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Auf dem richtigen Weg: Schiedsrichter Felix Brych ist von den verschärften Regeln überzeugt.

Schiedsrichter

Die Motzkis benehmen sich

Nach dem härteren Durchgreifen der Unparteiischen sieht Schiedsrichter Felix Brych erste Erfolge.

Die sechs Fehlschüsse an der Torwand konnte Felix Brych locker verkraften – schließlich treffen die Schiedsrichter nach Ansicht des WM-Referees derzeit ins Schwarze. „Nur appellieren, bitten und hoffen hätte nichts mehr gebracht. Es mussten Maßnahmen folgen“, verteidigte Brych im Aktuellen Sportstudio des ZDF das härtere Durchgreifen der Unparteiischen seit dem Rückrundenstart der Fußball-Bundesliga: „Ich sehe schon die ersten Veränderungen. Die Spieler lernen recht schnell. Das kann man bereits erkennen.“

Brych zeigte kein Verständnis für die aufgekommene Kritik von Experten, Trainern und Spielern am strikteren Auftreten, das von den Schiedsrichter-Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Winterpause vorgegeben wurde. „Wir machen nichts Verkehrtes. Wir wollen mehr Respekt für uns“, äußerte der 44 Jahre alte Jurist, der bei den zurückliegenden beiden WM-Turnieren im Einsatz war: „Wir möchten wieder ein bisschen Hygiene in den Sport reinbringen.“

Bemängelt wird von Brych vor allem, dass „sich die Kultur in den vergangenen Jahren verschlechtert“ habe. „Wir haben die heftigen Bilder aus dem Amateurbereich gesehen. Die zahlreichen Übergriffe waren der Grund für die neuen Anweisungen, die wir Schiedsrichter alle gut finden“, sagte der Münchner: „Jeder sollte überlegen, wie er mit dem Schiedsrichter umgeht. Dafür ist die Sache gut. Respekt soll gelebt werden.“

Dass die große Mehrheit der Bevölkerung den neuen Kurs befürwortet, sieht Referee Felix Brych als Bestätigung. „Die Öffentlichkeit findet das auch gut“, sagte der viermalige deutsche Schiedsrichter des Jahres mit Blick auf eine repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts Forsa.

Demnach wünschen sich 83 Prozent der Befragten über 14 Jahre, dass Spieler, die vehement reklamieren oder sich respektlos verhalten, mit einer Gelben Karte oder sogar einem Platzverweis bestraft werden sollen. Die Zustimmung bei den Fußballinteressierten ist noch höher, dort liegt sie bei 86 Prozent. Und auch bei den Profis selbst wird die neue Direktive durchaus begrüßt. „Sinnvoll“ sei das, sagte der Freiburger Nils Petersen in einem Interview mit deichstube.de: „Wer den Lauten macht und sich beim Schiedsrichter beschwert, wird mit Gelb verwarnt. Das ist gut und richtig.“ Gleichzeitig forderte Petersen etwas Geduld im Umgang mit der neuen Regelung. „Wir Spieler müssen uns daran auch erst mal gewöhnen“, erklärte er. „Es war bislang ja irgendwie in Ordnung zu diskutieren, sich zu beschweren. Über Jahre „durften“ wir Spieler so agieren – jetzt ist damit plötzlich Schluss.“

Bei den Zuschauer-Anfeindungen mit rassistischem Hintergrund, die zuletzt Abwehrspieler Jordan Torunarigha von Hertha BSC im Pokalspiel bei Schalke 04 (2:3 n.V.) über sich ergehen lassen musste, sieht Brych derweil in der Herangehensweise der Europäischen Fußball-Union (Uefa) einen Ansatz.

„Dieses Thema hat in der Gesellschaft und im Fußball nichts zu suchen. Das müssen wir gemeinsam lösen“, äußerte der Abteilungsleiter beim Bayrischen Fußball-Verband (BFV): „Als Schiedsrichter hat man immer das Problem, das mitzubekommen. Es ist wahnsinnig laut, man hat viel zu tun. Bei der Uefa haben wir ‚Matchdelegierte‘, die das Geschehen abseits des Platzes und auf den Rängen beobachten. Das ist eine große Unterstützung und hilft.“

Auch der frühere Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer bringt in der „Bild am Sonntag“ den Einsatz eines solchen Delegierten ins Gespräch. Dieser könne in Abstimmung mit dem Unparteiischen bei rassistischen Vorfällen die „Verantwortung übernehmen“ und sagen: „Stopp! Bis hierher und nicht weiter.“ Der Schiedsrichter kann dies laut Kinhöfer nicht zusätzlich leisten: „Er hat es auf dem Platz schon schwer genug, da bekommt er gar nicht mit, wenn drei oder vier Idioten von der Tribüne rassistische Parolen rufen“, sagte der Ex-Unparteiische. (sid)

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