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Kann er noch der Nationalmannschaft helfen? Thomas Müller.

Bayern München

Es müllert

Bayern-Profi Thomas Müller heizt mit guten Leistungen Debatte um DFB-Comeback an.

Thomas Müller hatte diesen Moment schon in einer der bittersten Stunden seiner Karriere herbeigesehnt. „Das Spiel ist noch nicht aus“, sagte der Rio-Weltmeister im vergangenen März trotzig nach der überraschenden Ausbootung durch Joachim Löw – und tatsächlich: Die Forderungen nach einem Comeback des formstarken Münchners in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft werden lauter, Müller selbst liebäugelt offenbar mit der EM.

Er wolle Löw zwar „keine Ratschläge geben“, sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, der Bundestrainer sei erfahren genug und habe große Erfolge gefeiert. Aber: „Ich sage immer, wenn einer top spielt – und ich hoffe, dass Thomas weiter top auf diesem Niveau spielt –, wird da möglicherweise ein Umdenken stattfinden.“ Präsident Herbert Hainer ergänzte bei Sport1: „Thomas Müller kann man überall brauchen, ganz egal ob hier in München oder bei der Europameisterschaft. Er tut jeder Mannschaft gut.“

Olympia statt EM?

Zuletzt war Müller für die Olympiaauswahl gehandelt worden, auch Löw nannte den 100-maligen Nationalspieler „eine Möglichkeit“ für Tokio. Für Müller sind die Gedanken an eine Japan-Reise – möglicherweise sogar an der Seite seiner reitenden Ehefrau Lisa – „eine coole Spinnerei“. Doch träumt er nicht insgeheim von der EM? „Ja“, sagte er am Wochenende im ZDF-Sportstudio, er stehe als langjähriger Nationalspieler auf der Liste der Nationalen Antidopingagentur – eine Voraussetzung für Olympia –, „aber es gibt ja erst mal noch viele andere Großveranstaltungen im Fußball. Das Meisterschaftsfinale, das DFB-Pokalfinale, Champions League, Europameisterschaft.“ Aha.

Unmittelbar nach seinem DFB-Aus hatte Müller noch vehement auf Löw („kein guter Stil“, „hat mit Wertschätzung nichts zu tun“) geschimpft. Löw wiederum hatte einer möglichen Rückkehr zumindest im Fall des ebenfalls aussortierten Mats Hummels zuletzt mehrfach eine Absage erteilt. Allerdings öffnete DFB-Direktor Oliver Bierhoff die Tür einen Spaltbreit, als er erklärte, es sei „noch kein Spieler“ offiziell verabschiedet worden. Es sei „nie so gedacht“ gewesen, dass das Aus für Müller, Hummels und Jerome Boateng endgültig sei.

Für Hummels wie Müller gibt es Argumente. „Man sieht jetzt insbesondere bei Thomas: Er kommt ein bisschen in den zweiten Frühling“, sagte Rummenigge. Der 30-Jährige ist mit zwölf Assists der beste Vorlagengeber der Bundesliga, seit dem Trainerwechsel von Niko Kovac zu Hansi Flick blüht er auf. War er in den ersten zehn Ligaspielen (451 Einsatzminuten/kein Tor/vier Vorlagen) nur alle 113 Minuten an einem Treffer beteiligt, benötigte er in den neun unter Flick (689/vier/acht) nur starke 57 Minuten. „Wir brauchen seine Tore, seine Vorlagen und seinen bayerischen Esprit“, sagte Rummenigge, „er ist für uns ohne Frage ein wichtiger Spieler.“

Lob von Rummenigge

Kann das auch wieder für Löw gelten? In einer Online-Umfrage der „Bild“-Zeitung äußerten 70 Prozent der rund 90 000 Teilnehmer, Löw solle den Ur-Bayern zur EM mitnehmen. Aber: Der Bundestrainer hat aktuell nur in der Abwehr Sorgen, vorne nicht. Sky-Experte Lothar Matthäus erwartet „eher ein Nein“ von Löw – und sieht Müller in Tokio.

Zuletzt hatte Klubboss Rummenigge den Vorzeigeprofi Müller umfangreich gelobt: „Thomas ist ein wichtiger Spieler beim FC Bayern. Alles, was wir hier in den letzten zehn Jahren gemacht haben, trägt auch den Namen Thomas Müller. Er ist einer von zwei Bayern im Kader. Und auch in seiner Art und Weise ist er unterhaltend, der könnte sogar neben Gerhard Polt auftreten. Für unseren Klub ist er immens wichtig, denn er spiegelt das wider, was den FC Bayern ausmacht.“

Genau das hat Thomas Müller auch in der Nationalmannschaft lange Zeit getan – und dabei gemeinsam mit einem seiner besten Kumpels, dem im vergangenen Sommer zurück nach Dortmund abgewanderten Mats Hummels, die Gruppe als gemeinsame Anführer sehr dominiert. So sehr, dass Löw eigentlich nicht plant, die mühsam gerade neu entwickelte Hierarchie wieder komplett umzuwerfen. Das aber würde passieren, wenn der Bundestrainer Hummels und Müller zurück in den Kreis seiner Auserwählten holte. Es wäre die Abkehr von allen Zukunftsplänen, die Wahrscheinlichkeit ist entsprechend gering.

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