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Die Enttäuschung ist Thomas Müller vom FC Bayern München anzusehen.
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Die Enttäuschung ist Thomas Müller vom FC Bayern München anzusehen.

FC Bayern

Nachwehen eines bitteren Sieges

Hansi Flick und der FC Bayern lecken Wunden - eine gemeinsame Zukunft gibt es eher nicht.

Am vorzeitigen Schlusspunkt der langen Traumreise mit seinen Männern quer durch Europa brach es aus dem entthronten Trainer-Champion Hansi Flick einfach heraus. Der ganze Stress, der Dauerdruck, der Ballast interner Zwistigkeiten und die nicht mehr verhehlten Zukunftszweifel sprudelten nach dem spektakulären, aber nutzlosen 1:0 gegen Paris Saint-Germain heraus. Nach seinem bittersten Sieg im 80. Spiel als Bayern-Chefcoach stand Flick aufgewühlt im leeren Prinzenpark und gewährte tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt. Die meisten Zuhörer verstanden sie spontan als eine Abschiedsrede.

Flick verbreitete in der Nacht nach dem K. o. im Viertelfinale der Champions League Endzeitstimmung, auch wenn „das Leben weitergeht“. Das heißt erst mal: Noch sechs Bundesligaspiele stehen bis zum 22. Mai an. Dann soll die neunte Meisterschaft am Stück wenigstens für ein verzwergtes Happy End sorgen.

Nach dem bemerkenswerten TV-Auftritt war Flick direkt danach in der Video-Pressekonferenz im ebenfalls menschenleeren Mediensaal der PSG-Arena bemüht, seine artikulierten Gedankengänge wieder ein wenig einzufangen. Flick offenbarte eine innerliche Zerrissenheit. Sie ist Resultat der besonderen Belastungen dieser Corona-Saison. Dazu kommt der energiefressende Dauerzwist mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic. „Er macht seinen Job, ich mache meinen Job“, sagte Flick schmallippig.

Es wäre nun an Oliver Kahn, dem künftigen Oberboss, Führungsstärke zu demonstrieren. Karl-Heinz Rummenigge (65), Flicks wichtigster Unterstützer, ist am Jahresende weg, Kahn übernimmt. Er wirkte wenig zupackend bei der Bewältigung der Kommunikationskrise, Karl-Heinz Rummenigges und Herbert Hainers Machtworte verhallten wirkungslos.

Freilich hätte dieses Rückspiel auch anders laufen können. Schlimmer. Nahe an der Vorführung, wie der FC Bayern sie im Prinzenpark unter Trainer Carlo Ancelotti schon einmal erlebt hat. Mit einem 1:0-Sieg, der dann halt nicht reicht, aus dieser Partie zu gehen ist aller Ehren wert. Man muss die Umstände berücksichtigen, die der FC Bayern nicht zu verantworten hatte: Der Ausfall des in Hochform befindlichen Robert Lewandowski infolge eines Länderspiels, die Covid-19-Erkrankung von Serge Gnabry, das verletzungsbedingte Fehlen von Leon Goretzka – der Blick auf die Bank zeigte, wie angeschlagen der Münchner Kader war und ist.

Kein Wunder in einer Saison, vor der es keine Pause gegeben hatte und die vollgepfropft war mit Folgeterminen aus dem großartigen letzten Jahr: Supercup, Klub-WM. Und nicht zu vergessen: Die Anwesenheit eines Gegners verkompliziert im Sport vieles: Paris war 2020 auch Finalist, ein fast gleichwertiger, und er hat Spieler wie Neymar und Mbappé, die schlicht Weltklasse sind.

Hat es aus Sicht der Bayern auch einen Grund für das Scheitern gegeben, dem sie hätten entgegenwirken können? Um diese These bedingungslos zu bestätigen, müsste man wissen, inwiefern der Streit zwischen Salihamidzic und Flick die Profis beeinflusst hat. Gehen wir mal davon aus, dass die Spieler keine sensiblen Seelchen sind und sie es beherrschen, sich auf den Wettkampf zu konzentrieren – was sie in Paris und auch im klar dominierten Hinspiel bewiesen haben. Verunsichert wirkte die Mannschaft auch in der Bundesliga nicht – allenfalls müde, ideenlos wie gegen Union Berlin.

Trotzdem war es natürlich ungewöhnlich, was sich zuletzt abspielte, und gewiss kein leistungsfördernder Faktor. Salihamidzic kann die Öffentlichkeit nicht überzeugen, dass er die unanfechtbare Lösung als Sportdirektor ist, seine Imagewerte sind weiterhin verheerend.

Bayerns Problem ist, dass der Bundestrainerposten ausgerechnet jetzt frei wird. Und dass Flick sich als Nationalcoach nicht mehr mit Vereinsbossen und seinem Kontrahenten Salihamidzic in Kaderfragen herumstreiten müsste. Flicks Weg zurück zum DFB ist vorgezeichnet. Als Bundestrainer würde er für die Bayern eine wichtige Person bleiben – und der Verein für ihn die erste Anlaufstelle. Ein paar Wochen Zeit bleibt beiden Parteien noch, das Auseinandergehen so zu gestalten, dass es dem überragenden guten Teil der gemeinschaftlichen Geschichte gerecht wird.

Dann bräuchte es einen Neuen auf der Bank. Der allseits als Favorit angesehene Julian Nagelsmann hat hartnäckige Gerüchte über Kontakte zum FC Bayern dementiert. „Es gab und gibt keine Gespräche“, sagte der Trainer von RB Leipzig auf einer Online-Pressekonferenz am Mittwoch. „Das gilt natürlich auch für meine Berater. Sie sind nicht autark unterwegs, sondern machen Dinge, die ich vorgebe. Demnach gab es auch da keine Gespräche.“ Noch keine? (gk/dpa)

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