Genießt beim DFB großes Vertrauen: Bundestrainerin Martina Voss-Teckelenburg.
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Genießt beim DFB großes Vertrauen: Bundestrainerin Martina Voss-Teckelenburg.

Nationalmannschaft

Von Natur aus positiv

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist auch während der Corona-Krise gut ausgelastet. Und darf auf eine baldige Vertragsverlängerung hoffen.

Im Hause Voss-Tecklenburg ist frühes Aufstehen längst Ritual. Seit Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg weiß, dass sie in diesen schwierigen Tagen an ihrem Wohnort in Straelen stets stundenlang vor dem Rechner zubringt, Emails beantwortet, Konzepte schreibt oder Videokonferenzen führt, wird morgens erst einmal geschwommen. Und abends setzt sie sich nicht selten neben ihren Ehemann Hermann Tecklenburg auf ein fest montiertes Rad auf der Terrasse. Sportliche Betätigung muss auch in Zeiten sein, in denen der gesamte Fußball inne hält. Amateure und Profis, Jugendliche und Erwachsene, Frauen und Männer – alle hangeln sich eigentlich nur von einer Verlegung zur nächsten Verschiebung.

Gerade erst hat die Dachorganisation Uefa beschlossen, dass die eigentlich für 2021 geplante Frauen-EM in England um ein Jahr verschoben wird. Neuer Termin ist nun der 6. bis 31 Juli 2022, weil mit den Niederlanden, Schweden und England drei europäische Topteams beim Olympischen Fußballturnier mitspielen. „Völlig fein“ sei sie damit, sagte Voss-Tecklenburg. Denn: „Das Alleinstellungsmerkmal tut uns gut.“ Im Sommer 2022 gibt es kaum Konkurrenz, denn die Männer müssen ihre absurde WM 2022 in Katar bekanntlich im Winter austragen.

Indirekt gab die Bundestrainerin zu verstehen, dass sie dem spontanen, aber unüberlegten Vorschlag ihrer Kapitänin Alexandra Popp, die EM der Frauen und Männer gemeinsam auszutragen, wenig abgewinnen kann. Zumal der Gastgeber mit dem Eröffnungsspiel im Old Trafford oder dem Endspiel in Wembley die bekanntesten Bühnen der Insel bespielt.

Die Frauen bekommen im Mutterland des Fußballs gewiss jene Plattform, die sie für mehr Publicity benötigen. Es gibt nur ein klitzekleines Problem: Offiziell ist der Vertrag mit der 52-Jährigen dann gar nicht mehr gültig. Das Arbeitspapier läuft nur bis 2021. Die Bundestrainerin gab sich in einer Video-Presserunde entspannt, dass in „zeitnahen Gesprächen“ die Zusammenarbeit ausgedehnt wird. Sinnvoll wäre eine Vertragsverlängerung gleich bis in den Sommer 2023, weil dann bereits die nächste WM ansteht. „Der Vertrag läuft ja noch 14 Monate, da haben wir jetzt noch nicht unbedingt Druck. Für uns steht eine sportliche Planung im Vordergrund“, sagte Voss-Tecklenburg am Freitag. Joti Chatzialexiou, Sportlicher Leiter Nationalmannschaften, hat wie Direktor Oliver Bierhoff großes Vertrauen in die ranghöchste DFB-Trainerin, die im Verband geschätzt wird.

Keine Langeweile

Ihr mangelt es seit Ausbruch der Corona-Krise nicht an Beschäftigung: „Ich habe fünf Wochen intensiv gearbeitet. An strukturellen Dingen, für die sonst nicht Zeit ist.“ Ein Ausbildungsleitfaden bis zu den U15-Juniorinnen, eine Online-Fortbildung für interessierte Amateurtrainer und -trainerinnen, ein Input mit U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz zum Schwerpunkt Stürmertraining. „Langweilig ist mir nicht, aber der normale Fußball fehlt.“ Im regelmäßigen Austausch ist sie mit den Nationalspielerinnen, gerade auch jenen, die teilweise in der Isolation mehr Zuspruch brauchen. Von möglichen Depressionen, vor der die Spielergewerkschaft Fifpro gerade im weiblichen Bereich warnt, hat sie aber nichts bemerkt.

Die ehemalige Nationalspielerin glaubt, dass die Verzögerung bis zum nächsten Höhepunkt für die vielen Talente in ihrem Team bei der Entwicklung „nicht von Nachteil ist“. Doch liegen dann seit der Frauen-WM 2019 in Frankreich drei Jahre zwischen dem nächsten größeren Event, das einen krassen Gegensatz zum oft tristen Alltag in der Frauen-Bundesliga bildet. Die Daueroptimistin sprach sich dafür aus, dass die höchste Frauen-Spielklasse zu Ende zu spielen. „Da bin ich guter Dinge. Wir haben keine Not, ein fixes Datum zu setzen.“

Dass von der DFL über einen Solidarfonds sechs Frauen-Bundesligisten mit je 300 000 Euro unterstützt – jene Hälfte der zwölf Vereine, die nicht unter dem Dach eines Männer-Lizenzvereins angesiedelt sind – wertet Voss-Tecklenburg als tolle Geste, denn: „Das macht die Planung für den einen oder anderen Verein sicherer. Ich bin hoffnungsfroh, dass möglichst alle durch die Krise kommen.“ Aber dafür muss mehr als Schwimmen und Radfahren zuhause möglich sein.

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