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Mulmiges Gefühl bei Sandro Schwarz

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Von: Jan Christian Müller

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Fühlt sich in der aktuellen Lage unwohl in Moskau: Trainer Sandro Schwarz. Foto: Imago images
Fühlt sich in der aktuellen Lage unwohl in Moskau: Trainer Sandro Schwarz. © Imago

Der Ex-Mainzer Sandro Schwarz arbeitet als Trainer in Moskau, sein Assistent Andrej Woronin sorgt sich um seine Heimat Ukraine.

Wie geht es weiter für Sandro Schwarz? Diese Frage kann der ehemalige Trainer des Fußball-Bundesligisten des FSV Mainz 05 derzeit auf Anfrage der Frankfurter Rundschau nicht beantworten. Er möchte sich nicht öffentlich zum Ukraine-Konflikt äußern. Die Situation ist gerade zu sensibel. Seit Herbst 2020 ist der 43-Jährige Chefcoach des russischen Erstligisten Dinamo Moskau. Und zwar überaus erfolgreich: Schwarz liegt mit seiner Mannschaft, die er als Mittelklasseteam übernahm und vergangene Saison auf Platz sieben führte, derzeit auf Rang zwei hinter Titelverteidiger Zenit St. Petersburg. Er hat dem Klub einen echten Schub gegeben. Die Verantwortlichen sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit.

Der gebürtige Mainzer Schwarz, der vor seinem Engagement in Moskau in Frankfurt-Sachsenhausen wohnte, hat seinen ursprünglich bis 2022 gültigen Kontrakt kurz vor Weihnachten bis 2024 verlängert, weil er sich zu dem Zeitpunkt noch „sehr“ wohlfühlte. Zwischenzeitlich hatte er sogar seine Frau und die beiden Kinder aus Frankfurt nach Moskau zu sich geholt, die zunächst in Frankfurt geblieben waren. Eine solche Familienzusammenführung gilt als durchaus unüblich für deutsche Gastarbeiter im Profifußball in Russland.

Schwarz arbeitet bei Dinamo mit dem ehemaligen ukrainischen Nationalspieler Andrej Woronin als Assistent an seiner Seite zusammen. Beide kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei Mainz 05, Woronin war dort in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends ein hochgeachteter Zweitligastürmer, der später für den 1. FC Köln, Bayer Leverkusen und gar für den FC Liverpool in der Premier League spielte. Jetzt sorgt sich der in der ukrainischen Hafenstadt Odessa geborene 42-Jährige sehr. Auf Instagram postete Woronin am Donnerstag eine ukrainische Flagge, begleitet von den Worten: „Wir werden uns an diesen Tag für immer erinnern! Raketen sind heute in mein Land geflogen, in meine über alles geliebte Stadt, hört auf, was macht ihr?“

Zur Stammelf von Sandro Schwarz gehört zudem Abwehrchef Ivan Ordets. Der 29-Jährige ist ein ehemaliger ukrainischer Nationalspieler und von den Entwicklungen natürlich besonders betroffen.

Durch besonderen Mut ist der gerade als prominente Winterneuverpflichtung zum Team von Sandro Schwarz gestoßene Mittelstürmer Fedor Smolow unmittelbar nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine aufgefallen. Der 45-fache russische Nationalspieler schrieb unter einen schwarzen Hintergrund bei Instagram „Nein zum Krieg“, gefolgt von einem gebrochenen Herzen und einer ukrainischen Flagge.

Man kann sich ausmalen, dass sich Sandro Schwarz gerade am Stadtrand von Moskau nicht mehr so wohlfühlt wie bei seiner Vertragsverlängerung bei Dinamo vor erst etwas mehr als zwei Monaten. Seinerzeit hatte er noch gesagt: „Ich habe in den zurückliegenden 14 Monaten Dinamo und seine Fans ins Herz geschlossen, die Arbeit macht Spaß, wir haben Erfolg – und ich bin überzeugt, dass wir noch nicht am Ende unseres Weges sind. Warum sollte ich dann gehen?“

Am Wochenende soll in Russland die erste Liga ins Jahr 2022 starten. Die Partien im Südwesten, in Krasnodar und Rostow, wurden wegen der Kampfhandlungen im nahen Nachbarland bereits verschoben. Sandro Schwarz tritt am Samstagmittag mit seiner Mannschaft zum Nachbarschaftsduell beim Tabellenletzten FC Chimki an.

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