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Jörg Schmadtke wird wohl Geschäftsführer Sport beim VfL Wolfsburg.

VfL Wolfsburg

Mehr als Spurenelemente

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VfL Wolfsburg besinnt sich wieder auf die Grundtugenden und holt zur neuen Saison wohl Jörg Schmadtke als Geschäftsführer Sport.

Am Sonntag hätte es für Bruno Labbadia zwei denkbare Besuchsziele gegeben. Zum einen hätte sich der Trainer des VfL Wolfsburg in den Dienstwagen setzen und die 275 Kilometer über die A7 nach Kiel fahren können, um im Holstein-Stadion ein letztes Mal den Gegner in der Relegation zu begutachten. Oder der 52-Jährige wäre einfach am Nachmittag auf dem VfL-Vereinsgelände in das deutlich kleinere Zweitstadion gegangen, um die Wolfsburger Frauen bei ihrem finalen Schritt Richtung Deutsche Meisterschaft zu beobachten. 

Weder das eine noch das andere hielt der 52-Jährige für passend. Die Spionagetour im hohen Norden erledigte sein Assistent Eddy Sözer, die Gratulation für den „fantastischen Job der Damen“, richtete er lieber schon vorher aus; ganz ohne seine Anteilnahme mit Anwesenheit zu bezeugen. Labbadia wollte am Wochenende lieber bei seiner Mannschaft bleiben. Vor allem gedanklich. Jetzt, wo spät, aber vielleicht doch nicht zu spät in einer merkwürdigen Gemengelage zwischen Trainer und Spielern, Fans und Verein wieder etwas zusammenwächst. 

Jörg Schmadtke soll kommen

Dazu passt, dass sich am Muttertag die Indizien verdichteten, dass die VW-Fußballtochter bald nicht mehr führungslos ist. Jörg Schmadtke soll zur neuen Saison den vakanten Posten als Geschäftsführer Sport übernehmen. Vollzug mit dem 54-Jährigen, nach der Trennung vom 1. FC Köln ohne Anstellung, könne wohl bald vermeldet werden. Labbadia wusste davon nach dem Vormittagstraining jedoch noch nichts, sagte aber: „Klar ist, dass ein Verein in der Position einen guten Mann braucht.“ 

Am Tag zuvor hatte der Trainer mit dem 4:1 (1:1)-Pflichtsieg gegen einen weitgehend körperlos agierenden 1. FC Köln das Worse-Case-Szenario des Direktabstiegs abgewendet. „Wir haben getan, was wir tun mussten: unser Spiel zu gewinnen.“ 

Weder Kapitän Maximilian Arnold („es ist ganz komisch mit den Gefühlen“) noch Torwart Koen Casteels („wir können uns nicht feiern lassen“) wollten zwar irgendwelche Komplimente annehmen, aber es besteht wieder mehr Zuversicht, nach dem nervenaufreibenden Duell gegen Nachbar Eintracht Braunschweig nun auch gegen Emporkömmling Holstein Kiel die Versäumnisse einer beinahe saisonübergreifenden Fehlplanung auszubaden.

Stadion nicht ausverkauft

Zumal, wenn es einen Unterschiedsspieler wie Josip Brekalo gibt, der vor den Augen des im Trainerstab der kroatischen Nationalmannschaft untergekommenen Ex-VfL-Lieblings Ivica Olic seine beste Saisonleistung bot und die ersten drei Treffer durch Joshua Guilavogui (1.), Divock Origi (54.) und Robin Knoche (71.) einleitete, ehe das 19-jährige Talent – in der Hinrunde noch an den VfB Stuttgart verliehen – selbst den Endstand besorgte (90.+1). Die Grundtugenden scheinen zurück. Es sind wieder mehr als nur Spurenelemente erkennbar, dass die „Wölfe“ über erstligareife Anlagen verfügen. 

Dass der VfL-Vorsänger Chris Heise vor Anpfiff das Stadionmikrofon überreicht bekam, um in der nicht ausverkauften Arena einen flammenden Appell herauszuschreien, schien für so etwas wie eine Verständigung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner gesorgt zu haben. Motto: Wir verzichten auf die zuletzt obligatorischen Schmähungen, dafür reißt ihr gut bezahlten Protagonisten euch endlich am Riemen.

„Das muss der Grundstein sein: Wir brauchen dieselben Emotionen, dasselbe Feuer“, glaubt Eigengewächs Knoche, der das Nervenspiel Relegation in seiner Heimatstadt Braunschweig nicht vergessen hat. „Wir wissen, was auf uns zukommt.“ Doch gilt das wirklich für alle? Mittelstürmer Origi gab nämlich zu Protokoll, dass ihm Holstein Kiel mal gar nichts sage. Der vom FC Liverpool ausgeliehene Belgier schien mit dem Gegner so viel anfangen zu können wie ein Erstklässler mit einer Abiturprüfung. 

Aber bitte, wofür hat in der Autostadt ein Fußballlehrer angeheuert, dessen Retterstern vor drei Jahren über dem Karlsruher Wildparkstadion hell leuchtete. „Die Erfahrung ist unbezahlbar“, sagte Labbadia bereits am Samstag und sah dabei durchaus selbstbewusst aus. 

Da sprach ein Mann, der genau zu wissen glaubt, was am Donnerstagabend im Relegationshinspiel am Mittellandkanal und dann im Rückspiel am Pfingstmontag an der Förde zu tun ist, um am Ende mit allen Mann mit dem Kinn über dem Strich zu bleiben.

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