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„Barbarische Ausschreitungen“: Erschütternde Bilder aus Mexiko – Erste Fußballliga ausgesetzt

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Von: Melanie Gottschalk

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Die Anhänger:innen der beiden mexikanischen Fußball-Erstligisten Querétaro und Atlas geraten bei einem Spiel extrem aneinander.
Die Anhänger:innen der beiden mexikanischen Fußball-Erstligisten Querétaro und Atlas geraten bei einem Spiel extrem aneinander. © Eduardo Gomez Reyna/dpa

Erschütternde Bilder aus Mexiko machen am Wochenende die Runde. Bei einem Fußballspiel zwischen Querétaro und Atlas kommt es zu extremer Gewalt. 

Frankfurt – Am Wochenende haben absolut erschütternde Bilder aus Mexiko die sozialen Medien geflutet. Die Szenen aus dem Estadio La Corregidora im zentralmexikanischen Querétaro sind so brutal, dass die gesamte erste Fußball-Liga in Mexiko vorerst ausgesetzt wurde. Am Samstag (05.03.2022) waren bei einem Ligaspiel die Fans von Querétaro und Atlas aneinander geraten, laut Behörden wurden mindestens 26 Menschen verletzt – doch Augenzeug:innen berichten sogar von Toten.

Was war passiert? Zwischen dem FC Querétaro und Atlas Guadalajara gibt es offenbar seit vielen Jahren eine Feindschaft, am Samstag eskalierte die Situation aber komplett. Laut mehrerer übereinstimmender Medienberichte lief die Partie seit rund einer Stunde, als es auf den Rängen plötzlich zu mehreren Schlägereien kam. Da sich die gewaltsamen Auseinandersetzungen der beiden Fan-Lager nicht in den Griff bekommen ließen, wurden kurz darauf die Stadiontore geöffnet, hunderte Zuschauer:innen – darunter auch Frauen und Kinder – brachten sich auf dem Rasen in Sicherheit. Die Mannschaften flüchteten teilweise in die Kabine, andere versuchten, die Menschen zu beruhigen.

Schreckliche Gewalt bei Fußballspiel in Mexiko – Augenzeuge: „Von langer Hand geplant“

Als das Spiel in der 62. Minute beim Stand von 0:1 schließlich abgebrochen wurde, ging die Orgie an Gewalt aber wohl erst richtig los. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wurden Sitzschalen aus der Verankerung gerissen und als Wurfgeschosse genutzt, Stichwaffen gezückt und Feuerwerkskörper gezündet. Ein Augenzeuge aus dem Lager der Atlas-Fans, der selbst am Kopf verletzt wurde, äußerte gegenüber lokalen TV-Reporter:innen die Vermutung, die Gewalt sei von langer Hand geplant und mithilfe der örtlichen Sicherheitskräfte umgesetzt worden. Denn was genau diese rohe Gewalt auslöste, ist bisher nicht bekannt.

Wie der Augenzeuge weiter berichtete, seien den Atlas-Fans bei strikten Einlasskontrollen Ringe und Münzen abgenommen worden, Fans von Querétaro habe er indes mit Steinen, Pistolen und Messern gesehen. Die Tore zwischen den Fanlagern seien von Ordnern im Stadion aufgesperrt worden. Viele Fans der Gastmannschaft seien somit eingekesselt gewesen und hatten keine Chance zu fliehen. Eine Videoaufnahme stützte laut SZ die Erzählungen des Fans.

Gewalttätige Ausschreitung bei Fußballspiel in Mexiko: Behörden sprechen von 26 Verletzten

Der Regionalgouverneur der zentralmexikanischen Region Querétaro, Mauricio Kuri, sprach dann am Sonntag (06.03.2022) aber lediglich von 26 Verletzten. Die kurzen Videos aus dem Stadion, die in den sozialen Medien kursieren, sprechen allerdings eine andere Sprache. In diversen mexikanischen Medien war unter Berufung auf Augenzeugen von bis zu 17 Todesopfern die Rede, die spanische Marca und die englische Daily Mail berichten Ähnliches.

Auf den schrecklichen Videoaufnahmen in den sozialen Netzwerken sind neben der rohen Gewalt auch zahlreiche reglose Körper zu sehen, weshalb die Nachrichten der mexikanischen Medien und die Augenzeugenberichte plausibel klingen. Offizielle Bestätigungen dazu gibt es allerdings nicht.

Fifa spricht von „barbarischen Ausschreitungen“ bei Fußballspiel in Mexiko

Der Fußball-Weltverband Fifa sprach in einer Mitteilung von „barbarischen Ausschreitungen“ und forderte die lokalen Behörden auf, die Verantwortlichen rasch zur Rechenschaft zu ziehen. Festnahmen gab es laut SZ bisher allerdings nicht. Weiter hieß es in dem Statement der Fifa, die Gewalt sei inakzeptabel und untragbar.

Der Chef der mexikanischen Liga, Mikel Arriola, kündigte an, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen: „Diejenigen, die die Verantwortung für die fehlende Sicherheit im Stadion tragen, werden dafür bestraft. Die Sicherheit unserer Spieler und Fans hat höchste Priorität“, wurde er von der Bild-Zeitung zitiert.

Auch ein Ausschluss des FC Querétaro steht offenbar zur Debatte. An erster Stelle sollte nun die korrekte Aufarbeitung der Geschehnisse stehen, denn es bleiben viele Fragen. Die offiziellen Berichte der Behörden und die der zahlreichen Augenzeugen decken sich nämlich nicht in allen Punkten.

Pikanter Aspekt der Geschichte: 2026 soll Mexiko gemeinsam mit den USA und Kanada die Fußball-Weltmeisterschaft austragen. Nach der schweren Gewaltorgie fordern nun zahlreiche Nutzer:innen in den sozialen Medien, Mexiko die Austragung zu entziehen. (msb)

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