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Dynamisch, praktisch, gut: Sergej Milinkovic-Savic entgeht im Rom-Derby einem Tackling von Daniele De Rossi.

Europa League

Milinkovic-Savic, das 100-Millionen-Versprechen

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Der 23 Jahre alt Sergej Milinkovic-Savic ist der beste Spieler von Lazio Rom - der Serbe steht bei etlichen Topklubs auf dem Wunschzettel.

Die Woche ist schon jetzt eine erfolgreiche für Societa Sportiva Lazio, eigentlich kann sie seit Montagnachmittag auch gar nicht mehr richtig schlecht werden. Und das, obwohl die Römer am vergangenen Wochenende das 187. Derby della Capitale, das hochbrisante Stadtderby gegen AS, mit 1:3 verloren haben und am Donnerstagabend noch das Europa-League-Duell bei Eintracht Frankfurt ansteht. Was den Tabellensiebten der Serie A so glücklich macht? Die Vertragsverlängerungen der beiden Topstars Ciro Immobilie und Sergej Milinkovic-Savic. 

Am Montagnachmittag verkündete Lazio-Teammanager Igli Tare, einst Stürmer in Düsseldorf, Karlsruhe und Kaiserslautern, voller Stolz die Ausweitungen beider Kontrakte bis ins Jahr 2023. Tare sagte, dass die Zukunft des Klubs damit ein Stück weit klarer sei, positiver, nun der nächste Schritt gegangen werden könne. Und zweifelsohne, während die Unterschrift von Immobilie keine allzu große Überraschung war, immerhin scheint der Ex-Dortmunder nur in Italien so richtig klarzukommen, wurde dort vergangene Runde sogar Torschützenkönig, könnte die von Milinkovic-Savic ein Meilenstein für den Klub sein. Dem 23-jährigen Serben wird eine große Zukunft prognostiziert – die eines Weltstars.

Im Sommer sollen Klubs wie Real Madrid, der FC Chelsea, auch Paris Saint-Germain Interesse am dynamischen Mittelfeldmann gezeigt haben, Ablösen von 60, 70, gar 80 Millionen Euro standen im Raum. Künftig, nach der Vertragsverlängerung bis 2023, wird das Preisschild wohl noch eine dritte Ziffer erhalten, unter 100 Millionen wird in Rom nun keiner mehr nervös. Die Fakten: 129 Pflichtspiele machte Milinkovic-Savic bisher für Rom, 25 Tore und 21 Vorlagen steuerte er bei. In dieser Spielzeit gelangen ihm in sechs Einsätzen ein Treffer und eine Vorarbeit.

„Wenn er gesund bleibt, kann er der kompletteste Spieler des Planeten werden. Er hat etwas von einem Brasilianer und macht Dinge, die mich an Zinedine Zidane erinnern“, sagte vor kurzem Mateja Kezman. Nun gut, der Vergleich mit einem der besten Kicker jemals mutet etwas hochgegriffen an, irgendwie ist er aber auch logisch, berät Kezman doch seit Jahren Milinkovic-Savic. Und zumindest ein Fünkchen Wahrheit steckt in den Worten des Ex-Stürmers vom PSV Eindhoven, dem FC Chelsea und Atletico Madrid dann doch. 

Denn Sergej Milinkovic-Savic, aufgrund des sperrigen Namens „SMS“ getauft, kann zweifelsohne mit dem Ball umgehen, ist trotz seiner 1,91 Meter mit einer exzellenten Technik gesegnet. Er ist ein Hybrid aus Achter, Zehner und manchmal auch einer Prise Sechser. Sicher kein Zinedine Zidane („Der Vergleich schmeichelt mir“, sagt Milinkovic-Savic), aber doch ähnlich einem anderen Weltmeister: Paul Pogba von Manchester United, Mitglied der 2018er-Titelgeneration Frankreichs.

Beide verbindet nicht nur die Spielweise mit raumgreifenden Schritten im Mittelfeld, einer guten Schusstechnik und einem ausgezeichneten Kopfballspiel, sondern vor allem einen Schuss Extravaganz – mitunter der Marke schlampiges Genie – auf und abseits des Rasens.

Milinkovic-Savic, der auf dem Trikot nur seinen Vornamen Sergej trägt, entstammt einer sportverrückten Familie. Vater Nikola kickte selbst in Österreich, Spanien und Portugal. Bruder Vladan ist Torhüter bei Spal Ferrara, italienischer Erstligist, gegen den die Eintracht in der Vorbereitung 1:2 verlor. „Auch meine Mutter Milana war eine bekannte Basketballerin in unserem Land. Ich weiß nicht, ob wir den Sport in unseren Genen haben, doch man kann sagen, dass ich von Kindesbeinen an Wettkampfluft geschnuppert habe“, erzählte Milinkovic-Savic. 

Der baumlange Mittelfeldmann wurde in Spanien geboren, als sein Vater dort sein Geld verdiente, und später in der serbischen Heimat Novi Sad fußballerisch ausgebildet. Er wechselte nach wenigen Einsätzen für das dortige Profiteam nach Belgien zum KRC Genk, um sich 2015 Lazio anzuschließen. Die Aufmerksamkeit der Römer hatte Milinkovic-Savic aber schon früher erregt, 2013 war das, da gewann er mit der serbischen U19-Nationalmannschaft den EM-Titel.

Zwei Jahre später folgte zudem der überraschende WM-Triumph mit der U20 – beide Male stand auch der Frankfurter Mijat Gacinovic im Kader. Noch heute sind beide befreundet und tauschen sich vor allem in den Sozialen Netzwerken regelmäßig aus. Auch mit zwei weiteren serbischen Eintracht-Profis, mit Linksaußen Filip Kostic und Stürmer Luka Jovic, kickte Milinkovic-Savic bereits in diversen Nationalteams zusammen. Zuletzt auch bei der Weltmeisterschaft in Russland. 

Milinkovic-Savic  vertrat Serbien in Russland

Welchen Stellenwert der international noch ziemlich unbeleckte Milinkovic-Savic in seiner Heimat bereits hat, zeigt die Posse um Slavoljub Muslin. Der war Trainer der Nationalmannschaft, schaffte die Qualifikation zur WM 2018 frühzeitig und wurde trotzdem entlassen. Grund: Er berief Milinkovic-Savic nicht in den Kader – gegen den Willen des Verbandspräsidenten, der sich natürlich durchsetzte, Muslin feuerte, den ehemaligen Bundesligaprofi Mladen Kristajic als Nationaltrainer installierte und schließlich Milinkovic-Savic bei der WM in Russland zu seinen Nationalmannschaftseinsätzen fünf, sechs und sieben verhalf.

„Ich war der glücklichste Mann auf der Welt, als ich ins Nationalteam berufen wurde“, sagte Milinkovic-Savic. Vermutlich ähnlich glücklich, wie sie es in dieser Woche auch bei Lazio Rom sind. Da kann kommen, was wolle. Vielleicht ja nach der Derbypleite auch eine gegen die Eintracht?

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