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28 Millionen Euro für den guten Zweck

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Von: Jan Christian Müller

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Die Profiklubs der Bundesliga spenden für den guten Zweck - doch viel zu wenig, sagt Hopp.
Die Profiklubs der Bundesliga spenden für den guten Zweck - doch viel zu wenig, sagt Hopp. © imago sportfotodienst (imago sportfotodienst)

Deutsche Fußball-Profiklubs engagieren sich für soziale Belange. Doch sie sind noch weit entfernt von dem, was der Hoffenheimer Hopp vorschlägt.

Alle Jahre wieder kämpft die Bundesliga-Stiftung um ein wenig Aufmerksamkeit inmitten all der Aufgeregtheiten zwischen Champions League, Bundesliga und DFB-Pokal und einer zusehends heftigeren Diskussion darüber, wie die Kluft zwischen professionellem, kommerzialisiertem Fußball und den Amateurklubs für manche Menschen zunehmend unerträglichere Tiefe annimmt. In der Frankfurter Zentrale der Deutschen Fußball-Liga sind sie es an schlechten Tagen rundheraus leid, sich für ihre alljährlich in zweistelligen Prozentzahlen steigenden Umsätze in der Boombranche noch entschuldigen zu müssen; an guten Tagen lächeln sie es leidlich weg, wenn Kritiker sie mal wieder als seelenlose Raffzähne bezeichnen. Und an den besten Tagen – so ein Tag war gestern – präsentieren sie via Auftragsstudie die vielen guten Taten, die der deutsche Profifußball für das gemeine Volk bereit hält.

Demnach haben die 2008 gegründete Bundesliga-Stiftung, die 36 Profiklubs und diverse Stiftungen einzelner Profis in der Saison 2015/16 insgesamt 450 Projekte und dabei mehr als eine Million Menschen unterstützt. 2012/13 waren es noch 318 Projekte. Die rund 28 Millionen Euro (plus 40 Prozent gegenüber 2012/13), die zuletzt pro Spieljahr für freiwilliges soziales Engagement aus dem Profifußball kamen, teilen sich wie folgt auf: 3,5 Millionen Euro kommen aus der Bundesliga-Stiftung, die ihr Geld aus den Vereinsstrafen bei der Lizenzierung, Benefizländerspielen und Spender der DFL und des DFB generiert, 16,5 Millionen Euro sammeln die 18 Klubs der ersten Liga, 4,7 Millionen Euro die der zweiten Liga, 3,3 Millionen Euro kommen aus zehn Spielerstiftungen (Philipp Lahm, Manuel Neuer, Lukas Podolski, Christoph Metzelder, Arne Friedrich, Franz Beckenbauer, Gerald Asamoah, Oliver Kahn, Giovane Elber, Neven Subotic).

Die Bundesliga-Stiftung sieht sich laut Vorstand Stefan Kiefer als „Dach des gesellschaftlichen Engagements“ des deutschen Profifußballs und unterstützt die Vereine „durch individuelle Beratung“. Die 36 Bundesligaklubs engagieren sich laut der veröffentlichten Studie mit 0,67 Prozent ihres Umsatzes, dies sei das Vierfache im Vergleich zu mittelständischen Unternehmen mit ähnlicher Wirtschaftskraft.

„Nicht die Heilsarmee“

Ronny Blaschke, Autor des sehr lesenswerten Buches „Gesellschaftsspielchen – Fußball zwischen Hilfsbereitschaft und Heuchelei“, findet, der Profifußball müsse sich weniger an den wirtschaftlichen Kennzahlen messen lassen als vielmehr an seiner immensen Popularität: „Ein Fußballverein ist nicht nur ein Verein, sondern ein mittelständisches Unternehmen mit der Außenwahrnehmung, die einem Weltkonzern gleichkommt.“

Der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen ist seit Gründung Kuratoriumsvorsitzender der Bundesliga-Stiftung. Er sagt, der deutsche Profifußball komme seiner Verantwortung „ganz anerkennenswert“ nach, leiste einen „wichtigen Beitrag zur inneneren Stabilität“, indem er sich vor allem auf Jugendliche am Rand der Gesellschaft konzentriere, könne mit seinen sozialen Projekten aber „nicht die Heilsarmee der Nation“ sein. 

Hopp fordert deutlich mehr Engagement

Eine gehörige Portion mehr Samaritertum kann sich Dietmar Hopp, der Mäzen und Investor der TSG Hoffenheim, gleichwohl dennoch vorstellen. Der seit dem heutigen Mittwoch 77-Jährige verwaltet mit seiner Dietmar-Hopp-Stiftung 5,5 Milliarden Euro aus seinem vormals privaten SAP-Aktienbesitz und verteilt alljährlich rund 70 Millionen Euro, so viel wie niemand sonst hierzulande. Er findet, die Deutsche Fußball-Liga solle das gesellschaftliche Engagement in die Lizenzierung für die Vereine aufnehmen und „einen Prozentsatz für soziale Initiativen veranschlagen – drei Prozent des Jahresumsatzes wären angemessen. Ich weiß, das könnte nun einen Aufschrei geben, aber ich finde das angemessen.“

Dann müssten die Vereine ihre Hingabe auf nahezu hundert Million Euro vervierfachen und für ihr bürgerschaftliche Engagement (Fachbegriff: Corporate Citizenship), fast genauso viel Geld ausgeben wie für Spielerberater. Ein weiter Weg.

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