Braucht noch viel Zuwendung: Youssoufa Moukoko (links) im Gespräch mit Trainer Lucien Favre.
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Braucht noch viel Zuwendung: Youssoufa Moukoko (links) im Gespräch mit Trainer Lucien Favre.

Fußball-Teenager

Moukoko und der schmale Grat

  • Jakob Maurer
    vonJakob Maurer
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Borussia Dortmund liegt richtig mit der Einschätzung, dass man mit dem 16-jährigen Ausnahmetalent behutsam umgehen muss. Gleichzeitig kreieren BVB-Funktionäre die Öffentlichkeit mit, vor der sie warnen. Ein Kommentar.

Sagenhafte 21 Tore in 13 Spielen schoss für Borussia Dortmunds A-Jugend nicht Youssoufa Moukoko, sondern ein paar Jahre zuvor ein gewisser Tolgay Arslan. Er erreichte damit zwar nicht ganz die Quote, mit der Moukoko jetzt allen den Kopf verdreht, aber Arslan war auch Mittelfeldspieler und nicht Mittelstürmer.

Eine überragende Torquote hatte auch Samed Yesil. „Gerd“ nannte man ihn deswegen in Reihen der deutschen Junioren-Nationalmannschaften, für die er zwischen 2010 und 2013 auflief. Viele sahen in ihm schon den nächsten „Bomber der Nation“. Logisch erschien da sein Wechsel von Bayer Leverkusen zum FC Liverpool mit gerade 18 Jahren.

Für die ganz große Karriere hat es bei beiden nicht gereicht: Arslan spielt heute bei Udinese Calcio in der Serie A, Yesil seit Anfang Oktober in der Regionalliga West – beim VfB Homberg.

Absolut verständlich ist es also, was die Dortmunder Funktionäre vor dem lange erwarteten Profidebüt des neuen Juwels Moukoko immer wieder predigen. „Sensibel“ solle man mit dem Thema Moukoko umgehen, sagte BVB-Lizenzspielerchef Sebastian Kehl etwa vor der aktuellen Saison, als der Jungtorjäger ins Profi-Training einstieg. Von externen Interviews werde er daher „abgeschottet“, pflichtete Lars Ricken diese Woche seinem Kollegen Kehl im „Sportschau-Club“ der ARD bei: Was über den 16-Jährigen schon geschrieben worden sei, „das mussten teilweise gestandene Profis nicht über sich ergehen lassen“

Doch ein wenig verwundert es schon, dass ausgerechnet kurz vor dem 16. Geburtstag des hauseigenen Riesentalents nun Ricken im TV prominent Rede und Antwort steht, der BVB-Nachwuchsdirektor. Klar, dass es da auch um Moukoko geht. Mit solchen Auftritten schaffen die BVB-Funktionäre die Öffentlichkeit mit, vor der sie warnen. Und daher stellt sich die Frage: Wie glaubhaft ist es, einen Jugendspieler einerseits schützen zu wollen und ihn andererseits doch regelmäßig offensiv anzupreisen?

Auch die Argumentation, dass hoffnungsvollen Talenten möglichst früh Einsätze ganz oben ermöglicht werden sollen, da man sonst im internationalen Vergleich als Ausbildungsverein an Attraktivität verliere, kommt letztendlich nicht den Jungspielern zugute. Die Vereine sichern sich so die Talente. Aber diese sind es am Ende, die immer jünger mit der großen Aufmerksamkeit zurechtkommen müssen. Bleibt zu hoffen, dass Moukoko neben der Torgefahr auch die Gabe hat, mit diesem Druck umzugehen.

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