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Siegertypen: Leon Goretzka, Serge Gnabry und Lukas Klostermann (von links) hoffen auf einen weiteren Sieg der Nationalmannschaft.  

Fußball

Nationalmannschaft: Ein Versprechen für Frankfurt

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Die Fußball-Nationalmannschaft will nach dem 4:0 gegen Weißrussland den unverhofften Platz eins in der EM-Qualifikationsgruppe vor dem Rivalen Niederlande verteidigen.

Es waren viele zufriedene Gesichter zu sehen in der kleinen Interviewzone ganz unten im Bauch des Mönchengladbacher Borussia-Parks. Joachim Löw, der Bundestrainer, sah zufrieden aus nach dem 4:0 gegen Weißrussland, das die deutsche Fußball-Nationalmannschaft unversehens auf Rang eins ihrer EM-Qualifikationsgruppe schob, weil es von einem 0:0 der niederländischen Nationalmannschaft in Nordirland begleitet wurde. Matthias Ginter, der als Stürmer verkleidete Abwehrspieler, sah zufrieden aus nach seinem ersten Tor im 29. Länderspiel.Toni Kroos, der zum Offensivmann mutierte defensive Mittelfeldspieler, sah zufrieden aus nach seinen beiden Treffern, einer schöner als der andere, auch Torwart Manuel Neuer sah zufrieden aus, nachdem er erstmals in seiner Karriere für Deutschland einen leibhaftigen Elfmeter außerhalb eines Elfmeterschießens gehalten hatte.

Für das abschließende Qualifikationsspiel am Dienstag (20.45 Uhr, RTL) in Frankfurt gegen die tapferen Nordiren gab Leon Goretzka, Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:0 und nicht nur deshalb ebenfalls zufrieden dreinblickend, ein Versprechen ab: „Wenn ich jetzt sagen würde, es wäre egal, wie wir dort auftreten, dann würde ich das scharf kritisieren. Das darf uns nicht egal sein, auch um den nächsten Schritt in der Entwicklung zu gehen, deshalb werden wir Dienstag auch mit Vollgas spielen.“

Nationalmannschaft 2019: „Eine solide 3 plus“

„Vollgas“ also. Das war keineswegs als reine Marketingmaßnahme eines dienstbeflissenen Fußballprofis gemeint, sondern vor allem dem geschuldet, dass Deutschland mit einem bloßen Sieg unverhofft als Gruppenerster aus der insgesamt dennoch ruckeligen Qualifikation gehen kann. „Es ist schön, dass wir uns qualifiziert haben, aber das wurde auch von uns erwartet“, vergaß Goretzka nicht zu erwähnen. Deshalb gäbe es „keinen Grund zu eskalieren“. Die „längste Theke der Welt“, die Düsseldorfer Altstadt also, durfte ergo in der Nacht zum Sonntag keine deutschen Nationalspieler begrüßen, zumal Goretzka eine gewissen Drang zum Ausruhen nicht dementieren mochte, denn: „Da war ein bisschen Glanz dabei, aber auch viel Arbeit.“

Joshua Kimmich ordnete das gemeinsam im Adlertrikot Erlebte des Kalenderjahres 2019 so ein: „Ich würde uns eine solide 3 plus geben.“ Eine bessere Note verhinderten misslungene Halbzeiten in den Niederlanden, gegen die Niederlande, in Nordirland und in Estland. Unstete Leistungen begleiten dieses unreife DFB-Team von März bis November. Kimmichs Forderung: „Nur Potenzial alleine hilft ja am Ende nicht weiter.“ Es müsse auch zuverlässig abgerufen werden, am besten schon zum Jahresabschluss: „Wir wollen in Frankfurt über 90 Minuten dominant auftreten.“

Nationalmannschaft hat zu viele Chancen zugelassen

Dazu kann der Münchner im Epizentrum des deutschen Umschaltspiels gemeinsam mit Toni Kroos von Real Madrid, Ilkay Gündogan von Manchester City und seinem etwas offensiveren Teamkollegen Goretzka einiges sehr konkret beitragen. Und zwar nicht nur mit dem Ball am Fuß. „Wir waren nach hinten das eine oder andere Mal zu nachlässig“, krittelte Kimmich zu Recht, und wurde bei der kritischen Aufarbeitung von Goretzka noch übertroffen: Der immer wieder in die Spitze gestoßene vierte Mittelfeldspieler schaute kurz mal sehr ernst drein: „Mir persönlich hat es in der zweiten Halbzeit gar nicht gefallen, wie oft der Gegner vor unserem Tor aufgetaucht ist. Da haben wir als Kollektiv nicht gut verteidigt.“ Ja, bestätigte auch der Bundestrainer betont milde: „Wir haben die eine oder andere Chance zu viel zugelassen.“

Der Freiburger Robin Koch, der in einigen Spielmomenten angesichts seiner betont offensiven Nebenleute Ginter, Nico Schulz und Lukas Klostermann eine Art Einerkette vor Manuel Neuer bildete, war nicht immer auf der Höhe des Geschehens. Unter anderem verursachte er den (dann vergebenen) Strafstoß durch einen Ballverlust, gefolgt von allzu zurückhaltendem Zweikampfverhalten und dem dann in der Tat gelbwürdigen Foulspiel im Strafraum. Was wiederum Kapitän Neuer die Möglichkeit gab, seine unbestrittene Klasse nachzuweisen. Und zwar nicht nur einmal, sondern davor und danach sowohl im Tor als auch bei gelegentlichen Rettungstaten weit außerhalb des Strafraums. Der Torwart wollte das nicht zu hoch hängen, Bescheidenheit ist in solchen Momenten eine Zier, aber Neuer weiß natürlich: Näher gekommen ist ihm Vertreter André ter Stegen, der nun gemäß vorheriger Absprache gegen Nordirland spielen darf, jedenfalls nicht. Dazu war Neuers Leistung gegen mitunter freche Weißrussen schlicht zu eindrucksvoll.

Nationalmannschaft: Gruppensieg könnte den Gegner Portugal bringen

Mehr als die Arbeit nach hinten hatte Joachim Löw manche fixe Angriffsaktion gefallen, zur Überraschung des Mönchengladbacher Publikums oft angeführt vom offensiven Abwehrspieler Ginter: „Gegen so einen Gegner brauchst du Abwehrspieler, die gut einfädeln. Das hat Mats Ginter gemacht. Du musst den Gegner so immer wieder überfordern.“ Der Belobigte analysierte seine Topleistung am Heimatstandort von Tabellenführer Borussia Mönchengladbach mit insgesamt drei Torbeteiligungen cool: „Dass ich an drei Toren beteiligt bin, gab es tatsächlich zwar noch nie. Es war aber gegen einen so defensiven Gegner wichtig, dass man als Innenverteidiger nicht hinten parkt.“ Parken passt ja auch nicht zum Thema Vollgas.

Allerdings gibt es begründete Zweifel, ob ein Platz eins in der Qualifikationsgruppe überhaupt hilfreich ist. Denn bei der Gruppenauslosung zur EM-Endrunde am 30. November in Bukarest könnte so statt der Ukraine nun Portugal als Vorrundengegner kommen. Löw ficht das nicht an: „Wir wollen das durchziehen und einen schönen Abschluss für ein Jahr, das bestimmt nicht so einfach war.“ Zusätzliche Motivation für die Spieler: Als Gruppenerster erhalten sie vom DFB drei statt zwei Millionen Euro Prämie. So hat es Kapitän Manuel Neuer mit Generalsekretär Friedrich Curtius ausgehandelt. Geld, das die Nationalspieler aufgrund ihrer ausnehmend guten persönlichen Finanzlage zwar nicht unbedingt benötigen, sicher aber nicht verpönen werden.

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