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Dzsenifer Marozsan schießt den Elfmeter zum 0:2.

Frauenfußball-EM

Aus elf Metern geht's

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Ohne jeden Glanz erfüllt die deutsche Frauen-Nationalmannschaft beim 2:0 gegen Russland die Pflicht und trifft nun im Viertelfinale auf Dänemark.

Irgendwie wollte die Anspannung lange nicht abfallen: Steffi Jones beobachtete mit strengem Blick und verschränkten Armen das dritte Gruppenspiel dieser Frauenfußball-EM, ehe die Bundestrainerin irgendwann jene gelöste Miene und lockere Haltung an den Tag legte, die viel besser zu ihrer passt. Unter dem Strich hat vor allem das Ergebnis bei der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gestimmt: Mit dem 2:0 (1:0) gegen Russland beseitigte der achtfache Europameister zwar die letzten Zweifel am Viertelfinaleinzug, nicht aber die drängenden Frage nach seiner Titeltauglichkeit.

Bei regnerischem Wetter in Utrecht genügten zwei Elfmetertore von Babett Peter (10.) und Dzsenifer Marozsan (56.), um vor nur 6458 Zuschauern im Stadion Galgenwaard die Weichen fürs Weiterkommen zu stellen. Allerdings sucht das Jones-Ensemble mit ständig wechselndem Personal nach der richtigen Abstimmung – und einen besseren Abschluss. Allenfalls die Pflicht ist bei dieser EM erfüllt und das erste K.o.-Spiel am Samstag als Gruppenerster erreicht, weil die ebenfalls fürs Viertelfinale qualifizierten Schwedinnen sich parallel gegen Italien eine 2:3-Niederlage leisteten.

Das deutsche Team trifft in seinem Viertelfinale nun auf Dänemark. Gegen den Zweiten der Gruppe A tritt Deutschland dann in Rotterdam an, allerdings im knapp 11 000 Zuschauer fassenden Sparta-Stadion. Den Gegner haben am Montagabend noch Assistenztrainer Markus Högner und die als Scout eingebundene Kim Kulig beobachtet, und ihre Erkenntnisse sind: Die Skandinavier haben wieder eine Menge Entwicklungspotenzial, gerade der dänische Angriff mit der eingebürgerten Nadia Nadim – einst geflüchtet aus Afghanistan – und der für den VfL Wolfsburg spielenden Pernille Harder harmoniert prächtig.

Sara Doorsoun feiert EM-Debüt

Jones hatte sich gestern abermals als Liebhaberin der Rotation gezeigt. Überraschend durfte Sara Doorsoun ihr EM-Debüt geben. Die 25-Jährige war es, die an der frühen Führung beteiligt war: Ihren Fernschuss konnte die russische Torhüterin Tatiana Scherbak nicht festhalten, nach der nächsten Flanke verging sich Daria Makarenko ziemlich töricht am Trikot von Mandy Islacker und die polnische Schiedsrichterin Monika Mularczyk verhängte einen Strafstoß. Wie gegen Italien griff sich Abwehrchefin Peter den Ball und verwandelte.

Doch erneut hatte das 1:0 keine erlösende Wirkung. Zwar war die DFB-Auswahl gegen den international nur zweitklassigen Gegner drückend überlegen, erspielte sich aber zu wenige Chancen. Vor allem Kapitänin Dzsenifer Marozsan leistete sich etliche unverständliche Fehler. Mit den besten Eindruck hinterließ ausgerechnet Lena Goeßling, das zweite unerwartete Gesicht in der ersten Elf. Die 31-Jährige war wegen eines Knochenödems im Fuß zuletzt in einem Pflichtspiel am 2. November vergangenen Jahres für den VfL Wolfsburg im Einsatz.

„Bei Lena sieht es sehr, sehr gut aus. Sie hat die Zeit im Training sehr gut genutzt“, befand die Bundestrainerin. Offenbar wusste die Defensivallrounderin in den nicht-öffentlichen Einheiten derart zu überzeugen, dass sie sich den Kaltstart verdiente. Als Innenverteidigerin bot Goeßling eine abgeklärte Leistung und gab etwa eine Vorlage, nach der Sara Däbritz eigentlich das 2:0 hätte erzielen müssen (40.). Pech kam hinzu, dass Peter noch an die Latte köpfte (30.) und ein Treffer von Anja Mittag wegen Abseits nicht zählte – eine Fehlentscheidung (44.).

In der zweiten Halbzeit ersetzte Hasret Kayikci die glücklose Islacker im deutschen Sturm. Doch wieder brauchte es eine Elfmeterentscheidung, um das vierte deutsche EM-Tor zu erzielen: Diesmal wurde die verbesserte Däbritz zu Boden gezogen, woraufhin sich diesmal Marozsan die Kugel schnappte, um ein persönlich wichtiges Erfolgserlebnis zu verbuchen. In der Folgezeit schwand beim Widersacher Kraft und Konzentration, doch Doorsoun traf nur die Latte (59.), Mittag zielte freistehend vorbei (61.). Bemerkenswert dann noch, dass sogar Tabea Kemme eingewechselt wurde – damit sind alle Feldspielerinnen in der Vorrunde zum Einsatz gekommen. Es blieb bei einem Sieg, auf den sich das deutsche Team inklusive Trainerin nicht allzu viel einbilden sollten.

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