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Du kommst nicht vorbei: Virgil van Dijk (li.) drängt Harry Kane ab.

Virgil van Dijk

Die menschliche Mauer

Am holländischen Verteidiger Virgil van Dijk kommt fast niemand vorbei – doch im Finale der Nations League wartet Cristiano Ronaldo.

Virgil van Dijk wusste, dass die Frage kommt. Der niederländische Weltklasseverteidiger wehrte sie so souverän ab, wie die Angreifer gegnerischer Mannschaften. „Wir spielen nicht nur gegen Cristiano Ronaldo“, sagte der 27-Jährige vor dem Finale der Nations League am Sonntag (20.45 Uhr/ZDF) gegen Portugal. Für van Dijk sollte das Thema mit der knappen Antwort erledigt sein.

Aber natürlich weiß er auch, dass im Endspiel um die 71 Zentimeter große Silbertrophäe des neuen Fußballwettbewerbs alle ganz genau hinschauen werden: auf ihn und Ronaldo – und ob der Superstar der Portugiesen der Erste in dieser für van Dijk herausragenden Spielzeit sein wird, der an ihm vorbeikommt. Offiziell jedenfalls.

Denn es gibt in Bezug auf den Champions-League-Sieger vom FC Liverpool eine Statistik, die kaum zu glauben ist: Laut dem Datenerfasser Opta ist es wettbewerbsübergreifend in den vergangenen 64 Spielen vor dem Final Four der Nations League keinem gelungen, per Dribbling an van Dijk vorbeizukommen. Serge Gnabrys Haken, mit dem der deutsche Nationalspieler den Niederländer beim 3:2-Sieg in der EM-Qualifikation im März in Amsterdam umspielte, um zum zwischenzeitlichen 2:0 für den DFB zu treffen, schaffte es rätselhafterweise nicht in die Statistik.

Beim 3:1-Sieg nach Verlängerung gegen England im Halbfinale der Nations League schaffte es allerdings zweifellos niemand an Van Dijk vorbei. Der 27 Jahre alte Abwehrriese gilt mittlerweile als weltbester Abwehrspieler und in diesem Jahr erstmals als Kandidat auf den „Ballon d’Or“ gehandelt wird – die Wahl zum besten Fußballer der Welt, die Ronaldo schon fünfmal gewonnen hat. Und dieser präsentiert sich rechtzeitig zum großen Finale in der neu geschaffenen Nations League am Sonntag wieder in Topform. Der 34-Jährige schoss die Schweiz beim 3:1 im Halbfinale mit drei Toren fast im Alleingang ab. „Wir wissen, dass es manchmal schwierig ist, gegen Cristiano zu verteidigen“, befand Koeman, „aber wir wollen Spiel und Ball kontrollieren, dann kann er mit seiner Offensivstärke nicht viel ausrichten.“

Englands Abwehrkomödie

Koeman selbst war beim letzten Titelgewinn der Elftal noch als Spieler dabei. 1988 triumphierte Oranje bei der EM in Deutschland. Seitdem gab es viele Auf und Abs, der ganz große Triumph blieb aus. Bei den letzten beiden großen Turnieren – der EM in Frankreich und der WM in Russland – verpasste die Elftal die Qualifikation.

Nun aber sieht Koeman sein Team wieder bereit für große Taten. Immerhin geht es um eine Prämie von zehn Millionen Euro und einen 71 Zentimeter großen Silberpokal. Im Halbfinale gegen England konnten sich die Holländer auch wieder auf ihre gefeierten Jungstars verlassen. Matthijs de Ligt traf zum 1:1, ehe England in der Verlängerung durch böse Patzer von John Stones und Ross Barkley einbrach.

England zog sich nach den haarsträubenden Fehlern in der Verlängerung den Spott in der Heimat zu. Als „Architekten des eigenen Untergangs“ bezeichnete der Daily Mirror die Auswahl von Nationaltrainer Gareth Southgate. „Es wird nicht einfacher, England zuzuschauen“, hieß es im Mirror weiter. „Diesmal haben sie es auf lächerlichste Weise weggeworfen, mit einer Komödie von Abwehrfehlern, die Englands Naivität auf Toplevel unterstreichen.“ (dpa/sid)

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