TV-Rechte Fußball-Bundesliga

Milliardenpoker droht Aufschiebung

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Die unruhigen Zeiten in der Corona-Krise dürften dazu führen, dass die Deutsche Fußball-Liga die milliardenschweren TV-Rechte zu einem späteren Zeitpunkt vergibt. Man hat gerade einfach Wichtigeres zu tun.

Über mangelnde Arbeit kann sich Christian Seifert in diesen ungewöhnlichen Tagen beileibe nicht beschweren. Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ist an drei riesengroßen Fronten unterwegs. Er muss die Coronakrise managen und tut das nach Ansicht der allermeisten Bundesligamanager sehr verantwortungsbewusst und professionell; er muss zudem mit seinem Direktor Lizenzierung, Werner Möglich, und dessen Team darüber wachen, dass die bis zum 15. März eingegangenen Unterlagen der Klubs für die neue Saison völlig neu zu bewerten sind. Und er muss entscheiden, ob die Auktion der milliardenschweren Medienrechte für die Spielzeiten 2021 bis 2025 tatsächlich, wie ursprünglich geplant, vom 27. April bis zum 8. Mai stattfinden soll.

Zwar hat Seifert Anfang der Woche angekündigt, dass die Unterlagen wie geplant an die Bewerber verschickt wurden, denn: „Viele Interessenten haben uns signalisiert, dass sie gerne an dem Prozess festhalten möchten.“ Aber natürlich weiß der erfahrene DFL-Chef auch, in welch komplexen Schwierigkeiten gerade Dazn und Sky stecken. Diese beiden sind aktuell die Pay-TV-Partner der Bundesliga, die die größten Summen bezahlen (und vermutlich die letzte dreistellige Millionen-Tranche im Mai aussetzen oder mindern werden).

Die vier dicksten Pakete für Bezahlfernsehen oder Bezahl-Streamingdienste mit Liveübertragungen von allen Spielen und allen Tore sollen für vier Spielzeiten von 2021 bis 2025 zusammen mehr als vier Milliarden Euro in die Kassen der Klubs spülen (hinzu kommen viele kleinere Pakete, die nochmals bis zu 500 Millionen Euro pro Saison kosten sollen). Schwerlich vorstellbar, dass nur der jahrelange zuverlässige Partner Sky in der derzeitigen Lage sich ziert, ein derartig umfangreiches Investment zu wuppen.

Seifert sagt, die Frage einer zeitigen Rechtevergabe sei „ehrlich gesagt nicht meine drängendste, aber wir haben sie voll auf dem Schirm“. Es gibt ja keinen Zweifel, dass diese Frage die entscheidende Antwort darauf geben wird, wie muskelbepackt der deutsche Profifußball sich für die Zukunft aufstellen kann.

Der ganz große Termindruck herrscht in der DFL gerade nicht, schließlich geht es um die neuen Verträge erst ab 2021 und nicht schon um die kommende Saison. Es spricht also viel dafür, die Angelegenheit zu verschieben, die Bewerber hätten so mehr Muße, die nicht ganz einfachen Unterlagen zu studieren und ihre Businesspläne an die neue Zeit anzupassen. Und Christian Seifert hätte nicht mehr das Gefühl, dass er derzeit drei Leben gleichzeitig leben muss. Denn für die Auktion müsste der 50-Jährige sich Ende April/Anfang Mai zwei volle Wochen lang mit einem sehr kleinen Team komplett von der Welt abschotten, um einen fairen Wettbewerb im Milliardenpoker zu gewährleisten. Das ist aktuell schlicht undenkbar.

Das Kartellamt zickt noch

Mit Spannung erwartet die DFL zudem eine Botschaft vom Bundeskartellamt, das über die Vergabebedingungen zum Schutze der Kunden wacht. Eigentlich hatten die Wettbewerbswächter am Donnerstagmorgen eine Telefonkonferenz mit Journalisten geplant. Die musste „wegen technischer Schwierigkeiten im Amt“ kurzerhand ausfallen. Die Bonner Behörde will sich am Freitag per Pressemitteilung zu Wort melden. Sie scheint nicht mit allen Plänen der Bundesliga ganz einverstanden. In der Frankfurter DFL-Zentrale ist man leicht irritiert, Mindestens.

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