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Mit dem Ufo nach Argentinien

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Von: Jan Christian Müller

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Einer der Besten dieser WM: Leo Messi, wen wundert’s?
Einer der Besten dieser WM: Leo Messi, wen wundert’s? © AFP

Der herausragende Superstar Lionel Messi lebt mit der Albiceleste den WM-Traum.

Normalerweise nehmen es Fußballspieler wie eine Demütigung, wenn sie fünf Minuten nach der Halbzeitpause ausgewechselt und zu allem Überfluss vom Schiedsrichter auch noch auf die ferne Seite getrieben werden. Für einen argentinischen Nationalspieler muss es sich bei dieser Weltmeisterschaft wie eine Ehre anfühlen. Alejandro Gomez jedenfalls begann in der 50. Minute einen Triumphmarsch. Bestimmt 150 Meter durfte der 34-Jährige um den Platz im Ahmed-bin-Ali-Stadion traben, und immer dort, wo er gerade vorbeikam, sprangen die Menschen auf und jubelten und klatschten ihm zu. Und Gomez jubelte und klatschte zurück. Dabei führte seine Mannschaft da im Achtelfinale erst 1:0 gegen Australien. Am Ende gewann sie 2:1.

Es war so laut in der von zehntausenden argentinischer Fans dominierten Arena, dass das Freudengeschrei und die sich überschlagenden Stimmen der Reporter auch ohne Übertragungskabel noch bis in die Kapitale nach Buenos Aires gedrungen sein dürften. Zumindest in deren Nähe. Als Lionel Messi mit einen handelsüblichen Lionel-Messi-Linksschuss nach 35 Minuten zum 1:0 traf, hätte man glauben können, das Ahmed-bin-Ali-Stadion mutiere zum Ufo und hebe ab. Richtung Mond, Mars, Jupiter – oder in noch höhere Galaxien: nach Argentinien.

Es war, diese Statistik sei bemüht, in seinem tausendstes Pflichtspiel das 790. Tor des großartigen Fußballspielers, aber, unglaublich, erst sein erster Treffer in einem K.o.-Spiel einer WM. Messi demonstrierte, dass er von seinem Zauber auch im fortgeschrittenen Profialter von 35 Jahren nicht viel verloren hat. Seine Dribblings geraten noch immer bisweilen unwiderstehlich. Und anders als bei der misslungenen WM vor vier Jahren in Russland, strahlt der Anführer mit seiner Mannschaft eine Energie aus, die Argentinien weit treiben könnte in diesem Turnier. Dazu eine jeden Spieler inbrünstig huldigende Fangemeinde im Rücken. Es sind Ingredienzien, die einen guten Weg weisen.

Und doch wurde es gegen die lange lahmenden Australier am Ende noch eine verdammt enge Kiste. Aus dem Nichts traf Craig Goodwin nur deshalb nach 77 Minuten zum 1:2, weil sein harmloser Verzweiflungsschuss absurd abgefälscht wurde. Plötzlich bekam auch Argentinien dieses nervöse Zittern in den Beinen, vor dem selbst die abgezocktesten Profis nicht gefeit sind auf einer solchen Weltbühne. In der siebten und letzten Minute der Nachspielzeit rettete Torwart Emiliano Martinez heldenhaft gegen den 18-jährigen Australier Garang Kuol. Messi schaute - und darf seinen Traum also weiter träumen. Er träumt ihn nicht alleine.

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