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Löws Fußballgehirn: Chefscout Urs Siegenthaler fahndet nach Spielern, die "überragend gut geschult" sind.

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Mehr Mut zum Spaß

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Deutsche Klubmannschaften und U-Teams spielen international nicht mehr ganz vorn mit. Woran könnte es liegen?

Der Bund Deutscher Fußballlehrer hat zur Jahreswende warnend den Zeigefinger erhoben. Die Dachorganisation der Trainer erklärt das frühe Aus vieler Bundesligisten und U-Teams des DFB auf dem spiegelglatten europäischen und internationalen Parkett mit mangelnder „Flexibilität und der Risikobereitschaft“ im Eins-gegen-Eins-Spiel. Das sind jene Situationen, in denen sich ein Spieler entscheiden muss, ob er einen Pass spielt oder ins Dribbling geht. Die Diagnose der Fachleute: Hierzulande wird tendenziell lieber solide abgespielt als wild gedribbelt – dies gehe zu Lasten von Überraschungseffekten, die Gegner ließen sich so schwieriger überrumpeln.

Ganz neu ist diese Erkenntnis nicht. Bundestrainer Joachim Löw, sekundiert von Chefscout Urs Siegenthaler, hat sie bereits einige Male erläutert. Möglicherweise wurde in der Ausbildung von jungen Trainern und Spielern zu viel Wert auf Taktikschulung und Kombinationsspiel gelegt und zu wenig auf die Förderung individueller Stärken. Womöglich, so die These, würden individuelle Fähigkeiten sogar unterdrückt.

Dass sich Leute vom Fach derartige Gedanken angesichts offenkundiger Ergebniskrisen machen, ist allemal löblich, künftig sollen diese Gedanken unter dem Dach der DFB-Akademie gebündelt und wissenschaftlich besser fundiert werden. Löws Fußballgehirn Siegenthaler hat es Silvester in einem Interview der „Berliner Morgenpost“ so beschrieben: „Wir brauchen in der Vororientierung überragend gut geschulte Spieler, dann ist eine nächste Entwicklungsstufe im Fußball möglich.“

Siegenthaler fahndet nach einem „Spielertyp, der Angriffe zu Ende bringt, obwohl er vornehmlich kein Angreifer ist“. Dass Leon Goretzka zu den am heißesten umworbenen deutschen Fußballprofis gehört, kann vor diesem Hintergrund nicht verwundern. Der hellwache Bursche verbindet taktische Disziplin nach hinten, Mut zur Aktion mit Ball am Fuß nach vorn sowie Pass- und Abschlussqualitäten wie kein anderer deutscher Spieler.

Wer ab und zu bei einem Training spanischer Jugendteams vorbeischaut und diese Eindrücke mit denen von deutschen Übungsplätze abgleicht, braucht kein Fußballdiplom, um zu erkennen: Dort geht es freudvoller und phantasievoller zu als hier. Dort wird Fußball noch mehr als Spiel begriffen und weniger als heiliger Ernst. Wir Deutschen brauchen ja nicht nur im Fachbereich Fußball mehr Mut zum Spaß.

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