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In der Coaching Zone steht ein dynamischer Mann namens Marco Rose.

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Im Namen des Rose

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Die Manager Max Eberl und Jörg Schmadtke haben in Mönchengladbach und Wolfsburg alte Hasen vertrieben und neue Trainer installiert - der Erfolg gibt ihnen Recht. Ein Kommentar. 

Es bedarf unbequemer Entscheidungen, um voranzukommen im Leben, das nicht zufällig als eines der härtesten gilt, also überhaupt und insgesamt. Max Eberl, Sportdirektor beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, war im Frühjahr jedenfalls mit einem flauen Gefühl in der Magengegend zum Haus von Dieter Hecking gefahren, der nicht nur ein toller Trainer und integrer Mensch ist, sondern auch über einen eindrucksvollen Haaransatz verfügt. So einem sagt man nicht gerne, dass es bald vorbei ist.

Mit Hecking, 55, sind die Gladbacher noch in den Europapokal eingezogen, aber Eberl wird es nicht bereut haben, dass er die Zusammenarbeit nach zweieinhalb Jahren im Sommer beendete, um der Stagnation zuvorzukommen. Die Borussia ist ja jetzt Tabellenführer in der Bundesliga, und in der Coaching Zone steht ein dynamischer Mann namens Marco Rose, 43, und formt die Gegenwart entschlossen zur Zukunft.

Wirklich verblüffend ist in dem Zusammenhang, dass schon auf dem zweiten Tabellenplatz der VfL Wolfsburg steht, der ein vergleichbares Frühjahr wie Gladbach hinter sich hat. Auch Wolfsburg hatte einen Trainer, mit dem es gut lief, Bruno Labbadia. Doch weil der mit dem Manager Jörg Schmadtke nicht klarkam, beendete Labbadia seine Engagement bei den Wölfen von selbst, trotz Europapokalqualifikation. Was letztlich auch Schmadtke recht war.

Die Kraft der antizyklischen Erneuerung entfaltet sich nun auch in der VW-Stadt. Mit Labbadia-Nachfolger Oliver Glasner, 45, versteht sich sogar der brummelige Manager Schmadtke gut, und die Mannschaft ist gar so begeistert vom smarten Österreicher, dass sie ziemlich smarten Fußball spielt. „Jeder Spieler weiß, wie wir spielen und verteidigen wollen“, sagt Kapitän Joshua Guilavogui. Und: „Die Stimmung und die Mentalität in der Mannschaft sind der Wahnsinn.“ Auch ein Verdienst Glasners, natürlich.

Die parallelen Entwicklungen in Gladbach und Wolfsburg haben erstaunliche Konsequenzen. Die deutsche Bundesligatabelle sieht plötzlich aus wie die in Österreich, dort wurde Rose in der vergangenen Saison mit RB Salzburg Erster, vor Glasner und dem Linzer ASK. All dem könnten seltsame, schwer zu begreifende Zusammenhänge zugrunde liegen, die den Lauf der Zeit für immer verändern. Oder Zufall. Fest steht, dass Österreich nicht Deutschland ist, schon lange nicht mehr, und die jetzige Tabelle ist selbstverständlich nur eine Momentaufnahme, was auch sonst, wobei niemand weiß, wie lange der Moment noch andauert und wie akkurat die Aufnahme ist.

Vorübergehend ist davon auszugehen, dass am Ende doch der FC Bayern Meister wird, irgendwie halt. Warum auch nicht. Die Stärke der Schwachen (relativ) ist die Schwäche des Starken. Und die unbequeme Wahrheit ist ja die: Borussia Mönchengladbach, der Tabellenführer, hat kürzlich in der Europa League gegen den Wolfsberger AC verloren, Österreich. Mit 0:4.

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