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Fredi Bobic (Mitte) mit seinen Mitstreitern Christian Seifert, Tobias Haupt, Ansgar Schwenken und Oliver Bierhoff.

Fußball-Bundesliga

Mini-Uni für die Top-Sportchefs von Morgen

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Eintracht-Vorstand Fredi Bobic hat gemeinsam mit Klubkollegen, DFB und DFL einen Elitekurs für Managementtalente entwickelt. Aber nur einem Dutzend Interessenten steht die Tür offen.

Als Fredi Bobic seine bewegte Profikarriere dann im Jahr 2006 endgültig für beendet erklärte, hat es ein bisschen gedauert, ehe der damals 34-Jährige sich sortiert hatte. Sein verblichenes Können beschränkte sich zu dem Zeitpunkt auf nicht viel mehr als Aberhunderte Bundesliga- und Europapokalbegegnungen, 37 Länderspiele, eine fast vergessene Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und eine mäßig erfolgreiche gemeinsame Single mit den guten Kumpels Gerhard Poschner und Marco Haber unter dem Künstlername „Das tragische Dreieck. Der Titel: „Steh auf.“

Bobic, der schon auf Torejagd stets sehr ehrgeizig war, verhielt sich entsprechend und stand auf. Denn ihn war klar: Er wollte mehr als bloß als Ex-Torschützenkönig in Prominententeams zu kicken und als TV-Experte klug zu kommentieren. Also nahm er sich ein Herz und klingelte bei Holger Hieronymus durch. Der gute alte Bekannte aus Profitagen stand inzwischen in Diensten der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und war mächtig überrascht über den Anruf. Bald darauf saßen die beiden bei einem Kaffee zusammen, und Bobic erklärte Hieronymus, weshalb er nur allzu gern eine Hospitanz bei der DFL absolvieren würde. „Ich wollte hinter die Kulissen schauen und lernen, wie die Bundesliga gemanagt wird. Ich hatte ja nur den Blick als Spieler.“

Lehrgang kostet 14 900 Euro

So kam es, dass bei der DFL bald ein prominenter Praktikant ein und aus ging. Vier Wochen lang fuhr Bobic jeden Montagmorgen aus seinem Heimatort Berlin nach Frankfurt, immer freitags ging es zurück zur Familie. So lernte der wissbegierige Ex-Nationalspieler auch den DFL-Boss Christian Seifert persönlich kennen, den fürs Lizenzwesen zuständigen Werner Möglich, den Medienchef Christian Pfennig und all die anderen einer breiten Öffentlichkeit eher unbekannten Experten, die die beiden Fußball-Bundesligen organisieren. Später packte Bobic noch einen kleinen Weiterbildungslehrgang im Fußballmanagement und ein gutes Jahr lang die Geschäftsführung des bulgarischen Klubs Tschernomoretz Burgas drauf, ehe er beim Heimatklub VfB Stuttgart als Sportchef einstieg. Alles so ein bisschen learning by doing.

Managementtalente vom Format des aktuellen Sportvorstands der Frankfurter Eintracht sollen es künftig leichter haben, in den Spuren des 48-Jährigen unterwegs zu sein. Ab September bietet die (noch im Aufbau befindliche) DFB-Akademie deshalb den anderthalbjährigen Elitelehrgang „Management im Profifußball“ an. Nur Klubs von der ersten bis zur dritten Liga, die Top-Spielklassen der Frauen inklusive, dürfen Bewerber anmelden, nicht mehr als zwölf Lehrgangsteilnehmer werden zugelassen. Für lediglich 19 Präsenztage im Jahr und weiteres umfangreiches digitales Lernen müssen ihre Arbeitgeber (oder sie selbst) 14 900 Euro berappen. Sie sollen so gleichermaßen intelligent wie intensiv auf eine Karriere als Entscheider im Profifußball vorbereitet werden.

Mit dem Preis könne der Lehrgang kostenneutral gestaltet werden, berichtet DFB-Direktor Oliver Bierhoff, noch so ein Self-Made-Mann, der dank seines Fleißes, einem ordentlichen Abiturzeugnis und der notwendigen Selbstdisziplin parallel zur Profikarriere an seinem BWL-Studium bastelte. „Natürlich“, sagt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, inzwischen mit dem Ex-Praktikanten Bobic längst auf Du und Du, „könnten wir den Lehrgang gemeinsam mit DFL und DFB auch voll finanzieren.“ Aber das sei wenig ratsam, weil man so Gefahr liefe, dass Absolventen das Commitment abhanden kommen könnte.

Fredi Bobic hat bei seiner Eintracht schon zwei oder drei mögliche Kandidaten im Kopf, die Management-Nachwuchsentwicklung erfahren könnten, wie sie laut Seifert „in der Industrie längst üblich ist“. Bierhoff hofft, dass auch ehemaligen Nationalspielern dadurch ein Weg geebnet wird, den Mut zum Manager zu fassen, ohne zuvor ewig Klinken putzen zu müssen. Bobic, der die Idee mit einigen Vorstandskollegen anderer Klubs sowie der DFL und dem DFB entwickelt hat, stellt klar: „Der Lehrgang ist kein Massenprodukt, das wir 150 Leuten anbieten.“ Nur Toptalente sollen die Chance erhalten, auf diese Weise ihr Profil zu schärfen.

Die große Idee dahinter bezieht sich natürlich nicht nur auf diejenigen, die von dem Kurs profitieren. Er findet vielmehr im Rahmen des „Projekts Zukunft“ statt, mit dem DFB und DFL den ein wenig darbenden Fußball hierzulande zurück an die Weltspitze befördern wollen. Dabei reicht es nicht, sich nur um Talente auf dem Platz und in der Coaching Zone zu kümmern, sondern eben auch ums Management. „Es ist“, sagt Bierhoff, „ein kleines, aber wichtiges Puzzleteil in einem großen Plan.“

Akadademieleiter Tobias Haupt, als leibhaftiger Professor für Sportmanagement der kluge Kopf hinter dem Ganzen, spricht davon, auf diese Art und Weise „Schlüsselpositionen im Fußball top auszubilden“- und zwar mit Dozenten vom Fach, mehrheitlich rekrutiert aus den Häusern DFL und DFB. Denn: „Die Anforderungen an Sportverantwortliche sind in einem aufgeregten Umfeld unheimlich komplex geworden.“ Schließlich bewegen die Klubs mittlerweile Saison für Saison Gehälter allein für Spielerkader und Trainerstab von rund 1,67 Milliarden Euro, geben für Transfers zuletzt 932 Millionen Euro aus und kassierten Ablösen von 770 Millionen Euro. Die Budgetverantwortung mitsamt der Haftung ist extrem gewachsen.

Knallhart verhandeln

Bobic, bekannt als ausgewiesenes Pokerface, nennt ein einfaches Beispiel für ein Schulungselement: „Wie verhälst du dich bei Verhandlungen und zeigst deinem Gegenüber keine Schwäche, die deinen Verein schädigen kann?“ Neben solchen „soft skills“, inklusive eines kommunikativen Umgangs mit Medien, Beratern und Sponsoren, geht es in der Weiterbildungsmaßnahme aber vor allem um knallhartes Lernen, etwa die Fähigkeit, Bilanzen zu lesen, das Transferwesen zu durchdringen, die Lizenvergabe in aller Tiefe zu kapieren, Einblicke ins Scouting, die Vermarktung und ins Sportrecht zu bekommen und mit Werkzeugen für die Personalführung bestückt zu werden. Das Geheimnis von Fredi Bobic ist gar nicht so geheim: „Du darfst keine Angst um deine Position zu haben und musst dir in allen Bereichen immer bessere Leute holen.“

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