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Frustriert: Joshua Kimmich.

Krise des FC Bayern

Münchener Déjà-vu

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Der FC Bayern kassiert die zweite Niederlage in Folge. Der Rekordmeister vergisst wie gegen Leverkusen auch gegen Spitzenreiter Mönchengladbach das Toreschießen.

Vom Spielfeld schallten Spitzenreiter-Rufe in den Kabinentrakt des Mönchengladbacher Borussia-Parks, über die TV-Bildschirme flimmerten Jubelszenen. Und die Spieler des FC Bayern schlichen geknickt in ihre Kabine. Aus den Gesichtern sprach Fassungslosigkeit über das, was zuvor passiert war. Für viele Münchner war es ein Déjà-vu der bittersten Sorte. Wie schon bei der Pleite gegen Leverkusen (1:2) hatte der FCB auch die Gladbacher phasenweise an die Wand gespielt, nur das Toreschießen hatte das Team von Hansi Flick erneut vergessen.

Der Blick auf die Tabelle verdeutlicht die gefährliche Situation: Platz sieben, sieben Punkte Rückstand auf Tabellenführer Gladbach – mit einer derart bescheidenen Ausgangsposition nach 14 von 34 Partien ist der FCB noch nie Meister geworden. Immerhin: Die Signale sind angekommen. Flick konstatierte: „Die Tabelle lügt nicht.“ Joshua Kimmich befand: „Wer es jetzt noch nicht begriffen hat, ist komplett auf dem falschen Weg.“

Alarmstufe Rot! Woran liegt’s? Vor allem in Hälfte eins war sie wieder zu sehen: die bayerische Torschusspanik. Bis zur Pause brachten es die Bayern auf 15 Versuche, Gladbach gab genau einen Schuss ab. Müller (8.), Lewandowski (13.,16.) und Kimmich (26.) hatten die besten Gelegenheiten. Den Schuss des Rechtsverteidigers kratzte Borussia-Keeper Sommer von der Linie, als er nur noch Millimeter von der kompletten Überquerung entfernt war. Erst hatten die Bayern kein Glück – und dann kam auch noch Pech dazu?

So leicht wollte es sich Kimmich nicht machen: „Manchmal ist es tatsächlich Pech. Aber wenn man so eine Vielzahl an sehr guten Chancen vergibt, ist es nicht immer nur Pech. Ich weiß nicht genau, was fehlt. Die Qualität, um diese Chancen reinzumachen, haben wir auf jeden Fall.“ Flick sprach von „fehlender Entschlossenheit“.

Noch bedenklicher als die fahrlässige Chancenverwertung war allerdings, was nach dem Münchner Führungstreffer passierte. Nachdem Ivan Perisic in Minute 49 das überfällige 1:0 erzielt hatte, brachen die Gäste ein. Sportdirektor Hasan Salihamidzic: „Wir haben dann komplett aufgehört. Ich weiß nicht aus welchem Grund – und darüber müssen wir reden.“ Flick meinte: „Nach dem 1:0 haben wir das Fußballspielen vergessen.“

Und so standen die Roten nach einem Doppelpack von Gladbachs Bensebaini (60., 90.+2) plötzlich mit leeren Händen da. Aber Vorsicht, nicht zu früh freuen, liebe Bayern-Konkurrenten. In der vergangenen Saison lag der FCB nach 14 Spieltagen sogar neun Punkte hinter Dortmund und holte doch noch die Schale. Heuer sollten die nackten Zahlen dem Rekordmeister noch mehr Hoffnung auf ein Happyend machen, aber die Gefühlslage ist eben doch eine ganz andere.

Kimmich sagte: „Wer glaubt, dass es wieder so wird wie in der letzten Saison, der ist fehl am Platze. Es sind noch mehr Mannschaften vor uns als letzte Saison. Auch wenn es in Anführungszeichen nur sieben Punkte sind, glaube ich, dass es diese Saison deutlich schwieriger wird.“ Die klare Marschroute der Bayern: Bis zur Winterpause müssen gegen Bremen, Freiburg und Wolfsburg neun Punkte her. Die braucht auch die bisherige Übergangslösung Hansi Flick, um zählbare Argumente für seine Weiterbeschäftigung bis Sommer zu sammeln. Streckenweise toller Fußball allein reicht beim FC Bayern nämlich nicht aus.

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