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Kommentar zum Rassismus-Skandal

Ein mutiger Abbruch

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Aaron Opoku vom VfL Osnabrück wird rassistisch beleidigt. Der Schiedsrichter bricht die Partei ab – und trifft damit die einzig richtige Entscheidung. Ein Kommentar.

Man ist ja mittlerweile angesichts dieser „Querdenker“, „Dummdenker“ (DFB-Botschafter Jimmy Hartwig) und Pöbler gegen alles Fremde, Neue, Unbekannte einiges gewohnt von einer krakeelenden Minderheit, die im Namen der Freiheit oder Selbstbestimmung alles so aus sich herausblubbern lässt. Und doch steht man dann wieder fassungslos vor dem Vorfall, der sich jetzt in einem Fußballstadion in der Dritten Liga ereignet hat. Da wird ein in Hamburg geborener deutscher U 20-Nationalspieler mit ghanaischen Wurzeln, Aaron Opoku vom VfL Osnabrück, aus dem vermeintlichen Schutz der Tribüne mit Affenlauten rassistisch beleidigt.

Dass diese Partie vom Schiedsrichter abgebrochen wurde, war die einzig richtige Entscheidung, eine mutige dazu. Dass es ein absolutes Novum war im deutschen Profifußball zeigt aber, dass viel zu lange mit drakonischen Maßnahmen gezögert wurde. Es ist wahrlich und traurigerweise nicht das erste Mal, dass Fußballer mit schwarzer Hautfarbe rassistisch angegangen werden.

Abbruch wegen Rassismus: Ein wichtiges Signal

Doch bislang ist da eher zurückhaltend reagiert worden, obwohl die Unparteiischen von DFB, Uefa und Fifa lobenswerterweise - nach einem Drei-Stufen-Plan - sehr wohl angehalten sind, bei derlei widerlichen rassistischen Ausbrüchen entsprechend Flagge zu zeigen und Spiele abzubrechen. Allein mit Parolen auf Bannern oder Sprüchen auf T-Shirts ist es längst nicht mehr getan. Vielleicht ist es naiv anzunehmen, Spielabbrüche würden derlei Menschen mit einem solch verqueren Weltbild zu einem Umdenken bewegen.

Osnabrücks Aaron Opoku (r.) spricht mit Schiedsrichter Nicolas Winter.

Es ist aber ein wichtiges Signal dafür, dass sich die Mehrheitsgesellschaft eben nicht mehr ungestraft Beleidigungen, Erniedrigungen, mangelnden Respekt gefallen lässt. Dass der tumbe Pöbler sofort identifiziert werden konnte, dass sich die anderen Stadionbesucher in Duisburg klar gegen ihn positioniert, „Nazis raus“ gerufen haben, dass sich der MSV Duisburg sofort voller Scham für den Vorfall entschuldigt hat, zu dem er nichts konnte, macht immerhin ein bisschen Hoffnung. Solche Unverbesserliche sind nur zu stoppen, wenn jeder Einzelne ein gewisses Maß an Zivilcourage, an Wachsamkeit zeigt, wenn Einigkeit und Solidarität herrscht. Das ist in Duisburg eindrucksvoll geschehen.

Denn die Hemmschwellen werden ja immer niedriger. Seien das jetzt Hass-Tiraden in den (un-)sozialen Medien, speziell gegen Corona-Warner und Impf-Befürworter, seien das, wie jüngst in Bochum, der wahre Regen an Bierbechern auf Spieler des Gegners, weshalb Max Kruse nicht ganz zu Unrecht zurückkeilte, seien es jetzt diese unsäglichen Affenlaute. Eine Minderheit glaubt, sich beinahe alles herauszunehmen, eine generelle Verrohung der guten Sitten ist ja längst unübersehbar. Dem muss Einhalt geboten werden.

Verirrte finden sich in jedem Stadion

Und im Grunde hat das den Fall aufarbeitende DFB-Sportgericht gar keine andere Wahl, als diese abgebrochene Partie neu anzusetzen. Würde dem MSV Duisburg - als Veranstalter dieses Spiels - Punkte abgezogen, wären Nachahmern Tür und Tor geöffnet. Es wäre auch das falsche Zeichen. Derart Verirrte finden sich in jedem Stadion, in jedem Teil Deutschlands. Immer noch viel zu viele. (Thomas Kilchenstein)

Rubriklistenbild: © dpa

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