Alle Jahre wieder: Thomas Müller reckt den DFB-Pokal in die Höhe.
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Alle Jahre wieder: Thomas Müller reckt den DFB-Pokal in die Höhe.

FC Bayern München

Münchner Trophäenlust

  • vonJosé Carlos Menzel López
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  • Hanna Raif
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Der Rekordmeister und Rekordpokalsieger hat nach dem Gewinn des Doubles noch ein großes Ziel: die Champions League. Und die Voraussetzungen fürs Triple könnten besser kaum sein.

Zumindest ein bisschen wie immer durfte sich diese Partynacht anfühlen. Nicht so groß wie sonst, in der Repräsentanz eines Sponsors, in der normalerweise nach dem Pokalfinale mit mehreren Tausend Gästen gefeiert wird. Aber zumindest in kleiner, illustrer Runde. Guten Wein, leckeres Essen und laute Musik gab es auf dem Siegerbankett des FC Bayern im „Hotel Marriot“, zu späterer Stunde ließen sowohl Partykönig Thomas Müller als auch die Vorstände sowie Uli Hoeneß die Hüften kreisen. Stets im Sichtfeld: die beiden Pokale für das 13. Double der Vereinsgeschichte. Stets im Kopf: dass da womöglich noch mehr geht.

Goretzka sieht „kein Limit“

„Dies ist ein großartiger Abend“, rief Karl-Heinz Rummenigge in den Saal. Der Vorstandsvorsitzende stand auf der Bühne, flankiert von der 30. Meisterschale und dem 20. DFB-Pokal, die dieser Verein in seiner Geschichte gewonnen hat. Und er nutzte die Gunst der Stunde nicht nur für Lobhudeleien („Ihr habt eine unglaubliche Saison gespielt“) und Glückwünsche („Ich möchte mich bei allen bedanken“), sondern griff die Träume auf, die heuer irgendwie doch mehr erlaubt sind als je zuvor seit 2013: „Das Schöne an dem heutigen Tag ist: Wir haben das Double und sind trotzdem noch im dritten Wettbewerb.“ Er erntete Applaus.

Die Freude in den eigenen Reihen war echt. Auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions, nach Abpfiff des verdienten 4:2 gegen Bayer Leverkusen auf dem Podium der menschenleeren Geisterarena, später auf der Party, die bis tief in die Nacht ging. Jeder wollte die Trophäen haben, für ein Foto posieren, sich umarmen, die Freude rausschreien. Vom „i-Tüpfelchen“ auf eine schon jetzt grandiose Saison sprach Leon Goretzka, es mache halt „Spaß, wenn du merkst, alle sind hungrig, alle wollen gewinnen und bis ans Limit gehen“. Flick bestätigte – champagnergetränkt auf der Pressekonferenz –, dass „wir als Team grandios zusammenarbeiten“. Das Wir-Gefühl war an diesem Abend noch mehr zu greifen als in den letzten Bundesliga-Wochen inklusive Meisterfeierlichkeiten. Und Goretzka fügte nicht ohne Hintergedanken an: „Im Moment sehe ich kein Limit.“

Die nationale Dominanz ist erdrückend. Das 13. Double der Vereinsgeschichte war bereits das elfte seit 2000, trotzdem war es ein besonderes. Für Flick, der nun wie sein Vorgänger Niko Kovac sowohl als Spieler als auch als Trainer beide Pokale in den Händen hielt, aber auch für die Profis, die laut Rummenigge „eine grandiose Saison gespielt“ haben. Trainerwechsel, Corona-Pause: Bisher konnte kommen, was wollte. Dass sein Team ihm folgt und sich durch nichts und niemandem aus der Ruhe bringen lässt, bestärkt Flick im Triple-Glauben. Er habe „hundert Prozent Vertrauen in diese Mannschaft“, sagte der 55-Jährige.

50 Tage liegen heuer zwischen Pokalendspiel und Champions-League-Finale am 23. August in Lissabon. Mehr als einen Monat war es nach Abpfiff am Samstag auch bis zum Start der Königsklasse mit dem Achtelfinalrückspiel gegen den FC Chelsea. Bis dahin will man alles richtig machen. Flick hatte sich noch im Stadion überlegt, den wohlverdienten Urlaub nach dem heutigen Marketing-Tag von zwölf auf 13 Tage zu verlängern, das sei „eine Zugabe vom Trainerteam“. Abschalten, „sich mental resetten, neue Energien freisetzen“ – diese Aufgabe gab er seinen Profis mit auf den Weg. „Danach“, fügte Rummenigge an, „werden die Trainer wieder übernehmen und euch vorbereiten. Und dann schauen wir mal, was noch möglich ist.“ Er wolle schon jetzt den Hut ziehen. Nur habe er keinen auf.

Der 50. nationale Titel – durch Tore von David Alaba (16.), Serge Gnabry (24.) und Robert Lewandowski (59./89.) herausgespielt – soll den nötigen Auftrieb für die Krönung der Mammutsaison geben. Rummenigge appellierte an die feierlustigen Spieler, die Mission „unaufgeregt“ anzugehen. Alle, die 2013 beim einzigen Triple-Gewinn dabei waren, „wissen, dass es ein langer und schwieriger Weg ist“. Sein Eindruck – nicht nur von diesem Abend: „Es ist ein Weg, der möglich ist.“

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