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Tore schießen leicht gemacht: Die DFB-Elf gewinnt 8:0 gegen Estland.

DFB-Team

Munteres Scheibenschießen 

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Die DFB-Elf zerlegt Estland eine Halbzeit lang ungnädig, ehe sie es beim 8:0 in Mainz nur ein wenig gütiger zugehen lässt. 

Estlands Nationaltrainer Martin Reim muss früh klargeworden sein, dass seine Haarpracht komplett erhalten bleibt. Für den Fall eines Punktgewinns im EM-Qualifikationsspiel in Deutschland hatte der Trainer der Fußball-Nationalmannschaft von Estland nämlich angekündigt, sich alle Haare abzurasieren. Nicht nur die am Kopf. Die Ganzkörperrasur bleibt nun aus, weil die DFB-Elf in der ausverkauften Mainzer Arena erwartungsgemäß wenig Gnade mit dem dritt-, ach was, viertklassigen Gegner kannte. Am Ende gewannen die überzeugenden Gastgeber ein Jahr und einen Tag vor Beginn der paneuropäischen Endrunde 2020 mehr als standesgemäß mit 8:0 (5:0) und gehen damit mit optimaler Punkteausbeute aus den ersten drei Qualifikationsspielen.

Zum Publikum gehörte in zentraler Position der Ehrentribüne, in gebührendem Abstand zu den standesgemäß über ihm hockenden Interimschefs Reinhard Rauball und Rainer Koch, auch der Anfang April zurückgetretene ehemalige DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Deutschland mit Viererkette

Ersatzbundestrainer Marcus Sorg hatte nach fernmündlicher Absprache mit dem unpässlichen Chef Joachim Löw entschieden, Thilo Kehrer und Leon Goretzka für die bald noch bei der U21-EM aktiven Jonathan Tah und Lukas Klostermann in die Startelf zu rotieren lassen. Damit einher ging auch eine taktische Änderung: Statt mit Dreier- agierten Deutschland mit einer Viererkette, die in Wahrheit eine Zweierkette aus den beiden Innenverteidigern Niklas Süle und Matthias Ginter war. Das bedeutete: Ein Offensivmann mehr, ein Verteidiger weniger als am Samstag in Weißrussland. Ehrlicherweise hätte auch eine Einerkette gereicht, was die Deutschen bald genauso sahen und nur Süle hinten beließen.

„Es ist nicht immer leicht, diese Mauer zu durchbrechen“, hatte Offensivmann Serge Gnabry im Vorfeld des letzten Saisonspiels noch als eine Art routinierter Respektsbekundung für den Gegner gemutmaßt. Wohlwissend, dass die Estländer personell noch ein gutes Stück schwächer besetzt sind, als die Weißrussen es beim deutschen 2:0-Sieg waren. Entsprechend war es dann doch recht leicht, denn der Beton war brüchig, und er wurde von den ungnädigen Gastgebern wie mit einem Dampfhammer zerbröselt. 

DFB-Team hat 81 Prozent Ballbesitz

Es wurde ein Scheibenschießen, ähnlich wie einst in Belo Horizonte gegen Brasilien, das den meisten Zuschauern im Stadion, anders als damals, recht viel Freude bereitete. Dem armen Torwart, Sergei Lepmets heißt er und spielt für den Hauptstadtklub in Tallin, flogen die Bälle nur so um die Ohren. Bis zur Pause musste der bemitleidenswerte Kerl fünf Treffer über sich ergehen lassen. Die Deutschen erarbeiteten sich sehr konzentriert 81 Prozent Ballbesitz und vor allem: Sie machten was aus dieser Überlegenheit.

Es würde den Rahmen sprengen, näher auf jeden Treffer einzugehen, auffällig war jedoch, wie variantenreich das DFB-Team attackierte. So fiel bereits in der neunten Minute das 1:0 durch Marco Reus nach Kehrers flacher Hereingabe. Übrigens an eben jenem Ort, an dem sich Reus im Juni 2014 kurz vor der WM in Brasilien einen Syndesmosebandriss zugezogen hatte. Die dann folgenden Tore wurden durch Chipbälle über die konsternierte gegnerische Abwehr vorbereitet. Serge Gnabry und Leon Goretzka erhöhten auf 3:0, wobei Goretzkas Kopfballtor fiel, obwohl sich neun Gegner im eigenen Strafraum befanden, dort aber offenbar nicht recht wussten, was sie zu tun hatten. Ilkay Gündogan traf dann per Strafstoß, ehe Reus mit einem fein getunten Freistoß den 5:0-Halbzeitstand klarmachte.

Applaus für Gündogan

Bald nach der Pause wurde dann Ilkay Gündogan gegen Julian Draxler ausgetauscht, was vor allem deshalb als bemerkenswerte Begebenheit war, weil Gündogan ein Jahr und zwei Tage, nachdem er im Zuge der Erdogan-Affäre in Leverkusen hemmungslos ausgepfiffen worden war, mit reichlich Beifall bedacht wurde. Schlau von Trainer Sorg, Gündogan nicht schon in der Pause in der Kabine gelassen zu haben.

Das Spiel verflachte indes wenig überraschend. Die Arbeit war ja weitgehend verrichtet, der Urlaub so nah. Ein bisschen in diesen Modus schalteten die jungen Deutschen jetzt um, wer mochte es ihnen verdenken? Sogar Manuel Neuer bekam hin und wieder ein wenig zu tun und erledigte das souverän. Aber ganz ungeschoren mochten die Adlerträger den Gegner dann doch nicht weiter davonkommen lassen. Nach Hereingabe des eingewechselten Marcel Halstenberg machte Serge Gnabry nach einer guten Stunde das halbe Dutzend voll, ehe auch Timo Werner noch 25 Minuten mittun durfte – und ihm fast mit der Hacke das siebte Treffer gelungen wäre. Zuvor war Sané grundlos wegen einer angeblichen Abseitsstellung ein sehenswertes Tor aberkannt worden. Wahrscheinlich hatte das Schiedsrichterteam ein wenig Mitleid mit Estland, was wenig nutzte: Werner traf dann doch noch zum 7:0, Sané zum 8:0-Endstand.

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