Kräftig überzogen: Anastacia im Bayern-Trikot.
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Kräftig überzogen: Anastacia im Bayern-Trikot.

Meisterfeier Bayern München

Münchner Muppetshow

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Wer den Bayern bei ihrer Meisterfeier auf dem Platz leider offenbar egal war, war der SC Freiburg. Für den ging es ja noch um wichtige Punkte im Kampf und die Europapokalplätze. Ein Kommentar.

Der FC Bayern München hat sich lächerlich gemacht am Samstag. Natürlich nicht sportlich, der 4:1-Sieg gegen den SC Freiburg war der standesgemäße Ausklang dieser standesgemäßen Meistersaison. Es war ein sehr schönes, unterhaltsames und sogar spannendes Fußballspiel, die Bayern schossen 33 Mal aufs Tor, die Freiburger 19 Mal. 52 Torschüsse in einer Partie: Das hatte es noch nicht gegeben in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Ein wunderbarer Rahmen also, für die Meisterschaft, für Philipp Lahm und Xabi Alonso, zwei große Fußballer, die ihr letztes Spiel als Profis machten.


Vor dem Spiel gab es Präsente für die Legenden, alles okay, das Spiel begann deshalb etwas später, kann schon mal passieren. Und in der Halbzeitpause trat dann die weltweit bekannte Popsängerin Anastacia auf, die den Bayern gerade groß genug vorgekommen sein muss für ihre Feierlichkeiten, und als die Spieler längst wieder auf dem Rasen standen, bereit, das schöne Fußballspiel fortzusetzen, da trällerte Anastacia immer noch vor sich hin in ihrem Bayern-Trikot mit dem Anastacia-Namenszug und der Lahm-Nummer 21, und als sie dann endlich doch fertig war, da bekamen die Helfer die zusammengesteckte Bühne nicht richtig vom Platz. In den anderen Stadien lief die 54. Minute, als in München die 46. begann.

Streich ist „echt genervt“

Dem gemachten bayerischen Meister konnte die lange Wartezeit egal sein, jene halbwegs nachvollziehbare vor dem Spiel und jene absurde zur Pause. Wer ihm leider offenbar auch egal war, war der SC Freiburg. Für den ging es ja noch um wichtige Punkte im Kampf und die Europapokalplätze. Es hätte genauso gut um den Klassenerhalt gehen können – Anastacia wäre trotzdem aufgetreten, als wäre sie die Halbzeit-Show beim Super Bowl.

An dieser Stelle ist es schwierig zu sagen, wo genau die Münchner Arroganz aufhört und die allgemeine schleichende Entfremdung des Fußballs von sich selbst anfängt, womöglich ist das eine ja auch das andere. SC-Trainer Christian Streich, vom Mainzer Kollegen Martin Schmidt neulich als „Gewissen der Liga“ bezeichnet, hat es „echt genervt, dass wir nicht wieder anfangen konnten zu kicken“ nach der Halbzeitpause: „Es war ein Fußballspiel“, sagte Streich, „und das Fußballspiel war von allem, was ich gesehen habe, das Tollste. Ohne diesen Künstlern zu nahe zu treten, aber das ist ein Fußballstadion, und wenn du dann als Mannschaft acht Minuten warten musst, ist das Wahnsinn.“

Streich war angenehmerweise nicht alleine mit seiner Kritik in der Münchner Arena. „Das hat mir leidgetan für Freiburg, weil die noch für etwas gespielt haben“, sagte Arjen Robben: „Feierlichkeiten gehören dazu, aber wir haben noch eine Mannschaft auf dem Platz, und die musst du auch respektieren.“ Mats Hummels fand „das in der Halbzeitpause sehr unglücklich.“ Es werde immer mehr Show gemacht, „jetzt auch mittendrin“, sagte der Nationalspieler. „Ich finde es ehrlich gesagt nicht ganz so berauschend, aber es scheint dazuzugehören.“ Nachdenkliche Worte, die hoffentlich nicht verhallen, bis sie in den Chefetagen der Liga ankommen. Sonst läuft bald ein ganzer Sport Gefahr, sich lächerlich zu machen.

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