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10. Februar 2019: Die Stuttgarter Fans formulieren einen Wunsch an VfB-Präsident Wolfgang Dietrich.

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Der VfB Stuttgart in Trümmern

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Für die Misere beim VfB ist vor allem der Präsident Wolfgang Dietrich verantwortlich – gehen muss stattdessen Manager Michael Reschke.  

Eine erfolglose Strategie eines Fußballklubs lässt sich leicht an der Stabilität in führenden Personalfragen erkennen. Nehmen wir aus Gründen der Aktualität den Verein für Bewegungsspiele aus Stuttgart. Sportdirektor Michael Reschke ist der Vierte seiner Art, der nach weniger als zwei Jahren im Hochamt vorab gehen musste. Zuvor waren Fredi Bobic (2014), Robin Dutt (2016) und Jan Schindelmeiser (2017) einer nach dem anderen hinausgeworfen worden. Währenddessen versuchten sich acht Trainer und scheiterten. Markus Weinzierl wäre bereits der Neunte binnen vier Jahren.

Der VfB Stuttgart liegt in Trümmern. Und man darf getrost behaupten: Wolfgang Dietrich, auch schon der dritte VfB-Präsident in diesem unruhigen Jahrzehnt und genauso überfordert wie seine Vorgänger Bernd Wahler und Gerd Mäuser, hat es verbockt. Er hat es verbockt, weil er im Sommer 2017 keine Lust mehr hatte, mit dem Baumeister des Aufstiegs, Manager Jan Schindelmeiser, zusammenzuarbeiten.

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Schindelmeiser ließ sich vom Machtmenschen Dietrich nicht willfährig am Gängelband durch die Arena ziehen, Schindelmeiser hatte seinen eigenen Kopf und gab Widerworte, Schindelmeiser musste gehen. Der Mann, der den jungen, zuvor nahezu unbekannten und extrem entwicklungsfähigen Trainer Hannes Wolf geholt hatte, mit dem er an einer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft bastelte, war schon Vergangenheit beim VfB, ehe er nach gelungenem Aufstieg die Zukunft in der Bundesliga gestalten konnte.

Vor allem dank Schindelmeiser schaffte der VfB mit der Aufbruchstimmung des Wiederaufstieg die Grundlage für einen Stimmungsumschwung unter den traditionell kritischen Mitgliedern: Nur so ließ sich eine Mehrheit finden (für die sich Dietrich ausgiebig feiern ließ), die Profiabteilung in eine Aktiengesellschaft umwandeln und zum Start der neuen Fußball-AG gleich 41,5 Millionen Euro von Investor Daimler-Benz einsammeln. Geld, von dem der bald nach der historischen Mitgliederversammlung im Stadion schnöde von Dietrich geschasste Schindelmeiser nicht mehr viel hatte, Nachfolger Reschke dafür umso mehr.

Wolfgang Dietrichs Phantasien

Derweil phantasierte Dietrich: „Mein Traum ist, dass wir uns in fünf Jahren im oberen Drittel der Tabelle etabliert haben und bestenfalls nur zwei Vereine größer sind als wir.“ Man kann das als Naivität eines Novizen im Profigeschäft abtun, alternativ als Dummheit oder Dreistigkeit.

Wie dem auch sei – die von Schindelmeiser und Trainer Wolf beabsichtigte Ausrichtung auf ein junges, dynamisches Team warf die neue Machtzentrale Dietrich/Reschke rasch über Bord, und sobald Wolf in einer schwierigen Phase Anfang vergangenen Jahres Zweifel an sich selbst überkamen, wurden diese prompt durchs Duo infernale Dietrich/Reschke bestätigt und der junge Mann konnte gehen. Rückendeckung? Vertrauen? Hilfestellung? Pustekuchen!

Wolfgang Dietrich gehört dem Vernehmen nach nicht zu jenen Menschen, die beim Zweifeln mit sich selbst beginnen. Was das angeht, stellen sich solche Charaktere gern in der eigenen Wahrnehmungstabelle weit hinten an, was, Ironie des Schicksals, gerade wundervoll zum tatsächlichen Tabellenstand des ruhmreichen VfB passt. Insoweit ist es nur logisch, dass der 70-Jährige, der in Personalunion auch Vorsitzender des Aufsichtsrats ist, bei der aktuellen Aufräumaktion nicht bei sich selbst und seiner sportpolitischen Verantwortung angefangen hat, sondern beim Sportdirektor.

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