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Mit Gruftis in die Zukunft

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Von: Jan Christian Müller

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Hat die Zeichen der Zeit offenbar nicht erkannt: Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
Hat die Zeichen der Zeit offenbar nicht erkannt: Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). © dpa

Erinnerungen werden wach an das Jahr 2000. Schon damals gehörte Rummenigge als Vorsitzender zur Task Force zur Rettung des deutschen Fußballs. Na dann – auf zum Veteranentreff. Ein Kommentar.

Der DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat vieles verstanden und manches nicht. Nicht verstanden hat er, dass der Deutsche Fußball-Bund mit seinem Nationalteam ein veritables Imageproblem mit sich herumschleppt. Andernfalls hätte der 61-Jährige am Dienstag bei seinem mehr als einstündigen öffentlichen Rückblick auf zehn Monate im hohen Amt nicht verlautbart: „Ich glaube schon, dass die Begeisterung für die Nationalmannschaft ungebrochen ist.“ Das ist, wenn Neuendorf das tatsächlich so gemeint haben sollte, wie er es gesagt hat, der klassische Fall einer Selbsttäuschung. Der Verbandschef sollte diese offensichtliche Trugwahrnehmung, die auch wissenschaftlich durch eine empirische Studie der Uni Würzburg gerade belegt wurde, noch einmal überprüfen lassen.

Dafür hat der kluge Mann zumindest organisatorisch gesorgt, indem er in gebotenem Tempo zwei Gremien zusammenstellte, die ihm in der krisenhaften Situation, in die sich Verband und Elitetruppe manövriert haben, zur Seite stehen sollen. Die verbandsinterne Arbeitsgruppe ist lediglich mit einem Promi besetzt, der Philipp Lahm heißt, dafür mit zwei Frauen: der Generalsekretärin Heike Ullrich und der EM-Botschafterin Celia Sasic. Die sollen unter anderem einen kritischen Blick darauf werfen, ob das viele Geld für die von Oliver Bierhoff geführte Zukunfts-Akademie wirtschaftlich sinnvoll investiert wird. Neuendorfs Subtext: Nein, das ist nicht der Fall, bitte aufräumen!

Für die Auswahl der in ihrer öffentlichen Wirkung weit prominenteren Gruppe hat Neuendorf in Zusammenarbeit mit Ligaboss Aki Watzke jedenfalls keine Strategie der Anbiederung oder des Ausgleichs verfolgt. Andernfalls hätten sie zumindest eine Frau jüngeren Jahrgangs in den Beraterkreis aufgenommen, um wenigstens den Anschein von Diversität zu wahren und dem Expertenstab einen Anstrich von Modernität zu geben. Und sie hätten auf Oliver Mintzlaff verzichtet. Denn bei dem jüngst von RB Leipzig in die Konzernspitze von Red Bull aufgestiegenen ehemaligen Leichtathleten handelt es sich keineswegs um eine Figur, mit der man den deutschen Fußball wieder näher an die Gefühlswelt der Basis heranführen würde.

Immerhin stellt der schneidige Mintzlaff in dem von Neuendorf (61) und Watzke (63) angeführten Grufti-Gremium mit Kalle Rummenigge (67), Rudi Völler (62), Matthias Sammer (55) und Oliver Kahn (53) mit schlanken 47 Jahren den Benjamin.

Erinnerungen werden wach an das Jahr 2000. Schon damals, in eine längst vergangenen Zeit, gehörte Rummenigge als Vorsitzender zur Task Force zur Rettung des deutschen Fußballs, Völler sprang in der blanken Not als Teamchef ein. Dessen Popularität und Empathie reichte seinerzeit, um die unter Vorgänger Erich Ribbeck als Rumpelfüßler identifizierte vermeintliche Versager-Generation zum WM-Vizetitel 2002 zu führen. Der Rückenwind durch einen vergleichbaren Sympathieträger fehlt diesmal. Ansonsten gleicht sich die Rhetorik. Vor 22 Jahren wie heute wollen sie „die Kräfte bündeln“ und „alle gemeinsam an einem Strang ziehen“ . Auf zum Veteranentreff!

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