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Mathys Tel - Bayerns Wette auf die Zukunft

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Von: Jan Christian Müller

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Mathys Tel.
Mathys Tel. © IMAGO/PA Images

Die Bayern verpflichten den 17-jährigen Mathys Tel. Das Profifußballbusiness ist immer auch eine Wette auf die Zukunft. Ein Kommentar.

Hasan Salihamidzic hat einen großen Fan. Er heißt Nick Salihamidzic, ist 19 Jahre alt, wurde just aus der Bayern-Jugend zum kanadischen Drittligisten Vancouver Whitecaps FC transferiert und ist mächtig stolz auf seinen Vater. Weil Hasan Salihamidzic in Medien und Sozialen Netzwerken zuvor allerhand Hohn und Spott erfahren hatte, dreht Nick den Kritikern nun eine lange Nase. Ab und zu schießt der Filius beim fleißigen Twittern auch mal übers Ziel hinaus, veräppelt den Bayern-Rivalen Borussia Dortmund und entschuldigt sich bald darauf brav für die lieber eilig wieder gelöschte Nachricht. Kann passieren in dem Alter und gibt bestimmt einen Rüffel vom Papa,

Der hat am Dienstag den Einkaufsbummel durch Europa fortgesetzt und nach Matthijs de Ligt (67 Millionen Euro), Sadio Mané (32 Millionen) und Ryan Gravenberch (17 Millionen) den bereits vierten weit zweistelligen Millionentransfer getätigt: Kolportierte bis zu 30 Millionen Euro inklusive Boni für den erst 17 Jahre alten Franzosen Mathys Tel können wenig sein, wenn der Franzose so durchstartet, wie sein künftiger Trainer das erwartet. Oder viel, wenn er so enttäuscht wie etwa der damals 18-jährige Portugiese Renato Sanchez, für den die Bayern 2016 35 Millionen berappten, Oder wie der seinerzeit 17 Jahre alte Fabio Blanco, hinter dem halb Europa hergewesen sein soll, als Eintracht Frankfurt den Spanier holte, mit allerhand Vorschusslorbeeren bedachte, wog und bald für zu leicht befand.

Das Profifußballbusiness ist immer auch eine Wette auf die Zukunft. Der neue Münchner Angreifer Tel hat gerade mal neun Einsätze, kumuliert schmale 64 Minuten, im Profiteam von Stade Rennes absolviert und in der kurzen Zeit kein Tor gemacht. Was Julian Nagelsmann nicht davon abhielt, opulente Hoffnungen zu formulieren: „Ich habe die Vision, dass er eines Tages 40 Tore schießt.“ Man weiß ja, dass der gewitzte Chefcoach die Zunge gern mal lose trägt. In diesem Fall hat er den öffentlichen Druck auf den Teenager allerdings ohne echte Not maximiert.

Was man „Brazzo“ Salihamidzic lassen muss: Er hat im Fall Robert Lewandowski cool gepokert und die Ablöse auf bis zu 50 Millionen Euro hochgehandelt, und er hat bei einem derzeitigen Transferdefizit von allerdings 70 Millionen Euro eine Verjüngung vorangetrieben. Sky-Experte Didi Hamann hat allerdings so seine Bedenken. Er findet, bei den Bayern seien „ein oder zwei Künstler zu viel“ und ebenso viele harte Arbeiter zu wenig dabei.

Wahrscheinlich dürfte Nick Salihamidzic auch dem ausgewiesenen Fachmann Hamann alsbald den nächsten Coup des Vaters präsentieren können: Konrad Laimer von RB Leipzig wäre genau dieser Schaffer, den Hamann noch im Kader vermisst. Kostenpunkt: nicht viel unter 30 Millionen. Am Ende könnten die ohne große Kratzer durch die Pandemie navigierten Bayern 100 Millionen Euro mehr ausgegeben als sie eingenommen haben. Klingt verdächtig nach einem Angriff auf Europas Fußballkrone.

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