Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ratlos: Gladbachs Trainer Adi Hütter.
+
Ratlos: Gladbachs Trainer Adi Hütter.

Historisches Debakel gegen Freiburg

Mönchengladbach erlebt sein Waterloo

  • VonAndreas Morbach
    schließen

Die Hilflosigkeit der Mannschaft beim 0:6 gegen Freiburg lässt Borussia Mönchengladbach perplex zurück, doch Manager Eberl will von einer Trainerdiskussion nichts wissen

Beim Versuch, den historischen Triumph seiner Mannschaft im Borussia-Park irgendwie zu packen zu kriegen, blätterte Christian Streich in seinen Erinnerungen sehr weit zurück. Schließlich landete der Ur-Badener in den 1990ern und in der ersten Dekade dieses Jahrtausends, in seiner ausgedehnten Zeit als Freiburger Jugendcoach – und selbst da fand er nichts Vergleichbares zum 6:0 des Sport-Clubs am frühen Sonntagabend nahe der niederländischen Grenze. „Ich bin schon lange Trainer. Auch als A-Jugend-Trainer habe ich so was noch nie erlebt“, berichtete der 56-jährige Streich schließlich.

Gästespieler Nico Schlotterbeck, der das halbe Dutzend Tore bereits in der 37. Minute bewerkstelligt hatte, kündigte an, sich „ein, zwei Gläschen“ auf den höchsten Bundesligasieg der Breisgauer zu genehmigen. Beim Gegner vom Niederrhein dürfte es bis zum Auftritt am kommenden Samstag in Leipzig dagegen ausschließlich Leitungswasser geben. Zumal die Gladbacher ihrem neuen Cheftrainer Adi Hütter bereits am Wochenende zuvor mit dem 1:4 beim rheinischen Rivalen Köln ausgesprochen unangenehme Gefühle beschert hatten.

Nun war auf der eher unerwarteten Talfahrt der Borussen der nächste Tiefpunkt erreicht, und der völlig konsternierte Hütter erklärte: „Zuerst einmal gilt es, sich für unser Auftreten heute zu entschuldigen. Das ist so auch nicht zu akzeptieren.“ Vor fünf Monaten übernahm der 51-jährige Österreicher den Job beim Rautenklub von seinem nach Dortmund gewechselten Kollegen Marco Rose – und moderiert seitdem eine Gladbacher Saison mit unverkennbarem Schleudertrauma-Potenzial.

Dem missratenen Saisonstart (vier Punkte aus fünf Spielen) folgte vor dem aktuellen, heftigen Rückfall ein starker Zwischensprint (14 Zähler aus sieben Partien), unter anderem mit einem 1:0-Erfolg über den BVB. Und zwischen der sagenhaften 5:0-Pokalparty gegen Bayern München und dem 0:6-Debakel gegen Freiburg lagen gerade mal 39 Tage.

„Wir sind definitiv nicht zufrieden mit 18 Punkten aus 14 Bundesligaspielen. Und warum keine Konstanz reinkommt, das ist eine berechtigte Frage“, räumte Max Eberl ein. Konfrontiert mit der Frage nach der Stabilität von Hütters Arbeitsplatz ging Gladbachs Sportdirektor nach der Partie allerdings fast durch die Decke. „Es ist doch jetzt nicht ernsthaft das Thema, dass ein Trainer nach zwei Niederlagen in Frage gestellt wird. Dass ich über so etwas, in der jetzigen Zeit, sprechen muss – da fehlen mir einfach die Worte“, seufzte der gebürtige Oberbayer.

Die Leidensbereitschaft des eigenen Anhangs war nach der Hälfte der vorabendlichen Veranstaltung bereits erschöpft. Als die Gladbacher nach dem 0:6-Pausenrückstand auf den Rasen zurückkehrten, hatten einige ihrer Fans das Stadion bereits verlassen. Die historische Demütigung durch die Gäste aus dem Schwarzwald wollten sie nicht bis zum Ende ertragen. Dabei saßen statt der erlaubten 15 000 ohnehin nur 10 025 Zuschauer im Borussia-Park.

Zu sehen bekamen sie dort eine Gastgeber-Elf, die nach fünf Minuten 0:2 und nach 25 Minuten – mit einem Allzeit-Negativrekord in der Bundesliga – 0:5 zurücklag. „In der ersten Halbzeit haben wir gar nicht stattgefunden und absolut scheiße und katastrophal gespielt“, kommentierte der beim Stand von 0:5 eingewechselte Mittelfeldakteur Patrick Herrmann. „Warum wehren wir uns denn nicht?“, fragte sich der fassungslose Sportchef Eberl während der ersten 45 Horrorminuten immer wieder. Und Nationalspieler Jonas Hofmann stammelte: „Wer nach dem Derby in Köln gedacht hat, es geht nicht noch tiefer, ist heute eines Besseren belehrt worden.“

Augenzeuge Max Eberl wusste gar nicht, was ihn auf Borussias Auswechselbank mehr irritierte: Das lasche Zweikampfverhalten der VfL-Kicker bei den ersten beiden Gegentoren – oder die nachfolgenden vier Freiburger Treffer, allesamt erzielt nach Standardsituationen. „Pure Verzweiflung“ erkannte der 48-Jährige in den Gesichtern und in den Aktionen des Gladbacher Rasenpersonals jedenfalls. „Das war ein aufgescheuchter Hühnerhaufen.“

Die visuelle und verbale Aufarbeitung der Partie am Montag werde „auch wehtun“, ahnte Eberl da bereits. Doch ebenso klar es war für den erfahrenen Manager der Borussia, dass Adi Hütter den Spielern gegen Ende der Woche auch die Videosequenzen über den nächsten Gegner Leipzig vorführen wird. „Absurd“ sei es, den Trainer in Frage zu stellen, empörte sich Eberl und stellte klar: „Man entscheidet sich für einen Weg – und das heißt, durch dick und dünn zu gehen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare