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Mitten in der Findung

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Von: Frank Hellmann

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Schon früh in der Saison unter Druck: Leipzigs Trainer Jesse Marsch.
Schon früh in der Saison unter Druck: Leipzigs Trainer Jesse Marsch. © AFP

RB Leipzig steht nach vier Spieltagen mit drei Punkten alles andere als gut da - und es scheint keine Selbstverständlichkeit, dass Jessen Marsch die Erfolgsgeschichte fortschreibt.

Jesse Marsch hat nicht lange um den heißen Brei herumgeredet. „Wir haben nicht den Start, den wir wollten.“ Nein, gewiss nicht. RB Leipzig steht nach vier Spieltagen mit drei Punkten alles andere als gut da, und nur alles auf die zum FC Bayern übergewechselte Troika mit Trainer Julian Nagelsmann und den Leistungsträgern Dayot Upamecano und Marcel Sabitzer zu schieben, wäre gewiss zu einfach. Es scheint vor allem keine Selbstverständlichkeit, dass der US-Amerikaner Marsch die Erfolgsgeschichte unter dem Brausedach fortschreibt, nur weil er vom Schwesterverein aus Salzburg kommt und eine Saison als Assistent unter Ralf Rangnick erlebte. Der penible Perfektionist setzte den gedanklichen Überbau für den Brauseklub, die meisten RB-Profis sind von ihm geprägt. Ihm folgte 2019 der rhetorisch geschickte Julian Nagelsmann, ein Überzeugungstäter auf seine Art.

Marsch hat es in dieser Linie schwer; es wird Dauer nicht ausreichend sein, nur Teamgedanken und Motivation herauszustellen, wenn er nicht fachlich ähnlich punkten kann. Dem 47-Jährigen eine gewisse Anlaufzeit einzuräumen, gebietet der Respekt. Genauso wie niemand den Stab vorzeitig über den aus Frankfurt abgeworbenen Torjäger André Silva brechen kann, der im Topspiel einmal Zentimeter zu weit im Abseits stand. Derzeit läuft vieles knapp gegen die Roten Bullen, die diesen Sommer sich am Branchenführer die Hörner abgestoßen haben. Wenn die Münchner sich so kräftig bei ihnen bedienen, ist das zwar ein Zeichen von Wertschätzung, aber die Lücken sind so schnell nicht zu stopfen.

Das Krisengerede am Cottaweg könnte sich verstärken, wenn es jetzt auch noch Lehrstunden in der Champions League setzt – und da hat der deutsche Vizemeister schlicht Pech gehabt. Am Mittwoch kommt Manchester City in die Messestadt, ein Monat später geht es zu Paris St. Germain. Die beiden teuersten Kader aus ganz Europa in einer Gruppe anzutreffen, kommt der Bestrafung für einen Klub gleich, der 2020 überraschend im Halbfinale stand. Statt zu jammern will Marsch lieber positiv und ruhig bleiben.

Aber es könnte der Zeitpunkt kommen, dass sich einer an seine fast schon legendäre Kabinenansprache vor zwei Jahren erinnert, als er bei einem 1:3-Halbzeitrückstand mit seinen Salzburgern im Auswärtsspiel beim FC Liverpool seinen Mannen mal ganz ordentlich den Marsch blies. Die Wutrede in einem ulkigen deutsch-englischen Mischmasch, ein Quotenhit in den Sozialen Medien, verrät viel über den Ansatz dieses Fußballlehrers. Ob er damit aber auf Dauer in Deutschland durchkommt, ist noch nicht gesagt.

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