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Nervenkrimi Nordderby

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Von: Frank Hellmann

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Bremer Jubel: Marvin Ducksch (rechts) feiert sein Tor zum 1:3.
Bremer Jubel: Marvin Ducksch (rechts) feiert sein Tor zum 1:3. © dpa

Im Zweitligagipfel verteidigt Werder Bremen mit einem glücklichen 3:2 beim HSV die Spitze

Kapitän Ömer Toprak rutschte in Richtung der eigenen Fans, während Trainer Ole Werner mit geschwungenen Fäusten auf den Rasen sprang: Die Freudenszenen bei Werder Bremen nach einem dramatischen 130. Nordderby beim Hamburger SV waren verständlich: Mit einem glücklichen 3:2 (1:0) beim Erzrivalen machte der Bundesligaabsteiger einen Schritt in Richtung Wiederaufstieg und verteidigte die Tabellenführung. „Wir haben ein geiles Derby gesehen. Aufgrund der ersten Halbzeit haben wir verdient gewonnen. Es ist noch ein weiter Weg“, sagte Doppel-Torschütze Ducksch. Der HSV hingegen haderte vor allem mit dem Unparteiischen Daniel Siebert, der den Gästen gleich zwei Handelfmeter nach Rücksprache mit dem Videoassistenten zusprach. Hamburgs Bester, Jonas Meffert, war ziemlich erbost, dass sich der Kölner Keller mit Videoassistent Pascal Müller wiederholt einschaltete: „Das war niemals eine klare Fehlentscheidung. Er schießt mich aus einem Meter an. Für mich ist das lächerlich.“ Meffert spielte auf die Szene vor dem 0:1 an: Leonardo Bittencourt hatte aus klarer Abseitsposition ins Tor geköpft, bis sich der VAR meldete, weil Meffert zuvor bei der Flanke der Ball an die leicht ausgestreckte Hand gesprungen war.

Siebert mehrfach im Fokus

Der Fifa-Schiedsrichter aus Berlin schaute sich auf dem Kontrollmonitor die Szene an und zeigte auf den Elfmeterpunkt: Marvin Ducksch schickte Torhüter Daniel Heuer Fernandes in die falsche Ecke (10.). Worüber es keine zwei Meinungen geben konnte: Die von Trainer Ole Werner taktisch glänzend eingestellten Bremer pressten früh und wirkten abgeklärter. Der HSV haderte bald darauf mit einem nicht gegebenen Tor von Moritz Heyer, nachdem Hamburgs Torjäger Robert Glatzel zuvor Werders Abwehrchef Ömer Toprak geschubst hatte (19.). „Der Kontakt gehört dazu“, fand Glatzel. Schubsen aber nicht.

Die Bremer Halbzeitführung ging in Ordnung: Es war nur Heuer Fernandes zu verdanken, der gegen Bittencourt (30.) und Ducksch (32.) rettete, dass der Rückstand nicht höher ausfiel. Nach dem Wechsel setzten sich die diskussionswürdigen Szenen nahtlos fort. Erst schoss Meffert den Ball zum 1:1-Ausgleich ins Bremer Tor (46.) – Mitchell Weiser hatte mit einer Fußspitze das Abseits aufgehoben -, ehe Weiser mit seinem Fernschuss wieder Siebert dazu animierte, in die Review Arena zu eilen. Tatsächlich hatte Bakery Jatta den Ball aus nächster Nähe an die allerdings zu hohe Hand bekommen, wieder also gab es Strafstoß: Diesmal schob Niclas Füllkrug ein (51.). In der Folgezeit gaben die Bremer ihre aktive Haltung komplett auf - und der HSV drückte.

Es passte zur Geschichte dieses turbulenten Zweitligagipfels, dass das 1:3 - von Ducksch nach Jatta-Ballverlust erzielt (76.) - noch nicht die Entscheidung bedeutete. Denn als Werders 15-facher Torschütze nach einem Foul am Boden liegen blieb, Siebert aber das Spiel nicht unterbrach, verkürzte Glatzel prompt auf 2:3 (80.). Nun lag noch einmal knisternde Spannung über dem mit 25 000 Fans gefüllten Volksparkstadion. In der fünften Minute der Nachspielzeit lagen sich einige schon in den Armen, als Manuel Wintzheimer den Ball über die Linie schubste, doch hatte Vorlagengeber Sonny Kittel beim Pass von Keeper Heuer Fernandes hauchzart im Abseits gestanden.

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