz geholfen. Ganz anders als gegen Japan. Diese Mentalität braucht es auch am Donnerstag gegen Costa Rica. Niemand muss die Sterne vom Himmel spielen. Aber jeder muss für den anderen da sein. Leon Goretzka hat das gut erkannt: „Es waren elf Spieler auf dem Platz, die bereit waren, sich zu zerreißen. Ich glaube, die wichtigste Erkenntnis muss sein, dass es nur so funktionieren kann.“

Hansi Flick hat gegen Spanien einen wichtigen Wechsel vollzogen, indem er Goretzka in die Startelf vorrücken ließ, der nicht nur mit einer Monstergrätsche in der Schlussphase auffällig wurde. Und der Bundestrainer hat diesmal mehr Fortune bei seinen Einwechslungen bewiesen als zuvor gegen Japan. Lukas Klostermann und Leroy Sané bereiteten Füllkrugs Tor vor. Alle drei waren gemeinsam nach 70 Minuten als Joker-Trio gekommen. Besser kann ein Trainer nicht agieren. Schon gar nicht einer, der vorher so hart für seine Wechsel kritisiert worden war. Ironie der Geschichte: Flick hat sich von der Kritik nicht beirren lassen und, genau wie gegen Japan, auch diesmal Gündogan und Müller vorzeitig vom Feld geholt.

Müller droht die Bank

Für Letzteren könnte die Zeit als logische Stammkraft unter Flick schon Donnerstag zumindest vorläufig beendet sein. Gegen Costa Rica drängt sich Strafraumstürmer Füllkrug in der Startformation geradezu auf. Auch der wiedergenesene Sané brachte gegen Spanien gehörig Schwung ins deutsche Angriffsspiel. Es gilt das Leistungsprinzip. Selbst wenn es den Bundestrainer und den langjährigen Spieler seines Vertrauens persönlich schmerzen dürfte: Thomas Müller ist ein Kandidat für die Bank. Per Mertesacker hat 2014 vorgemacht, wie ein verdienter Nationalspieler mit einer solchen Situation umzugehen hat: eigenes Ego hinten anstellen, Frust hinunterschlucken, Team unterstützen. Weltmeister werden.

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