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Sinnbild der Trostlosigkeit: Timo Werner. Foto: afp
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Sinnbild der Trostlosigkeit: Timo Werner.

Bruchlandung der Nationalelf

Merkwürdige Osterruhe

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Die Blamage gegen Nordmazedonien schürt noch mehr Zweifel am Weg der Nationalmannschaft unter Bundestrainer Joachim Löw.

Es ist kein Aprilscherz, dass sich Joachim Löw an einem der spannendsten Spieltage dieser Bundesliga-Saison seine ganz persönliche Osterruhe gönnt. Der Bundestrainer wird weder in Leipzig beim Topspiel RB gegen den FC Bayern, noch in Dortmund beim Verfolgerduell BVB gegen Eintracht Frankfurt oder in Berlin beim Stadtduell Union gegen Hertha sein. Dafür sei er „nicht eingeteilt“. Seine Planungen sehen Präsenz erst nach den Feiertagen vor: Bayern gegen Paris St. Germain, Champions-League-Viertelfinale. Anwesenheit in der Münchner Arena am nächsten Mittwoch ist Pflicht, denn Löw kann schauen, ob Thomas Müller auch ohne Robert Lewandowski gegen ein französisches Topteam funktioniert.

Eine bessere Blaupause könnte es nicht geben: Dass Deutschland zum EM-Auftakt gegen Weltmeister Frankreich – am 15. Juni in München – wieder mit dem Rückkehrer Müller antritt, ist für Fans wie Experten eigentlich schon beschlossen. Löw will weiterhin erst im Mai entscheiden. Der 61-Jährige ahnt vielleicht, dass auch ein Allesmacher wie Müller kein Allheilmittel für schludrige Chancenverwertung sein wird. Genau wie Mats Hummels nicht das schlampige Verteidigen auf Knopfdruck abstellt.

Joachim Löw könnte mit seinem Glauben bald alleine dastehen

Die DFB-Elf steckt augenscheinlich in einer tieferen Talsohle, als dass zwei reaktivierte Weltmeister alles wieder richten können. Es kann herrlich darüber gestritten werden, ob eine 0:6-Abreibung in der Nations League gegen ein so talentiertes Team wie Spanien schlimmer ist als eine 1:2-Blamage in der WM-Qualifikation gegen Nordmazedonien. Beides sind Tiefpunkte von historischer Dimension.

Der vierfache Weltmeister Deutschland würde nach aktuellem Tabellenstand einen ganz eigenen Boykott der umstrittenen WM in Katar verfolgen. „Auf keinen Fall dürfen wir jetzt völlig den Glauben verlieren an die Stärke, die die Mannschaft hat. Auf keinen Fall dürfen wir auch das Gefühl verlieren, dass wir in der Lage sind, ein sehr gutes Turnier zu spielen“, sagte Löw flehentlich. Spötter entgegnen, dass der Südbadener diesen Glauben exklusiv hat. Die Aufbruchsstimmung nach den ersten zwei Pflichtsiegen gegen Island (3:0) und Rumänien (1:0) hat sich verflüchtigt.

Seinen in Kopf und Beinen trägen Spielern empfahl der Trainer, sich nicht „irgendwelche Alibis zu suchen“, sondern sich Gedanken zu machen, „was können wir verbessern?“ Das gleiche gilt aber auch für ihn, der seinem 33. und letztem WM-Qualifikationsspiel mit der Nationalmannschaft die erst dritte Niederlage quittierte: Ansonsten hatten nur Franz Beckenbauer (1985, 0:1 gegen Portugal) und Rudi Völler (2001, 1:5 gegen England) solche Bruchlandungen dirigiert.

Noch immer wäre Ralf Rangnick bereit

Zitterspiele um die WM-Zulassung kann der krisengeschüttelte Deutsche Fußball-Bund (DFB) am allerwenigsten gebrauchen. Ungeachtet aller Machtkämpfe sollte die Führungsspitze dringend besprechen, ob es ab Sommer nicht mehr braucht als nur einen neuen Bundestrainer. Ist der im Kern zur WM 2006 zusammengestellte Stab wirklich auf der Höhe der Zeit?

Noch immer wäre Ralf Rangnick sofort bereit, gleich auch das Umfeld zu reformieren. An seiner Eignung als Fußballlehrer kann es keine Zweifel geben, weil sich fast ein halbes Dutzend erfolgreicher Bundesligatrainer an ihm orientiert hat. Dass der Schwabe unbequem, aufsässig, penibel ist, darf kein Ausschlusskriterium sein. Wenn der für die Nachfolgesuche zuständige Oliver Bierhoff mit dem derzeit auf Mallorca weilenden Rangnick nur Alibi-Gespräche führt, um danach mitzuteilen, dass man auf keinen gemeinsamen Nenner kommt, kann man es auch gleich bleiben lassen.

Timo Werner wird zum Gespött

Offenkundige Defizite liegen in Löws Verantwortungsbereich. Eine winzige taktische Änderung mit dem aus der Viererkette vorgeschobenen Robin Gosens genügte, um das gesamte Gebilde zu destabilisieren. Selbst der bei Manchester City seit Wochen in Weltklasseform auftrumpfende Ilkay Gündogan ist im DFB-Dress ständig von der Verzwergung bedroht. Und bei den jungen Anführern Joshua Kimmich und Leon Goretzka war der Kräfteverschleiß unübersehbar. Die fehlende Frische hatte der Trainer verschuldet: Neun der zehn Feldspieler standen in drei Partien binnen sieben Tagen in der Startelf.

Wo Löw in der Nations League zu umfassend rotierte, wechselte er in der WM-Qualifikation zu wenig. Unglücklich wirkte beispielsweise der Umgang mit Timo Werner. Aus dessen Umfeld gab es Unverständnis über die wenige Einsatzzeit bis zum dritten WM-Qualifikationsspiel, wo der eingewechselte Angreifer vom FC Chelsea prompt eine fast schon historische Chance verstolperte. Die nordmazedonischen Medien ernannten Werner am Tag danach zum „Ehrenbürger“ - das sollte nicht mal ein Aprilscherz sein.

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