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Der Abgang: Uli Hoeneß.  

Der Rücktritt und die Folgen

Münchner Stilwechsel

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Bei der Übergabe von Uli Hoeneß an Herbert Hainer wird sofort deutlich, dass der neue Präsident den FC Bayern anders führen wird – sein Vorgänger beendet seinen Ausstand mit gewohntem Furor.

Von den Gemeinsamkeiten war bisher vor allem die Rede, wenn es um den Abtritt von Uli Hoeneß als Präsident sowie Aufsichtsratschef des FC Bayern und um die Ämterübergabe an seinen Freund Herbert Hainer ging. Auf den schwäbischen Metzgersohn aus Ulm ist nun der niederbayerische Metzgersohn aus Dornwang bei Dingolfing gefolgt. Hochgearbeitet zu führenden Köpfen der Sportwelt haben sich beide mit sehr ausgeprägtem Ehrgeiz. Hoeneß, 67, als Fußballer der Bayern und der Nationalelf, dann 30 Jahre als Manager und zehn Jahre als Präsident, unterbrochen von seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung (2014 – 2016). Hainer, 65, ebenfalls einst Stürmer, wenngleich ohne Profikarriere, als studierter Betriebswirt, der 1987 bei Adidas ein- und 2001 zum Chef aufstieg, ehe er 2016 den Vorstandsvorsitz abgab.

Beide gelten als Männer mit Handschlagqualität, sozial eingestellt und in der Sache sehr bestimmt. Und doch waren es vor allem die Unterschiede, die am Freitagabend auf der Jahreshauptversammlung auffielen, bei der die 6091 anwesenden Mitglieder Hainer mit 98 Prozent der Stimmen in sein neues Amt gewählt hatten, wonach er als Erstes Hoeneß zum Ehrenpräsidenten ernannte.

Hainer hatte zuvor gesagt, er wolle ein „Präsident für alle“ sein. Er gab sich ausgleichend und reagierte auf die kritischen Wortmeldungen einiger Mitglieder am Ende souverän, auch diskussionsbereit. Hoeneß sagte auf der abschließenden Pressekonferenz mit gewohntem Furor: „Den Nörglern rufe ich zu: Geht doch nach Hause. Es ist keiner gezwungen, Mitglied beim FC Bayern zu sein.“ Bis zu den Wortmeldungen habe er sich „sauwohl“ gefühlt, es sei eine „super Veranstaltung“ gewesen. Tatsächlich lag ein rührseliger und ziemlich perfekter Ausstand hinter dem Mr. FC Bayern. „Und dann lassen wir uns von ein paar Krakeelern die ganze Sache nicht kaputt machen, aber beschädigen“, befand Hoeneß zornig. Man müsse das mit den Wortmeldungen überdenken, den Rednern gehe es „unter dem Deckmantel der Demokratie und freien Meinungsäußerung“ doch vor allem darum, sich zu produzieren. Wie ein Ehrenpräsident für alle klang Hoeneß nicht. Und auch nicht danach, dass er seine letzten Worte aus seiner Rede umzusetzen gedenkt. „Das war’s. Ich habe fertig. Danke“, hatte Hoeneß gesagt.

Dabei war in den Wortmeldungen im Vergleich zum Vorjahr, als Mitglied Johannes Bachmayr Hoeneß scharf angegriffen hatte („Der FC Bayern ist keine One-Man-Show“, „Der Verein ist nicht Ihr Eigentum“), maßvoll und für viele in der Olympiahalle erneut durchaus nachvollziehbar Kritik geübt worden. Kritisiert wurden Sportdirektor Hasan Salihamidzic und dessen geplante Beförderung zum Sportvorstand im Juli, die Geschäftsbeziehungen des FC Bayern zu Katar und der stets von Skepsis geprägte Umgang von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit Trainer Niko Kovac, von man sich vor zwei Wochen getrennt hatte. Nachfolger Hansi Flick werde nun „mindestens bis Weihnachten, möglicherweise darüber hinaus“ Chefcoach bleiben, kündigte Rummenigge an. Der gerade gewählte Präsident Hainer hatte die Wortmeldungen als Moderator aufgenommen. Hoeneß, der gerne betont, „ein großer Demokrat“ zu sein, sagte aufgebracht: „Ich war kurz davor, auf die Bühne zu gehen.“

Es ist sofort bei der Übergabe von Hoeneß an Hainer deutlich geworden, dass der neue Präsident den FC Bayern anders führen und damit wohl auch verändern wird. Der Verein sei „kein kickender Konzern“, der Sport, die Werte und das Heimatgefühl müssten im Mittelpunkt stehen, auch wenn man natürlich sportlich und wirtschaftlich Erfolg brauche. Dazu müsse man den Verein auch „in die digitale Welt führen“, sagte Hainer und zog den neben ihm sitzenden Hoeneß lachend auf, dass er im Gegensatz zu seinem Vorgänger das Internet nutze und schätze. In Hoeneß‘ Sinne möchte Hainer den FC Bayern weiterführen, das schon. Aber wie ein Strohmann, der sich von Hoeneß aus dem Hintergrund steuern lässt, trat er keineswegs auf, sondern mit eigenen, neuen Schwerpunkten. Und womöglich, das klang bei beiden an, mit Pep Guardiola nach 2013 bis 2016 erneut als Trainer.

„Ich fühle mich nicht autorisiert, in dieser Position, die ich jetzt habe, solche Gedanken zu artikulieren“, sagte Hoeneß. „Der Vorstand kümmert sich jetzt um die Sache, wird versuchen, nach bestem Wissen und Gewissen den besten Trainer für den FC Bayern München zu bekommen“, sagte Hainer. Der „beste Trainer“ bedeute: „Den wir gerne haben wollen.“

Dieser müsse jedoch „auch verfügbar sein“. Guardiola sei ein „super Trainer“, stehe aber bei Manchester City unter Vertrag. Man warte ab, „bis der Vorstand auf uns zukommt, dann befassen wir uns mit allen Alternativen. Aber prinzipiell wollen wir den besten Trainer für den FC Bayern München haben“, sagte Hainer lächelnd.

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Wie Hoeneß künftig agieren wird, ließ sein wütendes Finale erahnen. Zumal er zu seiner neuen Rolle als sechster Ehrenpräsident des Vereins sagte: „Ich habe das so verstanden, dass ich, wenn ich jetzt nicht Präsident bin, meine Meinung deutlicher sagen kann, weil sie nicht gleichzeitig auf den FC Bayern Rückschlüsse zulässt.“ Sie ließe aber umso mehr Rückschlüsse auf Hoeneß zu. Auch dieser Eindruck blieb von seinem Ausstand: Er könnte sich mit weiteren unbedachten Auftritten nun vor allem selbst schaden und in der Tat weniger seinem Lebenswerk FC Bayern.

Dazu passte das letzte Bild des Abends, das wie eine Warnung daherkam. Als Hoeneß nach seinem aufgebrachten Abschluss zumindest fürs Erste fertig hatte, stieg er in einem Fahrstuhl. Dieser fuhr abwärts.

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