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Mesut Özil trifft wider. Für seinen Verein.

Kommentar Mesut Özil

Mütchen kühlen

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Erkut Sögüt, ein promovierter Rechtsanwalt, ist Berater von Mesut Özil. Und er tritt jetzt noch mal kräftig nach. Ein Kommentar.

Zur Welt des Mesut Özil jenseits der Kreidemarkierungen gehören bekanntlich eine Menge Leute: Geschwister, Verwandte, Freunde, Berater. Der engste ist Erkut Sögüt, ein promovierter Rechtsanwalt, in Hannover als Nachfahre türkischer Einwanderer geboren. Seit 2012 kümmert sich der Enddreißiger um die Geschäfte des filigran auf der Insel beim FC Arsenal Fußball spielenden Stars. Der jüngste, bis 2021 datierte Vertrag mit den Gunners, bringt dem Kicker so um die 80 Millionen ein, Spielerberater rechnen üblicherweise zehn Prozent Provision ab. Sögüt ist auch der, der Özil maßgeblich die Hand geführt hat, als der in drei elektronischen Briefen unter heftigen Rassismusvorwürfen aus der DFB-Elf ausgetreten ist.

Jetzt hat der Rechtsanwalt in einem Interview mit „11 Freunde“ noch mal nachgekartet, hat mehrere deutsche Nationalspieler, die die Rassismus-Vorwürfe zurückgewiesen hatten, kritisiert und auch an die Bayern-Spitze eine formvollendete Blutgrätsche angesetzt. Uli Hoeneß und Karlheinz Rummenigge wollten mit ihren Anwürfen gegen Özil („Hat seit Jahren einen Dreck gespielt“) lediglich von eigenen Fehlern ablenken. Und zwar, so wörtlich, „von der Leistung ihrer eigenen Spieler, von ihrer Steuerhinterziehung, ihren unverzollten Rolex-Uhren und von der Vetternwirtschaft in ihrem Verein“.

Mesut Özil wirkt wie eine Marionette des Dr. S.

Das ist jetzt der purer Populismus, der griffig, spektakulär daher kommt und bestimmt für manches Schenkelklopfen bei jenen auslöst, die die Welt des Fußballs ohnehin als Sammelbecken eitler Selbstdarsteller empfinden. Es ist auch nicht so ganz klar, was der Doktor aus London mit diesem neuerlichen Nachtreten noch bezwecken will. Es klingt eher nach Abarbeiten an den großen Tieren im Zirkus, daran, sein Mütchen zu kühlen, vielleicht auch: unbedingt recht haben zu wollen. Ein Aufsteiger will mitspielen im Konzert der Großen, will gehört werden. Könnte es nicht auch so sein? 

Dabei ist das Kind doch längst im Brunnen. Es gibt keinen Gewinner in dieser so leidvollen wie peinlichen Affäre. Nicht Mesut Özil, der wie eine Marionette an den Strippen des Dr. S. zu hängen scheint. Nicht der DFB, der den Eklat um die Erdogan-Bilder nicht eingehegt bekam. Nicht Joachim Löw und schon gar nicht der wendehalsige Präsident Reinhard Grindel, die wenig souverän den Rassismusvorwürfen begegneten. 

Das Thema ist längst durch, Mesut Özil wird nicht mehr für die Deutschen spielen. Immerhin hat sich Erkut Sögüt nachhaltig ins Gespräch gebracht. Neben Özil berät er Ilkay Gündogan und Shkodran Mustafi. Wert der drei Kicker: 110 Millionen Euro. Große Klappe lohnt sich.

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