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Ab durch die Mitte: Der Münchner Robert Lewandowski zwischen Dortmunds Manuel Obafemi Akanji (r) und Lukasz Piszczek (l). Bild: dpa

Bundesliga-Topspiel

Münchner Fußballzwerge

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Der FC Bayern empfängt Borussia Dortmund Bundesliga fast schon als gefühlter Außenseiter. Trainer Hansi Flick will die Defensive stärken.

Als Hansi Flick am Freitagnachmittag über die Wahrnehmung des FC Bayern in den vergangenen Jahren sprach, kam er nicht umhin, den Kontrast zur Gegenwart zu benennen. „In den letzten Jahren ist man in München mit schönem Offensivfußball verwöhnt worden“, sagte der Übergangstrainer und fügte zum Status quo hinzu: „Klar, dass wir im fußballerischen Bereich, gerade in der Offensive, noch Luft nach oben haben.“ Dennoch hält er es für seine Pflicht, zunächst einmal das weniger attraktive Spiel gegen den Ball in den Mittelpunkt zu stellen. Wegen der vielen Gegentore im bisherigen Saisonverlauf stehe die „Defensive im Fokus“, auch am Samstag im Topspiel der Bundesliga gegen Borussia Dortmund. Und auch wenn er eigentlich ein Verfechter des Ballbesitzes sei: „Jetzt geht es erst einmal darum, dass wir gut stehen. Wir haben noch nicht so die Klarheit im Spiel.“ Flick klang nicht gerade wie der Trainer eines Favoriten.

Wann immer sich der FC Bayern und der BVB in der jüngeren Vergangenheit begegneten, war das Bohei groß. Stets firmierte der Vergleich als Gipfeltreffen, als weltweit beachtetes Nonplusultra der Bundesliga zwischen dem Branchenführer und Herausforderer. Das galt sogar für den nachrangigen Supercup, den Dortmund im August beim ersten Vergleich dieser Saison durch ein 2:0 gewann. Weil aber beide Titelkandidaten im bisherigen Spieljahr schon einige Turbulenzen durchlebten und trotz zwischenzeitlicher Erfolge weiterhin hinter den eigenen Erwartungen zurückbleiben, liegt das Etikett Krisengipfel gar nicht so fern. Und da sich die Bayern gerade erst von Trainer Niko Kovac trennten und vorm gerade noch soliden 2:0 gegen Olympiakos Piräus in der Champions League mehrfach grundlegende Defizite offenbarten, treten sie im zweiten Spiel unter Flick fast schon in einer neuen Rolle gegen die Dortmunder an: als beinahe gefühlter Außenseiter, weil die Formkurve des BVB zuletzt nachhaltiger nach oben zeigte.

Kovacs bisheriger Assistent Flick weiß, dass solche Gedanken bei den Mia-san-mia-Bayern eigentlich tabu sind. Ebenso Äußerungen über die Aussicht, seine neue Rolle womöglich bis zum Winter oder gar Sommer auszufüllen, bis die Münchner eine langfristige Nachfolgelösung gefunden haben. „Das Spiel gegen Dortmund ist die Ziellinie, da wollen wir durchgehen mit einem Sieg“, sagte Flick betont fokussiert. Seine Zukunft? „Interessiert mich aktuell nicht.“

Ginge es nach den jüngsten Vergleichen, sind die Münchner auch jetzt klarer Favorit. 5:0, 6:0, 4:1, 5:1, 2:1 oder summiert mit 22:3-Toren gewannen sie die zurückliegenden fünf Liga-Heimspiele gegen Dortmund. Für BVB-Sportdirektor Michael Zorc eine „Horrorbilanz“, weshalb er nun „Männerfußball“ fordert. Andererseits werden die Bayern den offensivfreudigen Westfalen wegen der Verletzungen von Niklas Süle und Lucas Hernandez sowie Jerome Boatengs Rotsperre mit einem Abwehr-Provisorium entgegentreten. Mit den beiden Aushilfs-Innenverteidigern Javier Martínez (hauptamtlich defensiver Mittelfeldspieler) und David Alaba (hauptamtlich Linksverteidiger) sowie den talentierten, aber Schwankungen unterworfenen Außenverteidigern Benjamin Pavard und Alphonso Davies. Dass Mats Hummels im Sommer abgegeben wurde und nun den starken Abwehrchef beim BVB gibt, fügt sich ins Bild geschwächter Münchner Abwehrkräfte.

Flick freute sich auch wegen der Not-Defensive umso mehr, bei seinem Debüt gegen Piräus einen stabilen Auftritt und das erste Zu-Null-Spiel nach acht Partien mit 17 Gegentoren, darunter das jüngste 1:5 in der Liga gegen Frankfurt, bilanzieren zu können. Im Hinblick auf Dortmund „war es für mich wichtig zu sehen, wie die Vier harmonieren“, sagte er über die Abwehrkette, nebenbei die zwölfte im 17. Pflichtspiel, „das haben sie richtig gut gemacht. Wir haben wenig zugelassen.“ Unterstützt von Joshua Kimmich und Leon Goretzka im defensiven Mittelfeld sowie von den anderen Kollegen, die sich am Verteidigen im Verbund beteiligten, anders als zuvor in vielen wackeligen Spielen. Allerdings sei Dortmund „ein anderes Kaliber“, weiß auch Flick.

Es hat bei t fast etwas von einer Außenseiter-Taktik, wenn nun der Schwerpunkt darauf liegt, stabil zu stehen und auf Mentalitätstypen wie Goretzka und Thomas Müller zu setzen statt auf die Feinfüße Thiago und Philippe Coutinho. Doch unabhängig von Taktik und Aufstellung erwartet Manuel Neuer „wie immer ein Duell auf Augenhöhe. Da ist es ganz egal, wer wo in der Tabelle steht. Der deutsche Klassiker hat seine eigenen Gesetze.“ Auf diese verweisen sonst vor allem Außenseiter im Pokal.

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