Hertha - Leipzig 2:4

Nagelsmann als Einpeitscher

RB Leipzig gewinnt mit anderen Mitteln.

RB Leipzig kann‘s auch ohne Spektakel – und erinnert fast schon an die großen Bayern. „Man kann nicht immer nur feine Klinge spielen“, sagte Trainer Julian Nagelsmann nach dem vierten Pflichtspielsieg in Serie, der aber ganz anders war und mit dem Leipziger Hurrafußball der vergangenen Wochen nicht viel zu tun hatte. Mit maximaler Effizienz, einem Nationalstürmer in Topform und ein bisschen Glück mausern sich die Sachsen zunehmend zum ernsthaften Titelkandidaten.

Diesmal bekam Hertha BSC die Klasse des neuen Tabellenzweiten zu spüren. „Wir hatten uns vorgenommen, diese Serie zu krönen“, meinte Konrad Laimer nach zuvor drei Siegen mit 16 Toren – 6:1 im Pokal gegen den VfL Wolfsburg, 8:0 in der Liga gegen den FSV Mainz 05 und 2:0 in der Champions League bei Zenit St. Petersburg.

In Berlin war es am Ende ein 4:2 (2:1)-Sieg gegen eine enttäuschende Hertha, die nach drei Pleiten in Serie sich der „berechtigten“ Frage (Trainer Ante Covic) nach dem Abstiegskampf ausgesetzt sieht und am 30. Jahrestag des Mauerfalls in der Tabelle hinter den Ost-Berliner Klub Union Berlin abrutschte.

Ganz anders die Leipziger. Zuerst ließen sich die Spieler von ihren Fans nach dem Abpfiff minutenlang feiern. Dann schritt auch noch der Coach in die Kurve. Nagelsmann als Einpeitscher. So wie auch bei der Mannschaft, deren Leistungskurve nach der Pleite beim SC Freiburg Ende Oktober für die Konkurrenz beängstigend nach oben geht.

„Irgendwann wird man nachlässig, aber die letzten vier Spielen haben wir Vollgas gegeben“, meinte Angreifer Yussuf Poulsen. Es sei aber noch nicht alles perfekt, RB könne noch besser spielen, betonte Laimer.

Der Sieg gegen Hertha war nicht berauschend. Die Zuschauer konnten zumindest den Eindruck gewinnen, dass die Mannschaft des 32 Jahre alten Nagelsmann immer nur soviel abrief, wie sie musste. Doch das schien genauso geplant zu sein.

Nach der Hertha-Führung durch Maximilian Mittelstädt (32. Minute) glich Nationalspieler Timo Werner per Handelfmeter (38.) schnell aus, Marcel Sabitzer erhöhte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Kampl (86.) und erneut Werner (90.+1) machten den Sieg perfekt, der Treffer des ehemaligen RB-Profis Davie Selke unmittelbar vor dem Schlusspfiff war nur Ergebniskosmetik.

Dass Schiedsrichter Sören Storks sehr zum Unmut von Hertha-Trainer Ante Covic ein Hand- und Foulspiel der Leipziger im Strafraum beim Stand von 1:2 nicht geahndet hatte, passte ins Bild einer Mannschaft, die auf dem Weg zum Erfolg auch den nötigen Dusel braucht. „Vielleicht hatten wir das Glück heute auf unserer Seite“, so Werner. (dpa)

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