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Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß

Uli Hoeneß

„Mbappé würde ich sofort kaufen“

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß erklärt die Welt des großen Fußballs und seine Bereitschaft, das hart erarbeitete Geld im Spielermarkt zu investieren.

Herr Hoeneß, warum kann kein Verein dem FC Bayern dauerhaft Paroli bieten? Selbst Borussia Dortmund gelingt das, wie die sechs Jahre vor dieser spannenden Saison gezeigt haben, allenfalls temporär.
Aber jetzt sind sie ein sehr ernstzunehmender Gegner geworden. Das liegt auch daran, dass sie mit Hans-Joachim Watzke und Reinhard Rauball in der Führung eine große Kontinuität besitzen, wie wir sie beim FC Bayern immer hatten. Ich bin jetzt 40 Jahre da. Dann kamen Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge.

Ist Kontinuität also das Erfolgsgeheimnis des FC Bayern?
Die schlechtesten Jahre beim FC Bayern waren immer die, wenn wir auf der Trainerposition recht große Fluktuation hatten. Ich denke, dass heute viele Vereine nach München schauen, was der Marktführer macht, und dann versuchen, das Beste abzukupfern.

Beckenbauer, Hoeneß, Rummenigge: Warum ist es Ihnen so wichtig, Spieler mit einer FC-Bayern-Vita an den entscheidenden Schaltstellen des Vereins zu installieren?
Es ist hilfreich, wenn du in wichtigen Positionen Leute einbauen kannst, die Stallgeruch haben, die als Spieler die DNA des FC Bayern aufgesaugt haben. Das ist keine unabdingbare Voraussetzung, aber es ist hilfreich. Klar ist aber: Irgendwann müssen Karl-Heinz und ich hier die Plätze freimachen. Auch ich hatte mit 27, als ich angefangen habe, keine Ahnung, wie es geht. Aber ich habe es gelernt. Das war learning by doing. Die Chance gibt es auch jetzt für junge Ex-Spieler. Hasan Salihamidzic etwa macht einen sehr guten Job als Sportdirektor.

Wenn über die nächste Führungsgeneration beim FC Bayern gesprochen wird, fällt der Name Oliver Kahn.
Wir sind in sehr konkreten Gesprächen mit Oliver. Wir sind aber nicht unter Zeitdruck, weil Karl-Heinz seinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender bis Ende 2021 verlängert hat.

Was qualifiziert Kahn?
Mir gefällt Olivers Entwicklung nach der Spielerkarriere. Er hat sich als Experte im Fernsehen fantastisch entwickelt, ein Fernstudium in Betriebswirtschaft gemacht und eine Firma gegründet. Wir haben hier jemanden, der den Fußball als Torwart auf allerhöchstem Niveau erlebt hat und zugleich in der Lage ist, im wirtschaftlichen Bereich seinen Mann zu stehen. Das reizt uns so.

Es war von einer Art Probejahr für beide Seiten die Rede. Wann beginnt dies?
Es ist derzeit vorgesehen, dass es am 1. Januar 2020 losgeht.

Sie haben 80 Millionen Euro für den französischen Weltmeister Lucas Hernández von Atlético Madrid ausgegeben. Die 100-Millionen-Marke ist ganz nah. Fällt sie noch in diesem Sommer?
Dieses Jahr sicherlich nicht. Und ich muss zugeben, auch 80 Millionen hätte ich mir vor zehn Jahren nicht vorstellen können. Aber man muss berücksichtigen, dass wir in diesem Zeitraum auch unseren Umsatz verdoppelt haben. Die Gehälter sind gestiegen, ebenso die Transfersummen. Dass sie diese Dimensionen erreicht haben, hat damit zu tun, dass ausländische Investoren, Oligarchen, amerikanische Hedgefonds und sogar ganze Staaten wie Abu Dhabi und Katar ins Fußballgeschäft eingestiegen sind.

Über die Rekordausgabe des FC Bayern für Hernández ist kontrovers diskutiert worden. Wie haben Sie das aufgenommen?
Ich habe mich gewundert, dass unsere 80 Millionen so kritisch gesehen wurden. Vor kurzem hieß es noch, mit seiner vorsichtigen Transferpolitik habe der FC Bayern keine Chance mehr, in die Phalanx der englischen und spanischen Topklubs sowie von Paris Saint-Germain einzudringen. Jetzt liefern wir, und die Leute schreien: Wie kann man für einen Spieler 80 Millionen ausgeben? Was hätten die Leute erst geschrien, wenn wir Kylian Mbappé gekauft hätten.

Würden Sie den gern zum FC Bayern holen? Paris hat schon vor knapp zwei Jahren 180 Millionen Euro für Mbappé bezahlt.
Mbappé würde ich sofort kaufen. Der Spieler ist toll. Aber für den fehlt uns das notwendige Geld.

Niko Kovac ist nach dem Triple-Coach Jupp Heynckes und anderen berühmten Trainern wie Pep Guardiola in große Fußstapfen getreten. Er hat kein einfaches erstes Jahr als Bayerntrainer zu bestehen. Was muss er leisten, damit Sie ihm auch die Zukunft anvertrauen?
Was heißt, was muss er leisten? Mir hat gefallen, wie er die Mannschaft aus dem schwierigen Tal im November herausgeführt hat. Die Mannschaft ist im Umbruch. Wir haben Niko Kovac auch aufgebürdet, mit Arjen Robben und Franck Ribéry den Übergang zu schaffen. Da ist klar, dass man auch mal Geduld haben muss.

In dieser Saison gab es viel Kritik. Sie hätten den Umbruch der Mannschaft verpasst und auch keinen Plan für den Wechsel an der Spitze des Vereins. Kovac galt als Trainer-Notlösung. Wie sehr hat Sie das angestachelt?
Mir hat es furchtbar gestunken, weil es sehr unsachliche Kritik gab. Einen Übergang könnte man so abwickeln, dass man Leute, denen man dankbar sein muss und die viel geleistet haben, vor den Kopf stößt. Das ist aber nicht meine Welt. Ich habe immer dafür gekämpft, dass wir Persönlichkeiten wie Arjen und Franck, auch einem Rafinha, einen vernünftigen Abgang verschaffen. Und zwar in einem Jahr des Übergangs, ohne einen totalen sportlichen Einbruch zu erleben.

Sie haben den Zeitpunkt für den Umbruch also nicht verpasst?
Ich habe mich letztens sehr gewundert. Beim tollen 3:2 im Länderspiel in den Niederlanden standen fünf Bayernspieler in der Startelf, darunter nur der ältere Manuel Neuer sowie vier Junge: Joshua Kimmich, Niklas Süle, Leon Goretzka und Serge Gnabry, alle Jahrgang 1995. Kein anderer Verein stellte mehr als einen Spieler. Der Verein, der am meisten kritisiert wurde, dass er den Übergang nicht geschafft haben soll, erfreut beim Neuaufbau der Nationalmannschaft am meisten.

Der Verjüngungsprozess muss dennoch weitergehen, oder?
Benjamin Pavard und Lucas Hernández sind weitere junge Spieler, die wir verpflichtet haben. Dazu ist Corentin Tolisso praktisch ein Neuzugang, der fast die ganze Saison verletzt war. Und der eine oder andere wird vielleicht noch dazukommen.

Pavard und Hernández sind Weltmeister – und Franzosen. Es war immer ein Bestreben des FC Bayern, auch den Großteil der deutschen Nationalmannschaft zu stellen. Bleibt es bei diesem Anspruch?
Die Nationalmannschaft hat immer dann ihre erfolgreichsten Phasen, wenn der FC Bayern genügend Spieler liefert. Ich denke an die WM-Titel 1974 und 2014, auch 1990 hatte der Kern eine prägende Vergangenheit bei uns. Wir sind gerade dabei, wieder zu liefern. Beim DFB in Frankfurt sollten sie einige Kerzen aufstellen, dass der FC Bayern für neue Erfolge genug Spieler parat hat.

Ist das größte Investitionsprogramm in der Vereinsgeschichte eine Reaktion auf die Befürchtung, international abgehängt zu werden. Oder wollen Sie vor allem die nationale Dominanz wiederherstellen?
Weder noch. Wir sind der Meinung, es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem der FC Bayern sein hart erarbeitetes Geld in den Markt gibt, um wieder eine neue, junge Mannschaft auf den Platz zu führen.

Es kursieren immer wieder die Pläne einer Superleague. Auch eine Reform der Champions League wird diskutiert, etwa mit Spielen auch am Wochenende. Was halten Sie davon?
Vorstand und Aufsichtsrat des FC Bayern haben festgelegt, dass wir die Bundesliga als wichtigstes Element in unserer Vereinspolitik sehen. Der Superleague haben wir eine Absage erteilt. Einer Klub-WM alle zwei oder vier Jahre stehen wir dagegen positiv gegenüber. Die Kritiker vergessen, dass wir nicht eine zusätzliche Belastung für die Spieler erwägen, sondern einen Wettbewerb anstelle des Confed-Cups. Für diesen sportlich unwichtigen Wettbewerb mussten wir unsere Nationalspieler abstellen und haben nichts dafür gekriegt. Da finden wir eine Klub-WM besser, bei der wir richtig Geld verdienen. Als Kaufmann muss man dafür Verständnis haben.

Was halten Sie von Champions-League-Spielen am Wochenende?
Um ehrlich zu sein, wäre es mir am liebsten, wenn das Wochenende der Bundesliga vorbehalten bliebe.

Zur Person:

Am 1. Mai feiert Uli Hoeneß sein 40-jähriges Amtsjubiläum. Seit Ende 2016 ist er zum zweiten Mal Präsident des deutschen Rekordmeisters, nachdem er im März 2014 nach der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung von seinen Ämtern zurückgetreten war.

Der Aufstieg des FC Bayern zur Nummer eins in Deutschland und einem Global Player im internationalen Fußball ist maßgeblich mit dem Wirken des ehemaligen Stürmers verbunden. Amtsmüde wirkt Hoeneß im Interview nicht, zumal sein Lebenswerk mal wieder mitten im Umbruch steckt. „Es ist gerade so viel Arbeit da. Wir haben so viele Themen anzupacken“, sagt der 67-Jährige, der nicht loslassen will. (dpa) 

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