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Mehlem gehabt

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Von: Jakob Böllhoff

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Mann des Abends: Marvin Mehlen (Mitte).
Mann des Abends: Marvin Mehlen (Mitte). © dpa

Darmstadt 98 erringt in Überzahl einen 1:0-Sieg gegen Hannover 96 / Kempe scheitert mit Handelfmeter

Etwas Besorgniserregendes schien passiert zu sein. Torsten Lieberknecht, Trainer des SV Darmstadt 98, blickte mit verkniffener Miene aufs Spielfeld, die Arme vor dem Körper verschränkt, während Co-Trainer Ovid Hajou intensiv auf ihn einredete. Ein Gegentor? Der nächste verletzte Spieler? Hätte man nur auf die beiden Männer geschaut, man hätte Schlimmes befürchten können für die Darmstädter Fußballmannschaft in dieser 62. Minute beim Spiel gegen Hannover 96.

Dabei war Sekunden zuvor das Gegenteil von etwas Schlimmem passiert für die Lilien: Marvin Mehlem hatte das 1:0 geschossen für sie, eine wunderbare Direktabnahme nach einem abgewehrten Eckball. Das Stadion am Böllenfalltor tobte vor Freude, abzüglich aller Hannoveraner natürlich – und eben Lieberknecht und Hajou.

Kempe verschießt Elfer

Über welches Problem sie sich da auch den Kopf zerbrachen mitten im Jubeltaumel – es fiel am Ende nicht groß ins Gewicht. Mehlems Traumtor entpuppte sich als Siegtreffer für die Südhessen, die mit dem Dreier die Tabellenführung über den Spieltag hinaus sicherstellten. Vier Punkte beträgt der Vorsprung auf den Tabellenzweiten Hamburger SV, der am Sonntagmittag Jahn Regensburg empfängt.

Vor der Partie hatte Lieberknecht mal wieder über die personelle Situation bei seinem Team gesprochen, er musste das tun, weil die Situation nicht gut ist. Zahlreiche Stammspieler fehlen verletzt. Doch im Spiel hatten die Gäste aus Niedersachsen, zuletzt gut in Form und dreimal ohne Gegentor, plötzlich ein viel gravierendes Personalproblem als die Darmstädter: Ab der 30. Minute spielten sie in Unterzahl. Phil Neumann hatte einen Torschuss per Unterarm geblockt und so die mögliche Lilien-Führung verhindert. Strafstoß gab’s obendrein, doch nicht das Tor, denn Tobias Kempe scheiterte mit seinem gar nicht mal verkehrten Versuch am glänzend parierenden Ron-Robert Zieler im 96-Tor. Zur Pause blieb Kempe in der Kabine, Grund zunächst unklar, aber wohl eher nicht aus Gram, sondern aus taktischen oder gesundheitlichen Erwägungen.

Gegen die von Trainer Stefan Leitl gut geölte Hannover Abwehrmaschinerie war danach Geduld gefragt von Darmstadt. Zu zehnt machten die Gäste geringe Anstalten, ein Fußballspiel zuzulassen, machten lieber in der eigenen Hälfte die Räume eng und immer enger. Und es drohte sich schon ein frustrierender Abend zu entwickeln für die Lilien, bis Spielmacher Mehlem sich rechtzeitig mit seinem rechten Fuß einmischte.

So können die Darmstädter weiter träumen, vielleicht sogar, klammheimlich, vom Aufstieg. Nur Torsten Lieberknecht natürlich nicht. Der ist viel zu sehr damit beschäftigt, sich Sorgen zu machen. Gute Trainer sind so.

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