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Olaf Rebbe hat nicht viel Zeit gehabt, um den VfL-Kader zu gestalten.

VfL Wolfsburg

Mutig am Mittellandkanal

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Olaf Rebbe blendet das Negative beim VfL Wolfsburg einfach aus.

Vermutlich hat sich Olaf Rebbe das Ritual von seinem Vorgänger abgeschaut. Bei der obligatorischen Pressekonferenz sitzt der Manager gefälligst brav neben dem Trainer. Und leistet Beistand in guten wie in schlechten Zeiten. So hat es Klaus Allofs beim SV Werder und später beim VfL Wolfsburg gehalten; weil es sich aus seiner Sicht gehörte, dass Fragen, die die Strategie eines Vereins, den Wechselwunsch eines Spielers oder nur die Einschätzung zur Liga betreffen, auch von demjenigen beantwortet werden, der dafür originär zuständig ist.

Also hat Rebbe, seit dem 1. Mai 39 Jahre alt, wieder Andries Jonker beigestanden, als der am Donnerstag im dritten Stock der Wolfsburger Arena sich für das Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt (Samstag 15.30 Uhr) positionierte. Die Botschaft blieb im Grundsatz dieselbe wie nach dem 0:6-Debakel gegen den FC Bayern: „Wir schaffen das“. Wenn eine Bundeskanzlerin damit über die Runden kommt, dann auch der dritte Trainer und zweite Manager einer jetzt schon völlig verkorksten Wolfsburger Spielzeit.

Dass vor allem Rebbe („Unter der Führung von Andries Jonker und Olaf Rebbe steigt der VfL nicht ab“) fast nassforsch auftritt, könnte Teil einer Selbstverteidigungsstrategie sein, wie die Deutsche Presseagentur schlussfolgert. Mit jeder Minusleistung leidet ja auch die Glaubwürdigkeit des neuen Leitwolfes, der im Hinspiel gegen die Frankfurter Eintracht erstmals im Blitzlichtgewitter stand.

Der in Waiblingen geborene, aber bald in der Lüneburger Heide und Hamburg aufgewachsene Rebbe hat eine andere Vita als die meisten Kollegen im Metier. Weil ein Kreuzbandriss seine Karriere mit 20 Jahren beendete, verdingte er sich als Fußball-Obmann des TSV Auetal für alles. Der erste Erfolg als Macher: ein von ihm eingefädeltes Freundschaftsspiel gegen Hannover 96. Nach dem Studium (Marketing und Kommunikation) und Hospitanzen (Arsenal und Celtic) kam er in der Agentur des Sportmanagers Werner Köster unter, der damals unter anderem Franziska van Almsick betreute. Rebbe schwamm sich in Kösters Fahrwasser schnell frei und heuerte beim SV Werder an. In Bremen erinnern sie sich an einen fleißigen, oft noch unscheinbaren Mitarbeiter, der jedoch genau wusste, was er – auch ohne Festanstellung – wollte: an den entscheidenden Strippen ziehen.

Ihm kam zupass, dass der damals von privaten Problemen geplagte Allofs ihn immer mehr in die Verantwortung hievte. Bald saß er bei Verhandlungen mit dem FC Chelsea mit am Tisch. Als Werders Vorstandsboss 2012 fast fluchtartig nach Wolfsburg wechselte, ging er einfach mit. Und es passt in den Lebenslauf, dass der ohnehin zum Leiter Sport beförderte Rebbe nach der Allofs-Entlassung noch diesen Schritt der Karriereleiter nahm.

Doch inzwischen ist die Luft dünn geworden. Weil der im Sommer noch von Allofs zusammengestellte Kader zu oft versagt, weil die von Allofs und Rebbe verantworteten Wintertransfers nicht weiterhelfen. Aber Wehklagen hilft ja nicht, weshalb der Sportdirektor sagt: „Wir müssen an uns glauben, um den Klassenerhalt zu schaffen.“

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