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Nachhaltiges Interesse erwünscht

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Von: Frank Hellmann

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Schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer: die deutschen Spielerinnen begeistern.
Schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer: die deutschen Spielerinnen begeistern. © Sebastian Gollnow/dpa

Die große mediale Aufmerksamkeit hat sich ein gleichermaßen professionelles wie sympathisches deutsches Team absolut verdient. Aber was kommt nach der EM? Ein Kommentar.

Umso länger das Turnier dauert, desto größer die Anteilnahme. Die Gleichung gilt bei einer EM oder WM der Frauen noch immer. Die deutschen Fußballerinnen haben bei ihrem Kraftakt im Viertelfinale gegen Österreich an der Zehn-Millionen-Grenze der TV-Zuschauer gekratzt. 9,5 Millionen Menschen sahen in der ARD den Einzug ins Halbfinale. Marktanteil von fast 40 Prozent. Wenn Mittwoch das Halbfinale ansteht, kündigt sich der nächste Rekord an.

Die Aufmerksamkeit hat sich ein gleichermaßen professionelles wie sympathisches Team auch absolut verdient, das in England erst einmal mit Leistung vorangeht, ehe überzogene Forderungen, Stichwort Equal Pay, in die Öffentlichkeit getragen werden. Für die Spielerinnen ist es ein Herzenswunsch, dass von der Begeisterung wenigstens ein bisschen was in die Frauen-Bundesliga schwappt, die im deutschen Sportalltag immer noch ein Mauerblümchendasein fristet. Der Zuschauerschnitt klettert nicht über die 1000er-Marke.

Führungsspielerin Svenja Huth hat am Freitag viel darüber gesprochen, dass vom medialen Interesse ein bisschen was bleiben möge. Diese fehlende Nachhaltigkeit sei das größte Problem im deutschen Frauenfußball. Damit hat die 31-Jährige, die lange beim 1. FFC Frankfurt spielte, fraglos recht. Das Interesse ging rapide runter, wenn Deutschland ausgeschieden oder spätestens das Finale abgepfiffen war.

Doch im Jahre 2022 soll alles anders werden, und eine Schlüsselrolle kommt nun Frankfurt und der Eintracht zu. Es ist jetzt offiziell, dass mit der Paarung Eintracht Frankfurt gegen den FC Bayern am 23. September die neue Bundesliga-Saison eröffnet wird. Wenn an jenem Freitagabend zu den Frauen in dieser Konstellation nur halb so viele Menschen in die Arena im Stadtwald strömen wie am 5. August bei den Männern, wäre schon viel gewonnen.

Es ist ein wichtiges Event, um ein Signal zu setzen. Vorher wollen zum Halbfinale der Frauen-EM 2022 der DFB-Präsident Bernd Neuendorf kommen - und auf einmal auch viele andere wichtige Würdenträger aus Sport, Gesellschaft und Politik. Dass Innenministerin Nancy Faeser (SPD) bereits beim Viertelfinale weilte, war gut. Besser wäre es nur gewesen, ihre Pressestelle hätte auf den Anruf bei den Fotoagenturen verzichtet, man könne sie doch in Brentford auf der Tribüne genau dort und dort ablichten. Das ist Selbstinszenierung, die keiner braucht. Die Bilder gehören den deutschen Fußballerinnen und nicht deutschen Politikerinnen. Die hätten sich übrigens ruhig zuvor mal in einem Trainingslager zeigen können, wenn ihnen dieses Team wirklich am Herzen liegt. So hat es Prinz William gehalten, der das englische Team bereits Mitte Juni besucht hat. Der Herzog vom Cambridge nahm sich ausführlich Zeit, um mit der Nationaltrainerin und den Spielerinnen zu sprechen. Das kann ruhig ein Vorbild für deutsche Politiker sein, wenn im nächsten Jahr die WM in Australien und Neuseeland ansteht. Anteilnahme nicht nur einmal im Jahr zeigen. Sonst geht es nicht vorwärts.

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