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Mata freut sich über Hummels

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Von: Jan Christian Müller

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Intelligent und elegant am Ball: Mats Hummels (rechts). Amin Younes schaut staunend zu.
Intelligent und elegant am Ball: Mats Hummels (rechts). Amin Younes schaut staunend zu. © rtr

Mats Hummels soll weitere Fußballprofis inspirieren, ein Prozent ihres Bruttogehalts zu spenden. Der deutsche Nationalspieler engagiert sich für die Initiative Common Goal

Kürzlich hat Mats Hummels im sozialen Netzwerk Instagram ein Video gepostet. Man sieht, wie der 28-Jährige von einem Balkonvorsprung in einen Swimmingpool hüpft. Die Sache sieht nicht ungefährlich aus und ist sogar bis zum DFB-Manager Oliver Bierhoff vorgedrungen, der den Innenverteidiger des FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft vor „Nachahmungseffekten“ warnte. Mats Hummels ist nicht nur ein hervorragender Fußballspieler, er ist auch ein auffällig intelligenter Protagonist seiner Branche. Seiner Vorbildrolle ist der Beau sich sehr bewusst. Aber er nimmt sich auch heraus, manchmal ein bisschen verrückter zu sein als andere. Auch wenn es gefährlich aussieht und er einen Shitstorm im Internet und einen Rüffel vom Manager der Nationalmannschaft erntet. „Der Sprung“, sagt Hummels zu seiner Verteidigung, „war aus zwei Metern Höhe, das mag spektakulär ausgesehen haben, war aber harmloser als vom Brett im Schwimmbad.“

Ohnehin ist diese Episode weit weniger Schlagzeilen wert als das Gute, das Mats Hummels gerade erst angestoßen hat. Als erster deutscher Fußballprofi stiftet er ein Prozent seines Bruttoeinkommens an Common Goal, einer Initiative des Berliner Projekts Streetfootballworld. Von dort aus wird weltweit in 80 Ländern mit 120 sozialen Einrichtungen kooperiert, unter anderem mit Projekten in Indien, die sich um die Gleichberechtigung kümmern, Friedensinitiativen in Kolumbien oder Flüchtlingshilfe in Deutschland.

100.000 Euro für den guten Zweck

Ein Prozent des Bruttogehalts sind immerhin rund zwei Prozent des Nettoeinkommens, bei Hummels dürfte es sich um eine jährliche Summe von immerhin rund 100 000 Euro für den guten Zweck handeln. Common Goal heißt übersetzt auf Deutsch sowohl „gemeinsames Ziel“ als auch „gemeinsames Tor“. Eine treffende Doppeldeutigkeit. Die Initiatoren rechnen vor, in der boomenden Fußballindustrie würden rund 30 Milliarden Euro pro Jahr umgesetzt. Ein Prozent davon sind 300 Millionen Euro.

Inspiriert wurde Hummels durch den bei Manchester United unter Vertrag stehenden Spanier Juan Mata, der sich vor einigen Wochen der Initiative verschrieben hat. Der kleine Mittelfeldspieler hatte jüngst Slums der indischen Metropole Mumbai besucht. Er sagt: „Verglichen mit 99 Prozent der restlichen Welt verdienen wir Fußballprofis obszön viel“, er lebe „in einer Blase“. Mata zeigt sich begeistert darüber, dass Hummels ihm folgt. „Die Tatsache, dass ein Weltmeister auf dem Höhepunkt seiner Karriere dabei ist, dürfte auch weitere Spieler inspirieren, bei Common Goal mitzumachen“, so der 29-Jährige.

Auch Hummels ist überzeugt, „dass noch andere Spieler auf den Zug mit draufspringen werden“. Entsprechende Gespräche mit Teamkollegen habe er bereits geführt. Er hoffe, sagte er jetzt in Prag, „dass wir mit den Jahren viel Gutes tun werden“. Gemeinsam mit Mata sieht er das große Ganze, er spürt die immer tiefere Kluft zwischen dem kommerzialisierten Profifußball und den Fans. Für Hummels und Mata ist ihr Engagement auch ein Zeichen gegen die gefühlt ungebremste Gier, die der Profifußball derzeit verströmt.

Der „Berliner Morgenpost“ sagte Hummels: „Ich glaube, dass wir in einer Phase stecken, in der viele Menschen das Verständnis für die riesigen Summen verlieren. Wenn damit auch etwas Gutes getan wird, wäre das vielleicht anders.“ Er wolle mithelfen, zitiert ihn die Homepage von Common Goal, eine „Brücke zu bauen zwischen dem Profifußball und dessen sozialer Verantwortung“. Mit einem „kleinen Beitrag, der keinem von uns wehtut“, könne „Großes geschaffen werden“.

In Prag wies er darauf hin, dass aktuelle oder ehemalige Mitspieler wie Philipp Lahm, Manuel Neuer oder Toni Kroos bereits in eigenen Stiftungen engagiert sind. „Ich reih mich nur ein.“ Weitere Stiftungen unterhalten Lukas Podolski, Christoph Metzelder, Arne Friedrich, Franz Beckenbauer, Gerald Asamoah, Oliver Kahn, Giovane Elber und Neven Subotic und spendeten damit zuletzt 3,3 Millionen Euro im Jahr.

Die 36 deutschen Profiklubs engagieren sich aktuell mit knapp 0,7 Prozent ihres Gesamtumsatzes für soziale Zwecke, die Stiftung der Deutschen Fußball-Liga weist darauf hin, dass dieser Betrag das Vierfache von mittelständischen Unternehmen mit vergleichbarer Wirtschaftskraft ausmache. Allerdings besitzen diese Unternehmen bei weitem nicht die Strahlkraft der Fußballklubs. Dietmar Hopp, Besitzer der TSG Hoffenheim, hat eine spürbare Steigerung der sozialen Initiativen auf drei Prozent des Gesamtumsatzes vorgeschlagen, die ins Pflichtenheft der Lizenzierung aufgenommen werden sollte. Der Vorschlag blieb bislang ohne positive Resonanz.

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