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Mit einem Verdacht in die Nacht

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Von: Jakob Böllhoff

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Die Schlüsselszene: Schiedsrichter Robert Schröder zeigt dem Darmstadts Klaus Gjasula nach dem Videostudium die Rote Karte wegen Foulspiel.
Die Schlüsselszene: Schiedsrichter Robert Schröder zeigt dem Darmstadts Klaus Gjasula nach dem Videostudium die Rote Karte wegen Foulspiel. © dpa

Darmstadt 98 verliert das Spitzenspiel bei Werder Bremen auch, weil Klaus Gjasula Rot sieht

Klaus Gjasula wusste, was passiert war, und er wusste, dass er in Schwierigkeiten steckte. Nachdem der Darmstädter Fußballprofi den Bremer Romano Schmid mit gestrecktem Bein, die Stollen seiner Fußballschuhe voraus, am Knie getroffen hatte, war er umgehend Richtung Schiedsrichter Robert Schröder aufgesprungen, und seine Gestik drückte Schuld und Beschwichtigung aus. Schröder zeigte zunächst die Gelbe Karte, um sich nach Hinweis des Videoassistenten und Ansicht der Bilder zu korrigieren: Rot. Spielende für Klaus Gjasula, nach 23 Minuten im Zweitliga-Spitzenspiel zwischen dem SV Werder und SV Darmstadt 98.

Die Beteiligten waren sich einig, dass Gjasulas tapsige Aktion ein Schlüsselereignis war in dieser Partie, die die stark ersatzgeschwächten Bremer nicht ohne Mühe mit 1:0 (0:0) für sich entschieden durch einen Treffer von Torjäger Niclas Füllkrug (52.). Bis zur Dezimierung waren die Lilien das bessere Team gewesen, „wir wollten sehr stressig sein, das ist uns gelungen“, sagte Trainer Torsten Lieberknecht: „Wir waren präsent, hatten Torabschlüsse.“

Während Bremens Trainer Ole Werner korrekterweise von einer „klaren Roten Karte“ sprach, hatte Lieberknecht ein bisschen Mühe, die Szene einzuordnen. Er bewerte manche Sachen, auch Foulspiele, aus seiner Erfahrung als Spieler etwas anders, deshalb müsse er vorsichtig sein. Aber: „Im Nachgang fand ich die Rote Karte überzogen.“ Dazu muss man wissen: Die prägende Phase seiner Spielerkarriere verbrachte Lieberknecht in den 90er Jahren in Kaiserslautern, Mannheim und Mainz – harte Zeit, harte Pflaster.

Es fiel Lieberknecht sichtlich schwer, nicht ins Hadern zu geraten mit dem Ergebnis und seinem Zustandekommen. Den Verdacht, dass man bei Elf gegen Elf eine gute Siegchance gehabt hätte, trugen die Darmstädter mit in die Nacht und mit nach Südhessen. Auch so: „Wenn wir mit einem Punkt nach Hause fahren, wäre es aufgrund der Spielumstände nicht unverdient gewesen“, sagte der Trainer, der sein Team zu Recht für eine „wahnsinnige Energieleistung“ pries: „Wir können erhobenen Hauptes das Stadion verlassen, weil die Mannschaft ihr komplettes Herz auf dem Platz gelassen hat.“

Mehlems fataler Querpass

Hypothetisch, zu spekulieren, was bei Gleichzahl geschehen wäre – oder dann, wenn Marvin Mehlem, schon nach dem Platzverweis, nicht ein einfacher Querpass im Bremer Strafraum vollkommen misslungen wäre, als vier Darmstädter auf zwei Werderaner zuliefen.

Nicht hypothetisch ist, dass Darmstadt auf Platz drei steht, drei Punkte hinter Werder und dem FC St. Pauli, und bei solchen Leistungen gute Chancen hat, bis zum Schluss oben zu bleiben. „Der Blick auf die Tabelle macht erst Sinn, wenn wir in die letzten vier Spieltage gehen, weil dann definitive Entscheidungen fallen“, sagte Bremens Coach Werner. Ein erleichternder Moment für Lieberknecht, der nicht gerne über die Tabelle spricht. Er schloss sich dem Kollegen einfach an.

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