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Der Münchner Erfolgstrainer: Hansi Flick.

Champions League

Münchner Muskelmänner im Champions-League-Finale

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Im Champions-League-Finale der Männer zwischen Paris und dem FC Bayern hat PSG-Trainer Thomas Tuchel mehr zu verlieren als der Münchner Hansi Flick. Ein Kommentar.

Ein bisschen verrückt ist das schon. Im vergangenen Sommer machten die Experten sich lustig über den überforderten Hasan Salihamidzic, der eilig vor Toresschluss die Herren Coutinho und Perisic von der Resterampe klaubte, um den Bayern noch irgendwie Kontur zu verleihen. Herrje, es würde halt ein eher von Folklore geprägtes Übergangsjahr werden mit einem Trainer Niko Kovac, den niemand mehr wollte, mit einem hippeligen Sportdirektor „Brazzo“, den niemand ernst nahm, mit dem storchenbeinigen Thomas Müller, der seinen Riecher verloren hatte, mit dem vergilbten Verteidiger Jerome Boateng, der bloß noch weg wollte und sollte. Selbst als Kovac durch Hansi Flick ersetzt wurde, dachte man noch einige Zeit: netter Kerl, ordentliche Interimslösung, wird alsbald ohne zu murren zurück ins zweite Glied rücken. 2020/21, dann bestimmt mit Leroy Sané und Kai Havertz, und einem richtigen Cheftrainer könnte es endlich mal wieder was werden.

Stattdessen rühmt nun der Fußballfachmann Ralf Rangnick den Finalteilnehmer der Champions League als taktisch besten FC Bayern seit drei Jahrzehnten. Mehr Lob für den Kollegen Flick aus berufenerem Munde geht eigentlich gar nicht. Sage noch irgendjemand, er hätte das zu Saisonbeginn vorhergesehen.

Stellvertretend für die ruhmreiche Entwicklung steht - neben dem Übertrainer Flick und der wundersamen Wiederauferstehung von Müller/Boateng - Leon Goretzka. Der Mittelfeldmann ging etwas schmalbrüstig als Backup für Thiago und Tolisso in die Saison und kommt nun muskelprotzend, das das Trikot nur so spannt, wieder raus. Flick hat sie alle besser gemacht, sogar Lewandowski und Gnabry, die vorher schon gut waren. Und auch Kimmich und „Speedy“ Davies wurden noch einmal auf ein neues Niveau gehievt. Schön anzusehen, das Ganze.

Aber gemach: Schön anzusehen ist auch das Team von Thomas Tuchel. Der fußkranke Lulatsch hat es hingekriegt, dass selbst die Stars hart nach hinten schaffen und so gegnerische Laufwege verkleben. Und Tuchel, dem Taktik-Nerd, wird sicher nicht entgangen sein, dass die Bayern verletzlich sind, weil sie hoch stehen und früh attackieren und so Räume im Rücken freilassen. Wie geschaffen für Neymar, Mbappé und di Maria. Nach einseitigen Halbfinals dürfte das Endspiel am Sonntag zu einer spannenden Hatz werden. Tuchel hat mehr zu verlieren als Flick. Der würde auch als Verlierer des Finals ein Gewinner der Saison bleiben.

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