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Nicht mehr Werder-Trainer: Markus Anfang.
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Nicht mehr Werder-Trainer: Markus Anfang.

Impf-Skandal um Trainer Markus Anfang

Mit aufgemaltem Gurt

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  • Daniel Cottäus
  • Frank Hellmann
    Frank Hellmann
  • Carsten Sander

Der Skandal um einen mutmaßlich gefälschten Impfpass von Werder Bremens Trainer Markus Anfang strahlt weit über den Fußball hinaus.

Hinter dem SV Werder Bremen liegt eines der turbulentesten Wochenenden seiner mehr als 120-jährigen Vereinsgeschichte. Nicht das 1:1 am Samstag gegen den FC Schalke 04 im ausverkauften Weserstadion, sondern ein Besuch der Staatsanwaltschaft am Abend zuvor sorgte für Aufregung, die weit über ein Fußballspiel strahlte: Trainer Markus Anfang und sein Assistent Florian Junge reichten noch vor dem Zweitligaduell der abgestürzten Traditionsvereine ihren Rücktritt ein, weil beide dringend verdächtigt werden, der Gesundheitsbehörde gefälschte Impfzertifikate vorgelegt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Bremen hat mittlerweile den Impfpass von Anfang beschlagnahmt. „Inwieweit der Impfausweis tatsächlich falsch ist, das werden wir zeitnah klären können“, sagte Staatsanwalt Frank Passade.

Werder-Vorstandschef Klaus Filbry verwies zwar darauf, dass es in einem laufenden Ermittlungsverfahren keine Vorverurteilung geben dürfe, doch habe die Polizei „eine sehr klare Indizienlage übermittelt“. Geschäftsführerkollege Frank Baumann sagte: „Der Vorwurf, der im Raum steht, ist massiv“. Ohne die Rücktritte des schwer belasteten Trainergespanns, das bislang ein Fehlverhalten nicht zugegeben hat, hätte sich der Verein mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen auseinandergesetzt. Filbry verriet, dass Anfang bereits vor längerer Zeit Vorbehalte gegen eine Corona-Schutzimpfung in einem persönlichen Gespräch vorgebracht hätte: „Er hat mir gegenüber sehr nachvollziehbare Gründe dargelegt, was ihn zu diesem Thema beschäftigt. Er hat uns aber irgendwann sehr klar mitgeteilt, dass er das Thema angegangen ist und dass er jetzt geimpft sei.“ Hat der 47-Jährige seinen Zwiespalt durch einen gefälschten Impfpass gelöst, die mittlerweile leicht verfügbar sind?

Der gebürtige Kölner hat den wegen seiner vielen Privilegien in der Corona-Krise ohnehin argwöhnisch beäugten Profifußball womöglich schwer in Misskredit gebracht. Daher sprach auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) von einem „nicht hinnehmbaren Affront gegenüber allen, die sich in den vergangenen Monaten haben impfen lassen“, sollte sich der Verdacht erhärten. Anfangs Trainerkarriere könnte in diesem Fall zu Ende sein.

Auch für den einstigen Vorzeigeverein von der Weser, der nur mühsam den wirtschaftlichen Kollaps nach dem Bundesliga-Abstieg abwendete, ist der Imageschaden gewaltig. Der Fußballlehrer war gegen eine sechsstellige Ablöse vom Zweitliga-Konkurrenten SV Darmstadt 98 losgeeist worden, um ihm die Mission „Wiederaufbau“ anzuvertrauen. Bei den Lilien war der Groll damals groß.

Dass der Verdacht einer Impfpassfälschung eine gesellschaftspolitische Dimension besitzt, war sich die Bremer Geschäftsführung glücklicherweise sofort bewusst. Cheftrainer werden nicht umsonst als die wichtigsten Angestellten bezeichnet, weil sie mehr als zwei Dutzend Profis und meist auch einen halb so großen Trainer- und Betreuerstab anleiten. Wer da vorgibt, geimpft zu sein, obwohl er es nicht ist, tritt nicht nur seine Vorbildwirkung mit Füßen, sondern bringt seine direkte Umgebung in Gefahr. Ein User im Portal der „DeichStube“ schrieb treffend: Mit einem gefälschten Impfpass zu leben, sei so, als ob man sich im Auto den Gurt aufmalt, statt ihn anzulegen.

Werder fahndet nun unter Hochdruck nach einem Trainer, der eine offensive Ausrichtung bevorzugt, junge Spieler entwickelt – und glaubhaft wirkt. Die nahe liegende Lösung wäre Ole Werner, der bei Werders nächstem Gegner Holstein Kiel wohl im Sommer den Bundesliga-Aufstieg geschafft hätte, wenn nicht das tückische Virus damals in seinem Kader gewütet hätte, als der Impfstoff noch nicht ausreichend in Deutschland zur Verfügung stand. Der 33-Jährige stellte nach einem Fehlstart an der Förde vor zwei Monaten sein Amt zur Verfügung.

Anfangs Job übernahm gegen Schalke einmalig Co-Trainer Danijel Zenkovic, unter dem die Mannschaft bei den besonderen Umständen noch einen sehr beherzten Auftritt hinlegten. „Irre ist nett ausgedrückt. Es war ein richtiger Scheißtag“, bilanzierte Niclas Füllkrug, obwohl der Werder-Stürmer in der neunten Minute der Nachspielzeit noch ein Elfmetergeschenk zum 1:1 nutzte.

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