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Schimpft auf die vermummten Chaoten ein: der Berliner Torhüter Rafal Gikiewicz (rechts).

Union Berlin

„Meine Frau sagte mir: Du bist ein Idiot!“

Beim Einsatz gegen vermummte Chaoten folgt Union-Torhüter Rafal Gikiewicz seinem Impuls – und kriegt dafür nicht nur Lob.

Dem Hass der Ultras widersetzte sich Rafal Gikiewicz mit beispielhaften Mut, dem Ärger der eigenen Frau hatte der Derbyheld von Union Berlin dagegen nur wenig zu entgegen. „Sie sagte mir zu Hause: ‚Du bist ein Idiot! Was machst du? Du hättest verletzt werden können‘", sagte Gikiewicz am Dienstag. Drei Tage zuvor war der Pole im Skandalderby gegen Hertha BSC (1:0) zu spätem Ruhm gekommen, obwohl der Torwart gegen den Stadtrivalen sportlich kaum gefordert worden war.

In einem Kauderwelsch aus Deutsch, Polnisch und Englisch schimpfte Gikiewicz auf vermummte Chaoten ein, die nach Abpfiff den Rasen gestürmt hatten. Seine Botschaft brachte er dennoch überdeutlich zum Ausdruck. „Raus!“, schleuderte er den Randalierern aus dem Union-Block zu: „Ich sagte ihnen, dass sie gehen sollen, weil der Verein sonst noch mehr Probleme bekommt.“ Einer der Chaoten wurde sogar handgreiflich, fasste dem Torhüter „ein bisschen an den Hals“. Auch das war für Gikiewicz kein Problem. „Er war ja nur 1,50 Meter groß...“.

Gikiewicz misst 1,90 Meter und war an einem chaotischen Abend nicht nur deshalb einer der Größten bei den Köpenickern. Sein Verhalten, das eine Vielzahl der Union-Fans mit „Gikiewicz“-Sprechchören würdigte und ihm landesweit große Anerkennung einbrachte, beschrieb er als Impuls und natürliche Reaktion: „Ich denke nicht darüber nach, was passieren kann.“

Kein Verständnis hatte Gikiewicz für Teile der Hertha-Ultras, die Leuchtgeschosse auf den Platz und die Tribünen abfeuerten. „Das ist nicht normal“, sagte er. Seine Familie habe das Spiel nach zehn Minuten aufgrund der Randale im VIP-Bereich verfolgt. Als Gikiewicz in der zweiten Halbzeit im Tor vor den Hertha-Chaoten spielte, habe er „auch ein bisschen Angst“ bekommen: „Vielleicht schießen sie mir in den Rücken.“

EM ist das Ziel des Polen

Gikiewicz blieb zum Glück unverletzt – und zum zweiten Mal in der Bundesliga auch ohne Gegentor. Achtmal zu Null will er bis zum Saisonende mindestens gespielt haben. „Ich schaffe das, ohne Frage“, sagte Gikiewicz, der damit einen entscheidenden Beitrag zum großen Ziel Klassenerhalt für die Berliner Aufsteiger beitragen will.

Das würde den 32-Jährigen wohl auch seinem großen Traum näherbringen: die Teilnahme an der EM-Endrunde 2020 für Polen. „Es ist mein Ziel“, sagte Gikiewicz. Für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele in Israel (16. November) und drei Tage später gegen Slowenien wurde er von Nationaltrainer Jerzy Brzeczek aber nicht berücksichtigt. „Was kann ich machen? Ich muss das akzeptieren und weitermachen“, sagte Gikiewicz.

Dennoch stehen für den Union-Rückhalt wichtige Tage an. In der Bundesligapause ist ein Gespräch mit Geschäftsführer Oliver Ruhnert geplant. Es geht um die Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrags. Argumente hat Rafal Gikiewicz im Derby gegen Hertha gesammelt – und vor allem danach. (sid)

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