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Bella Italia. Foto: AFP
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Bella Italia.

Italien

Mit einem Lächeln

  • Günter Klein
    VonGünter Klein
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Es gibt ein neues Fußball-Italien, schön, wild, hinreißend, in dem aber immer auch noch das tief verwurzelte alte schlummert.

Es ist ein Glück für Italien, Lorenzo Insigne zu haben. Kleine Spieler, die inmitten von Athleten wuseln, genießen immer einen Sympathie-Bonus. Insigne ist 1,63 Meter groß, offiziell, auf dem Spielfeld wirkt er kleiner. Gäbe es bei dieser EM Einlauf-Kinder wie sonst bei den Turnieren – Insigne (30) würde hinter einer Zwölfjährigen verschwinden.

Insigne, putzig klein, leicht, erwachsen und wild tätowiert, was einen Kontrast ergibt zu seiner kindlichen Figur – er schoss dieses unglaubliche Tor im Viertelfinale gegen Belgien. Das 2:0. Weil das Spiel 2:1 ausging, war es das Siegtor, aus nachgemessenen 22 Metern in den Torwinkel gezirkelt. „Ich habe diesen Schuss schon oft probiert. Der Trainer meinte, ich solle doch mal das andere Eck wählen“, erzählte Insigne. Er blieb stur, Nationaltrainer Roberto Mancini ließ ihn stur bleiben, Treffer. Insigne sagt: „Wir spielen mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Jeder von uns.“ Bei ihm kann man es sogar sehen, wenn er einem den Rücken zukehrt.

Der treue Insigne

Weiter geht es für Italien mit dem Halbfinale am Dienstag (21 Uhr) in London gegen Spanien. Und in Deutschland und Europa ist das Wunder geschehen, dass man den Weg der Italiener mit Sympathie begleitet. Oder doch nicht? Es gibt ein neues Fußball-Italien, das Klischees widerlegt – jedoch auch ein altes, dass ein tief verwurzeltes Misstrauen gegen den viermaligen Weltmeister bestätigt.

Das schöne Italien: Niemand hat mehr Stil. Trainer Roberto Mancini (56) ist mit schwitzfleckfreiem langärmligem weißen Hemd, Krawatte und Sakko die seriöseste Seitenlinien-Erscheinung seit Ottmar Hitzfeld (Schweiz) 2014 im Anzug bei 40 Grad am Amazonas stand. Die Spieler setzen einen neuen Trend: Nach den Partien verschenken sie an Fans im Stadion nicht ihre Trikots, sondern die eng geschnittenen Hosen.

Das passionierte Italien: Auch nach dem Rücktritt von Vorsänger Gigi Buffon wird die Hymne geschmettert. Und wie: Die Hingabe an Land und Team leben die Verteidiger Giorgio Chiellini (36) und Leonardo Bonucci (34), beide mit über 100 Länderspielen. Chiellini ist gesichtsältester Spieler der EM. Die Spuren des Lebens machen ihn interessant, jetzt wird auch die Geschichte erzählt, dass er Akademiker ist. 2017 schloss er sein BWL-Studium als Bachelor mit einer Arbeit über das Businessmodell von Juventus Turin ab. Auch der kleine Lorenzo Insigne weckt Interesse, mehr über ihn wissen zu wollen: Er ist seit Jahren dabei, musste aber daran arbeiten, in der Nationalmannschaft eine Rolle wie die jetzige zu übernehmen. Dass er bis auf eine Leihstation immer für Napoli, seinen Heimatklub, spielte, verleiht ihm in einer Welt der Transfersucht einen Sonderstatus. Das Nationalteam nährt sich im Wesentlichen von den Vereinen der Serie A.

Das spielfreudige Italien: Seit 32 Spielen ist die Squadra Azzurra ungeschlagen. „Der Trainer erlaubt uns, unseren besten Fußball zu spielen“, sagt Insigne. Zu-null-Siege sind weiter erwünscht, aber es muss kein 1:0 mehr sein, das bei den Italienern oft so zynisch wirkte. Auch die Verteidiger agieren offensiver, sogar Bonucci und Chiellini haben (bei Standards) ihre Freiheiten. Leonardo Spinazzola, dem gegen Belgien die Achillessehne riss, galt als inspirierend fürs gesamte Team. „Einer der besten Verteidiger des Turniers, er ist brillant“, findet Mancini. „Sein Ausfall schlägt mir auf den Magen.“

Der miese Immobile

Das schauspielende Italien: Als Spinazzola darnieder sank, kam der Verdacht auf: Schauspieler. Wie Ciro Immobile, der sic vor dem 1:0 wie waidwund im Strafraum wälzte, nach dem erfolgreichen Torschuss des Kollegen Barella aber schnell auf die Beine kam. Auch Torhüter Donnarumma spielte in der Schlussphase der Partie den Schmerzensmann. Er ist erst 22, verfügt aber über das ganze Repertoire des Leidens und kämpft um jede Sekunde Zeit. 50 Jahre nach Roberto Boninsegna, „Opfer“ einer leeren Büchse in Mönchengladbach beim Europacupspiel mit Inter Mailand – Italien füllt das Klischee mit Leben. Im neuen und beliebten Italien steckt eben auch noch das alte.

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